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Augsburg

12.09.2018

Schaezler-Palais seit 60 Jahren in Stadtbesitz

Eine Kutsche kommt aus der Einfahrt des 1770 fertiggestellten Palais (rechts). Vor 60 Jahren schenkte es Freiherr Wolfgang von Schaezler der Stadt.<b></b>
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Eine Kutsche kommt aus der Einfahrt des 1770 fertiggestellten Palais (rechts). Vor 60 Jahren schenkte es Freiherr Wolfgang von Schaezler der Stadt.<b></b>

1958 verschenkte Mäzen Wolfgang von Schaezler sein „Stadthaus“. Die Kunst bekam damit ein unkündbares Domizil.

Wolfgang Freiherr von Schaezler wurde am 8. Oktober 1958 Augsburger Ehrenbürger. Diese Ehrung erfolgte aus gutem Grund: Vier Tage zuvor hatte er das traditionsreiche Schaezler’sche „Stadthaus“, Maximilianstraße 46, der Stadt Augsburg übereignet. Mit der Schenkung verband er Auflagen: Die Stadt darf zu keiner Zeit das Gebäude ganz oder teilweise verkaufen und sie muss es kulturell nutzen. Jede anderweitige Verwendung ist ausgeschlossen.

Der Mäzen wusste aus Erfahrung, dass dieser historische Bau weiterhin hohe Kosten verursachen würde. Der Bauunterhalt sollte jedoch nicht Augsburgs Steuerzahler belasten. Deshalb stiftete Wolfgang von Schaezler dafür den 138 Hektar großen „Schaezlerwald“ bei Unterbaar. Die Erträge aus dem laut Schenkungsurkunde nie verkaufbaren Waldbesitz müssen in Restaurierungen und Modernisierungen des „Schaezlerpalais“ investiert werden. Den Namen „Schaezlerpalais“ beschloss der Kulturausschuss am 5. September 1961 für das in der Familie „Stadthaus“, im offiziellen Sprachgebrauch „Schaezlerhaus“ genannte Anwesen Maximilianstraße 46.

Im Haupttreppenhaus erinnern Ölporträts an den Stifter und seine Gattin. Eine Gedenktafel hält fest, dass Wolfgang von Schaezler mit der Schenkung das Andenken an seine beiden im Zweiten Weltkrieg gefallenen Söhne Dietrich Alfred (1916-1940) und Lorenz Richard (1921-1943) bewahren wollte. Die im Schloss Scherneck lebende Tochter Dietlinde Anna war 1958 eigentlich Alleinerbin. Sie hatte der Schenkung ihres Vaters zugestimmt.

Schaezler-Palais seit 60 Jahren in Stadtbesitz

Marie Antoinette auf Brautfahrt

Auf einer dunklen Steinplatte in der Hausdurchfahrt ist die Hausgeschichte im Telegrammstil festgehalten. Sie beginnt mit dem Jahr 1765. Der Bankier, Münz- und Silberhändler Benedikt Adam von Liebert hatte das „Sulzerische Haus“ am Weinmarkt gekauft und im September 1765 abtragen lassen. Auf dem Areal wurde der Grundstein für ein repräsentatives Palais nach den Entwürfen des Münchner Hofbaumeisters Karl Albert von Lespilliez gelegt. Der Grundriss ist ungewöhnlich: Das Gebäude ist 107 Meter lang, an der Schauseite zum Herkulesbrunnen jedoch lediglich 19 Meter breit. Das Juwel des Palais ist der Festsaal. Zur Einweihung durfte der Hausbesitzer am 28. April 1770 die 14-jährige Kaiser-Tochter Marie Antoinette auf ihrer Brautfahrt von Wien an den französischen Hof begrüßen. Ihr Vater, Kaiser Joseph II., belohnte den Gastgeber in Augsburg mit der Erhebung in den Freiherrenstand. Dessen Tochter Maria Anna Barbara heiratete 1793 Johann Lorenz Schaezler. 1821 wurde auch Schaezler zum Freiherrn geadelt und Alleinbesitzer des Palais an der Maximilianstraße.

Vier Schaezler-Generationen wohnten darin, wenn sie nicht auf einem ihrer Landschlösschen lebten. Am 23. April 1880 wurde Wolfgang Lorenz Freiherr von Schaezler geboren. Er heiratete 1913 Hilda Sophia Helene Freiin von und zu der Tann-Rathsamhausen (1892-1986). Als vor 60 Jahren Wolfgang von Schaezler das Stadthaus der Familie der Stadt Augsburg schenkte, beinhaltete der Vertrag ein 50-jähriges Wohnrecht für die Familie. Darauf verzichtete der Mäzen 1964.

Plastiken von Fritz Koelle

Das große Gebäude hatte den Bombenkrieg mit reparablen Schäden überstanden. Zwei kleine Brandbomben hatten die Decke des Festsaals beschädigt. Wolfgang von Schaezler half nach Kriegsende Augsburg aus der Museumsnot und vermietete einen Teil seines intakt gebliebenen Hauses für Ausstellungen. Norbert Lieb, der damalige Leiter der Kunstsammlungen, hatte an diesem Entgegenkommen maßgeblichen Anteil. In der ersten Ausstellung wurden im Dezember 1945 „Maler der Gegenwart“ präsentiert. Oktober/November 1946 standen 14 Räume für „Elias Holl und seine Zeit“ zur Verfügung. Ab Sommer 1948 bekamen die Kunstsammlungen Räume für eine Dauerausstellung. Wolfgang von Schaezler ließ nach und nach die weitläufigen Trakte instand setzen, und die Kunstsammlungen durften sich darin „ausbreiten“. 1950 wurde ein Durchgang zur Staatlichen Gemäldegalerie in der Katharinenkirche geschaffen und ab 1957 konnten Bronzeplastiken von Fritz Koelle im Erdgeschoss aufgestellt werden. Ein besonderes Ereignis war im August 1955 der Empfang für Bundespräsident Theodor Heuss im Festsaal des Palais.

Nach der Übereignung dauerte es zehn Jahre, ehe die Stadt als nunmehrige Besitzerin eine umfassende Sanierungs- und Erneuerungsaktion einleitete. Sie begann im November 1968. Dabei wurden die vermauerten Arkaden zum Garten geöffnet. Dieser Eingriff stellte den ursprünglichen Bauzustand wieder her und verhalf dem 1150 Quadratmeter großen „Schaezlergarten“ zu neuer Nutzung: Er wurde zur bevorzugten Kulisse für romantische Hochzeitsfotos.

Immenser Aufwand

Seither waren etliche Instandsetzungs- und Modernisierungsaktionen nötig, um das Schaezlerpalais neuzeitlichen Standards als Museum, Kunstdepot und Verwaltungsgebäude anzupassen. Der seit der Schenkung vor 60 Jahren angefallene Aufwand für Restaurierungen an dem vor 250 Jahren errichteten Palais ist immens. Besucher genießen darin nicht nur die präsentierten Exponate, sondern ebenso das prachtvolle Ambiente des Baujuwels.

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