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Augsburger Geschichten

05.07.2018

Seit 1917 Flugzeugbau in Augsburg

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1926 lief in Augsburg die zivile Flugzeugproduktion an: In den Hallen an der Haunstetter Straße wurden Flamingo-Doppeldecker in Serie gebaut.
Bild: Fotos: Sammlung Häußler

Am 1. Juli startete die erste Militärmaschine – 350 Rumpler-Doppeldecker wurden bis Kriegsende 1918 gebaut.

Augsburgs Ruf als Luftfahrtstadt wurde durch Ballone und Luftschiffe made in Augsburg begründet. Zur Fliegerstadt wurde Augsburg erst 1916. In diesem Jahr etablierten der Ballon- und Luftschiffbauer August Riedinger und Edmund Rumpler den Flugzeugbau in Augsburg. Rumpler produzierte bereits seit 1908 in Berlin-Johannisthal Flugzeuge. Im Ersten Weltkrieg stieg die Nachfrage derart, dass er einen Standort für ein neues Werk im Süden des Deutschen Reichs suchte. Augsburg konnte eine 100-Hektar-Fläche für Werkshallen und ein Flugfeld bieten. So kam es zur Gründung der Bayerischen Rumpler-Werke AG.

Der Augsburger Industrielle August Riedinger war einer der fünf Kapitalgeber der am 24. Oktober 1916 gegründeten Aktiengesellschaft. Edmund Rumpler schickte als technischen Leiter den jungen Diplomingenieur Otto Meyer (er wurde später MAN-Generaldirektor). Es eilte: Der erste Spatenstich erfolgte am 25. November 1916. Bis zur Fertigstellung von drei Produktionshallen ließ Otto Meyer in gemieteten Räumen Tragflügel für Rumpler-Doppeldecker vorfertigen.

Die Augsburger wurden auf den Bau von Flugzeugen in ihrer Stadt mit einer Kriegs-Luftfahrt-Ausstellung in der Sängerhalle im Stadtgarten eingestimmt. Veranstalter war der Deutsche Luftflotten-Verein. Vom 8. April bis 6. Mai 1917 zeigte er dort neben flugfähigen Maschinen verschiedener Typen Modelle von Luftschiffen, Motoren, Waffen und den Korb eines Beobachtungsballons. König Ludwig III. betätigte sich als Propagandist und besuchte am 14. April 1917 die Ausstellung.

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Der erste Doppeldecker hob 1917 ab

Am 1. Juli 1917 war es soweit: Der erste Doppeldecker made in Augsburg hob vom Flugfeld an der Haunstetter Straße ab! Bis Kriegsende wurden etwa 350 Rumpler-Maschinen der Typen C I und C IV produziert. Sie trugen den Zusatz Bayru (Bayern-Rumpler). C IV war ein Zweisitzer-Doppeldecker mit 12,66 Meter Spannweite und 260-PS-Mercedes-Motor. Die Höchstgeschwindigkeit betrug 170 Stundenkilometer, die erreichbare Höhe 6000 bis 7000 Meter. Die Benzintanks fassten 240 Liter. Das reichte für vier Stunden Flugzeit. Eine in Augsburg gefertigte Bayru C IV ist erhalten. Sie befindet sich im Deutschen Museum.

In Augsburg lief 1917/18 ausschließlich eine militärische Produktion. Als Kampfflugzeug war der in Holzbauweise gefertigte, mit Stoff bespannte Doppeldecker mit zwei Maschinengewehren bestückt. Als Aufklärer wurde er mit einer Reihenbildkamera unter dem Beobachtersitz versehen. Statt der Kamera konnte die Maschine bis zu 100 Kilo Sprengkörper tragen, war also auch als Bombenflugzeug einsetzbar.

Die Belegschaft der Augsburger Rumpler-Werke wuchs bis Kriegsende auf fast 1000 Beschäftigte, darunter auch Frauen. Das Arbeitsbuch der Augsburger Schneiderin Katharina Zerrle bestätigt dies. Im Alter von 20 Jahren musste sie im Januar 1917 als Hilfsarbeiterin in der MAN antreten. Ab 9. August 1917 arbeitete sie bei den Rumpler-Werken. „Beschäftigung: Schneiderin“ lautet der Eintrag im Arbeitsbuch.

Die Siegermächte verboten den Flugzeugbau

Der Doppeldecker hatte eine Flügelfläche von 35 Quadratmetern. Die Holzrippen waren mit Stoff bespannt.

Die Siegermächte verhängten im November 1918 ein totales Flugzeug-Bauverbot im Deutschen Reich. Es endete erst am 5. Mai 1922. Der Augsburger Werksleiter Otto Meyer hatte bereits 1918 konkrete Pläne für einen zivilen Luftverkehr nach Kriegsende. Es gelang ihm, fabrikneue Rumpler-Doppeldecker und Maschinen aus Heeresbeständen zu kaufen. In Augsburg ließ er sie zu Passagierflugzeugen umrüsten und übermalen. Mit 16 Doppeldeckern begann der Flugbetrieb der von Otto Mayer gegründeten Rumpler Luftverkehr am 13. März 1919. An diesem Tag landete die erste Verkehrsmaschine in Augsburg. Sie war aus Berlin gekommen.

Der Flugzeugpark stieg auf 28 Maschinen. Ab Juni 1919 beflogen ehemalige Militärpiloten mit Rumpler-Doppeldeckern täglich die 660 Kilometer lange Strecke Augsburg-München-Fürth/Nürnberg-Leipzig-Berlin. Bis zu drei Passagiere sowie Postsäcke fanden in den umgerüsteten Zweisitzern Platz. 1919 beförderte Rumpler Luftverkehr 183 Passagiere, 1920 waren es 395 und 1921 schließlich 1669.

1923 mussten die Augsburger Rumpler-Werke Konkurs anmelden. Am 30. Juli 1926 erwarben die Bayerischen Flugzeug-Werke (BFW) die 1916/17 erbauten Hallen. Darin begann 1926 eine erfolgreiche zivile Flugzeugproduktion. Am 8. September 1927 schloss der Flugzeugentwickler Willy Messerschmitt mit den Bayerischen Flugzeug-Werken einen Kooperationsvertrag und wurde bald deren technischer Leiter.

Am 11. Juli 1938 folgte der Namenswechsel: Die Bayerischen Flugzeug-Werke hießen nun Messerschmitt AG. Die vormaligen Rumpler- und BFW-Werkshallen am Flugplatz wurden Werk I der Messerschmitt AG. Auf diesem Areal erstand ab 1972 das Univiertel.

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