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14.04.2015

Russland – Magie und Moderne

Junge Musiker spielen Mussorgsky und Prokofjew

Eine Klangreise in die Weite russischer Ausdruckskraft unternahm das Schwäbische Jugendsinfonieorchester. Doch alles andere als darin verloren zeigten sich die rund hundert Nachwuchskünstler auf dieser wuchtigen Expedition. Sie gingen unter der Leitung von Allan Bergius selbst auf eine kleine Reise und erfreuten Marktoberdorf, Kaufbeuren und zum traditionellen Finale Augsburg mit einem ungewöhnlichen Programm. Und sie gingen nicht unter in den Klangfluten von Modest Mussorgsky, Sergej Prokofjew und Nikolai Rimsky-Korsakow.

Das Publikum im Kongress am Park ließ sich gern entführen in die unterschiedlichen Bereiche russischer Sinfonik – Märchen, Magie und auch Moderne. Für letztere steht neben Schostakowitsch vor allem Prokofjew, dessen Schaffen aber längst einen klassischen Status angenommen hat. Sein 3. Klavierkonzert vereint Prokofjews teils wilden, teils raffinierten Gestus zwischen kühler, sachlicher Ästhetik, überbordenden Farbströmen und wilder Archaik. Bergius und sein Orchester breiteten mit Präzision und geschmeidigem Bewegungsverlauf das Klangbett für den überragenden Solisten Yi Lin Jiang. Der 27-jährige, in München geborene Shanghaier Pianist wusste mit dem Angebot viel anzufangen. Sein Spiel ist in das Orchester eingebunden; die virtuose Pranke in den märchenhaft wispernden, ekstatisch ausbrechenden Prokofjew’schen Fantasien stellt er in den Dienst des auf- und abwogenden Klangstroms. Die nach Beifallsjubel erfolgten Zugaben (Skrjabin und ein betörend swingender Gershwin) untermauerten seine Tastenkunst.

Eingestimmt in diese modernere russisch-musikalische Befindlichkeit Prokofjews hatte sich das Orchester mit einer Komposition, das seine Wurzeln ahnen lässt: Mussorgskys Tondichtung „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“. Allan Bergius formte mit den Musikern diese orchestrale Walpurgisnacht mit engagiert austariertem Ausdruck. Die dämonisch wirbelnden Hexentänze, der lasziv-böse ausströmende Spuk – alles wurde mit rhythmischer Akkuratesse gestaltet, bis zum erlösenden, im Glockenklang eingebetteten Schluss.

So bestens eingestimmt, konnten die Erzählungen von „Scheherazade“ als Konzerthöhepunkt beginnen: Rimsky-Korsakows grandioses orientalisches Märchen, Kernstück aus „Tausend und einer Nacht“. Hier waren alle gefragt, und sie erfreuten: die Valeurs der Holzbläser und ihrer Solisten, das goldene oder auch bedrohliche Gebaren der Blechbläser, der rhythmische Puls des Schlagwerks, der große Streicherkörper, der die Bewegungen der Meeresgewalt und ebenso das Liebesgemüt von Prinz und Prinzessin modellierte. Und alles erzählte die Scheherazade, die von Alexandra Raab betörend zum Schweben gebrachte Solovioline. In dem gewaltigen Werk gab es im Orchester kaum Ermüdungserscheinungen. Allan Bergius konnte mit diesen profinahen Leistungen aus dem Vollen schöpfen – das Publikum war begeistert.

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