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Augsburg

07.02.2019

Standortleiterin Vera Schneevoigt verlässt Fujitsu

Noch ist sie die Frau an der Spitze des Augsburger Fujitsu-Werks, aber Ende März wird Vera Schneevoigt den japanischen Konzern verlassen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Exklusiv Bis 2020 will Fujitsu seinen Standort Augsburg dicht machen. Nun scheidet Standort-Chefin Vera Schneevoigt aus dem Unternehmen aus.

Ende Oktober erlebte Vera Schneevoigt einen der bislang traurigsten Tage ihres Berufslebens. Die Managerin, die seit dem Jahr 2014 Werkschefin des Augsburger Fujitsu-Standorts ist, musste 1500 Mitarbeitern und 350 Leiharbeitern die bittere Botschaft überbringen, dass der japanische Konzern das Werk bis Herbst 2020 komplett aufgeben werde.

In einem Interview mit unserer Redaktion wollte sich Schneevoigt, die eine von wenigen Frauen in einer Spitzenposition bei einem IT-Konzern ist, damals nicht zu ihrer persönlichen Zukunft detailliert äußern. „Persönlich bin ich als Verantwortliche des Produktbereichs auch betroffen. Heute ist dies aber sicher nicht die wichtigste Frage“, sagte sie vor wenigen Wochen.

Uwe Romppel folgt bei Fujitsu auf Vera Schneevoigt

Jetzt herrscht Klarheit. Die Wege von Fujitsu und ihrer Spitzenmanagerin trennen sich bald. Am Donnerstag gab das Unternehmen bekannt, dass Vera Schneevoigt zum 11. Februar 2019 aus der Geschäftsführung der Fujitsu Technology Solutions (FTS) GmbH ausscheidet und zum 31. März 2019 das Unternehmen verlässt. Betont wird, dass es sich um eine Trennung im gegenseitigen Einvernehmen handelt. Der Abschied zum jetzigen Zeitpunkt hänge damit zusammen, dass sich Fujitsu strategisch neu ausrichtet. In diesem Fall heißt dies konkret, dass der Standort Augsburg aufgegeben werde.

An dieser Vorgabe ändere sich durch den Wechsel nichts, teilt das Unternehmen mit. Nachfolger wird Uwe Romppel. Der 59-Jährige ist im Augsburger Werk bestens bekannt. Er ist seit vielen Jahren in verantwortlicher Position tätig. Romppel war bislang bereits Verhandlungsführer in den Beratungen mit Betriebsrat und Gewerkschaft, wie der Sozialplan für die Fujitsu-Beschäftigten aussehen soll. Die Sozialplanverhandlungen sollen demnächst starten.

Vera Schneevoigt: "Jeder ist seines Glückes Schmied"

Der Abschied von Vera Schneevoigt mag für Außenstehende etwas überraschend kommen. Aus dem Unternehmen wird darauf verwiesen, dass ihr Geschäftsführervertrag zum 31. März 2019 ausläuft. Eine Vertragsverlängerung war dann für beide Seiten kein Thema mehr. Es handelt sich zudem um einen „sanften Übergang“, da die bisherige Standortverantwortliche ihren Nachfolger noch ein wenig einarbeitet. Wohin sich Vera Schneevoigt künftig beruflich orientiert, ist nicht bekannt. Sie selbst bezeichnet sich als neugierig, sehr offen und kommunikativ. Mut und Unerschrockenheit seien ihr Ding. Interessant mag daher auch eine Aussage aus einem Interview sein, das sie im Juli 2018 dem Handelsblatt gegeben hat. Es ging um die Frage, was die Spitzenmanagerin tun würde, wenn sie merken würde, dass sie unglücklich im Job ist. Ihre Antwort: „Jeder ist seines Glückes Schmied. Wenn ich das Gefühl habe, dass mich mein Job unglücklich macht, bin ich dafür verantwortlich, diese Situation für mich zu verändern.“

Vera Schneevoigt hat Kauffrau gelernt. Sie hat sich danach auf die produzierenden Bereiche konzentriert. Als Gründe für ihren Erfolg führt sie an, dass sie bereit gewesen sei, Verantwortung zu tragen und Entscheidungen zu treffen. Da spiele es keine Rolle, sich im IT-Bereich in der Männerwelt durchzusetzen: „Wenn Frauen es schaffen, von sich genauso überzeugt zu sein, wie es Männer offensichtlich gerne mal sind, dann sind Karrieresprünge keine Hürde mehr.“

Lesen Sie zum Thema auch: So stehen die Chancen für Mitarbeiter von Ledvance und Fujitsu

Hier lesen Sie außerdem ein Porträt von Vera Schneevoigt: Fujitsu-Chefin Vera Schneevoigt: Diese Frau kämpft für Computer aus Bayern

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Die Diskussion ist geschlossen.

03.03.2019

Was mich gewundert hat ist, dass Frau Schneevoigt auch in der Presse nur positiv dargestellt wurde.
Ich hatte in den ganzen Jahren ihrer "Regentschaft" nie den Eindruck, dass es ernsthaft darum ging die Standorte Paderborn (den gab es ja auch einmal) oder Augsburg zu erhalten. Meiner persönlichen Meinung nach ging es immer nur darum beide Standorte zu schließen.
Nachdem diese Aufgabe erfüllt zieht sie nun weiter zu Bosch und wird allenthalben gelobt. Für was eigentlich?
Dafür, dass sie die Standorte relativ geräuschlos geschlossen hat?

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08.02.2019

Dieses könnte man schon als krankhafte Symptome bezeichnen, oder Manager Krankheit, denn solche Herren werden immer gleich wieder aufgefangen und der kleine Mann wird erkennungsdienstlich erfasst, sprich ARGE.

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07.02.2019

Mir fällt spontan die Redewendung "Die Ratten verlassen das sinkende Schiff" ein.

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07.02.2019

Da haben Sie, leider Gottes, recht.

Diejenigen die am wenigsten für die Schliessung verwantwortlich sind, sind die Leidtragenden.
Sogenannte "Manager" schleichen sich aus der Verantwortung und tun so als ob alles ausserhalb ihres
Wissens stattgefunden hätte.

Das gleiche Spielchen war auch bei KUKA zu beobachten.
Mit dem Finger auf andere zu zeigen (hier China, dort Japan), sich selbst als Manager als "Opfer" der von nichts wusste der Öffentlichkeit zu präsentieren, und danach seinen nächsten mehr als gut situierten Job in einer anderen Firma weiter zu betreiben ist einfach, ziemlich dämlich, aber sehr einträglich.

Aber so sind "Ratten" und "Heuschrecken". Die einen kommen durch die Hintertür, die anderen fallen über einen her.

Solche "Manager" sind der Niedergang der Industrie in Deutschland.
Erst "diese" Manager ermöglichen durch ihre Börsen-Gier und der unsäglichen Sucht nach Anerkennung und noch mehr und mehr Profit diese Entwicklung.


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