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Theater

16.06.2017

Sister Act im Barock

An einen alten spanischen Brauch aus dem 17. Jahrhundert knüpfen zwei Ensembles an. Am Ende wirkt es sehr modern

Das 17. Jahrhundert war in Spanien auch ein Jahrhundert des Theaters. Allerorts führten Schauspieler Verwechslungskomödien, Tragödien und religiöse Schauspiele auf. Letztere wurden traditionell an Fronleichnam auf Theaterkarren oder in Kirchen und Klöstern gezeigt. Dieser Tradition folgend präsentierten im spanischen Original zwei Theatergruppen in der evangelischen Stephanuskirche in Augsburg Stücke aus Spaniens goldenem Zeitalter.

Zu den großen Theater-Autoren jener Zeit gehört Calderón de la Barca. Ihm widmete sich die Romanistik-Schauspielgruppe der LMU. In seinem „Großen Welttheater“ stellt Calderón klar, dass jeder Mensch in der Wiege die Bühne des Lebens betritt, danach eine klare Rolle zu spielen hat, ehe er das Theater dieser Welt im Grab verlassen muss. Die Studierenden gaben, wenn auch in unterschiedlicher Sprechqualität, überzeugend ihre Rollen.

Im zweiten Teil des Abends präsentierte das Lafinea Teatro aus Madrid eine grandiose Umsetzung eines religiösen Allegorienspiels. In dem Stück der Nonne Sor Marcela de San Félix ging es um den Kampf gegen Laster und Zügellosigkeit. In „La Muerte del apetito“ („Tod des Verlangens“) waren in der Fassung von Regisseurin Rebeca Sanz Conde vier Nonnen involviert. Die Seele musste den Verführungen durch Neid und Begierde standhalten. Die vier Schauspielerinnen boten in Mimik und Stimme ein beachtliches Register. Für ihren leidenschaftlichen Kampf zwischen Laster und Tugend bespielten sie den gesamten Kirchenraum. Als die Nonnen Lieder noch unterstützt von Tamburin und Kastagnetten lauthals, teils auf dem Altar stehend, intonierten, wehte durch den Kirchenraum ein Hauch von Sister Act. Olé- und Bravorufe. Claudius Wiedemann

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