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Augsburg

27.07.2017

Schwamm beschädigt: Künstler schreibt Augsburgern Brief

Über diesen Schwamm, ein Kunstprojekt vor der City-Galerie, wird derzeit viel diskutiert.
Bild: Andreas Baumer

Dass das Kunstwerk vor der City-Galerie so schnell zerrupft wurde, sorgt für Diskussionen. Künstler Abdollahi hat sich mit einem Brief an die Augsburger gewandt. Er stellt Fragen.

Der Schwamm auf dem Willy-Brandt-Platz ist vollgesogen vom Regen. Löcher wie kleine Krater klaffen in dem gelben Kunstwerk vor der City-Galerie. Viele Hände haben an dem 10.000 Euro-Objekt gerupft, ganze Stücke herausgerissen. Das sagen die Augsburger und der Künstler dazu:

Studentin Natalie Weber begutachtet den löchrigen Schwamm. „Interessant ist doch, dass etwas, das in den öffentlichen Raum gestellt wird, gleich kaputt gemacht wird“, sagt die 20-Jährige, die vergangenes Jahr ihr Abitur in Kunst gemacht hat. Die Gesellschaft vermittle hier keinen guten Eindruck, findet sie.

Der Schwamm ist ein symbolisches Modell

Der Hamburger Künstler Michel Abdollahi hat seinen Schwamm Augsburg ihm Rahmen des Friedensfestes vorübergehend zur Verfügung gestellt. Das Objekt steht dort symbolisch für die Tilgung von Hass und Rassismus. Er ist überrascht, wie schnell der Schwamm beschädigt wurde. Wie er selbst beobachtet hatte, waren es Kinder, deren Eltern offenbar teilnahmslos daneben standen.

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Mit einem offenen Brief wandte sich Abdollahi über die sozialen Netzwerke wie Facebook an die Augsburger. Darin fragt auch er sich, was der Vorfall über die Gesellschaft aussagt. „Anstatt sich mit dem Kind über das Werk auseinander zu setzen, passiert nichts. Anstatt das Kind zu ermahnen, passiert nichts. Das ist nicht hinnehmbar.“ Der 36-Jährige wendet das Bild auf andere Situationen an: „Interessiert es genauso wenig, wenn die Kinder in die Radikalität abdriften? Wenn sie anfangen zu mobben und zu hassen? Sich einer rechten Demo anschließen oder im Schanzenviertel auf Krawallurlaub gehen?“

 

Nach einem Tag massiv beschädigt

Ihre beiden Kinder hätte sie nicht auf dem Schwamm turnen geschweige denn Stücke herausreißen lassen, sagt Yvonne Kleiber. Die Mutter zweier Kinder arbeitet in einem Geschäft in der City-Galerie. Am Freitag wurde der Schwamm auf dem Platz installiert. Am Samstag, als sie zur Arbeit kam, war er schon massiv beschädigt. Kleiber versteht nicht, warum die Eltern nicht eingeschritten sind. „Das hat doch einen Grund, warum der Schwamm dort liegt. So etwas mache ich doch nicht einfach kaputt.“ So richtig schön findet sie den Schwamm nun nicht mehr. Dem Künstler aber gefällt sein Werk auch im jetzigen Zustand sehr gut, betont er in seinem offenen Brief.

Michel Abdollahi.
Bild: Janick Zebrowski

Abdollahi erzählt, wie er selbst einige Kinder ermahnt hat, zwar mit dem Schwamm zu spielen, aber keinen Müll zu hinterlassen. Vier Jungs hätten sich daraufhin gekümmert, dass der Platz sauber bleibt. „Es zeigt, wie einfach es geht, zu erläutern und eine Wirkung zu erzielen“, meint der Künstler. Er spinnt den Gedanken weiter: „Und vielleicht im nächsten Schritt zu verhindern, dass aus friedlichen Kindern, hassende Erwachsene werden. Mit Zuneigung, Aufklärung, Interesse und Liebe.“ Wenn das jedoch fehle, weil Handy, Zigarette oder eigene Probleme wichtiger sind, als das Interesse am eigenen Kind, dann bräuchte man sich nicht zu wundern, dass unsere Gesellschaft zunehmend verrohe.

 

Der offene Brief von Abdollahi wird auf Facebook kontrovers diskutiert. „Für Kinder schreit ein Riesenschwamm förmlich danach zerlegt zu werden“, heißt es da zum Beispiel. Die Passanten an der City-Galerie jedoch sind sich in ihrer Meinung einig: Die Eltern hätten das verhindern müssen.

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