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26.06.2017

Sind noch mehr Haie vor Mallorca?

„Menschen sind viel zu groß fürs Beuteschema von Blauhaien.“xxxNach drei Hai-Sichtungen, die am Wochenende vor der Südwestküste von Mallorca Badegäste in Angst und Schrecken versetzten, hat die spanische Küstenwache nun ein Tier gefangen und eingeschläfert.xxxx
Bild: Angela & Tim Prottey-Jones/dpa

Palma de Mallorca/Augsburg Seit Tagen kursieren dutzende Hai-Videos, gedreht von Mallorca-Urlaubern, in den sozialen Netzwerken. Man weiß nicht, ob sie alle echt sind. Doch echt ist: Ganz Mallorca scheint sich auf Hai-Jagd begeben zu haben. Der Hai-Spuk ist derzeit das Thema Nummer eins auf der Insel. Über den „Hai-Alarm auf Mallorca“, schrieb nicht nur die Mallorca Zeitung, auch der britische Guardian berichtete. Und die Bild hatte „Panik am Ballermann“ ausgemacht. Nach wie vor sind Touristen verunsichert. Sollen sie sich ins Wasser wagen?

Zunächst bemerkten Urlauber am vergangenen Samstagmittag an einem Strand westlich der mallorquinischen Inselhauptstadt Palma de Mallorca einen etwa zwei Meter langen Blauhai. Doch das Tier schwamm ins offene Meer zurück. Am Sonntagmorgen berichteten Touristen dann, ein Hai sei in der Nähe von Cala Major aufgetaucht. Nachmittags wurde ein Hai schließlich direkt vor der Touristenhochburg Ballermann gesichtet. Die Strandverantwortlichen hissten die rote Flagge und erteilten ein Badeverbot.

Gegen 17.15 Uhr waren Suchkommandos fündig geworden. Am Strandabschnitt des zu Palma gehörenden Örtchens Can Pastilla entdeckten sie einen Hai, der in aller Ruhe und scheinbar orientierungslos hin und her schwamm. Sie trieben ihn zum Ufer, wo ihn Spezialisten des Aquariums von Palma einfingen und betäubten, um ihn auf Krankheiten oder Verletzungen zu untersuchen.

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Denn normalerweise nähern sich Haie, die im Mittelmeer leben, nicht den Stränden, sondern bleiben in tieferen Gewässern. Der Verdacht der Fachleute bestätigte sich: Der etwa zwei Meter lange Blauhai, ein Jungtier, war schwer verletzt. Er hatte einen Angelhaken im Maul und eine tiefe Wunde im Körper, die von einer Harpune stammen könnte. Wegen seiner Verletzungen hatte er keine Überlebenschance. Die Veterinäre entschieden deswegen, den Hai einzuschläfern. Dies geschah am Sonntagnachmittag. Möglicherweise war er in seichtere Gewässer geschwommen, um nicht von anderen Raubfischen gefressen zu werden. Er wird nun obduziert.

Jürgen Kriwet, Biologie-Professor an der Universität Wien, vermutet dagegen, dass der Hai aufgrund der überfischten Gewässer rund um Mallorca im offenen Meer keine Nahrung mehr gefunden habe. Durch die strenge Hierarchie innerhalb der Art sei die wenige verfügbare Nahrung älteren Haien vorbehalten, Jungtiere hätten das Nachsehen. Diese suchten darum in Strandnähe nach Tintenfischen und kleinen Fischen, erklärt Kriwet, der in Landsberg am Lech geboren wurde. Er ärgert sich über Panikmache, wenn es um Haie geht. Insbesondere in diesem Fall: „Menschen sind viel zu groß für sein Beuteschema. Angriffe von Blauhaien kommen so gut wie gar nicht vor“, sagt er.

Seit der Erfassung von Hai-Übergriffen auf Menschen im Jahr 1900 seien insgesamt drei Blauhai-Attacken im Mittelmeer dokumentiert worden, so Jürgen Kriwet. Alle seien glimpflich für die Menschen ausgegangen – es habe nur sehr leichte Verletzungen, meist Abschürfungen, gegeben. Denn Haihaut sei mit Hautzähnchen bedeckt. Diese Widerhaken machten die Außenhülle des Tieres grob wie Schmirgelpapier, sodass schon eine Berührung zu einer Scheuerwunde beim Menschen führen könne.

Die Sicherheitskräfte an den Stränden Mallorcas nehmen die weiterhin bestehenden Ängste der Urlauber trotzdem ernst und bleiben in Alarmbereitschaft. Auch wenn Experten vermuten, dass es sich bei allen drei Sichtungen um denselben Hai handelte.

Im Jahr 2016 gab es weltweit 81 Haiangriffe, vier endeten tödlich. „Die Attacken nehmen über die Jahre hinweg langsam zu“, hat George Burgess vom Florida Museum of Natural History beobachtet, das diese Zahl ermittelt hat. Als Ursache dafür sieht er unter anderem die steigende Verbreitung von Wassersportarten. „Wenn wir Menschen uns ins Meer begeben, dann betreten wir die Wildnis“, sagt er.

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