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Augsburger Christkindlesmarkt

18.04.2015

Sternenschenke: Ist nach 30 Jahren Schluss?

Was wird aus der Sternenschenke?
Bild: Silvio Wyszengrad, Archivbild

Louis Bartmann und seine Frau Erika überlegen, ob sie ihr Geschäft weiter betreiben. Vielleicht gehört der In-Treff am Rathausplatz aber auch bald der Vergangenheit an.

Noch besteht ein Rest Hoffnung. Doch wie Louis Bartmann sagt, werden sich er und seine Frau Erika Bartmann-Oelze „aller Wahrscheinlichkeit nach“ vom Christkindlesmarkt zurückziehen und sich mit ihrer Sternenschenke nicht mehr für den kommenden Advent bewerben. Die Entscheidung fällt in der kommenden Woche. Am 30. April ist Bewerbungsschluss.

Stadt Augsburg trägt Entscheidung über mögliche Nachfolge

„Ich habe es der Stadt noch nicht gesagt“, erklärt Louis Bartmann, dessen Stand im Zentrum des Christkindlesmarktes 30 Jahre lang der Dreh- und Angelpunkt für viele Augsburger war. Vor allem abends herrschte vor dem Stand nahe dem Weihnachtsbaum großer Andrang und ein großes Hallo. Wer hier keinen Bekannten traf, war entweder kein Augsburger oder menschenscheu, scherzten viele.

Noch am Vormittag des Heiligen Abends kamen an der Sternenschenke ganze Schulklassen zusammen, die einst zusammen gelernt, sich nach dem Abschluss aber in alle Windrichtungen zerstreut hatten. An der Sternenschenke, das galt als gesetzt, konnte man an diesem Tag im Jahr immer jemanden treffen.

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Wer die Nachfolge der Bartmanns antritt, entscheide „einzig und alleine die Stadt“, erklärt Louis Bartmann und präzisiert: „Meines Wissens nach ist das der Volksfestbeirat.“ Vor zehn Jahren hatte sich das Ehepaar mit seinem Schallerfestzelt bereits vom Plärrer verabschiedet. Der Rückzug von der Sternenschenke wäre nun der endgültige Abschied des bekannten Paares.

Nach 30 Jahren macht die Gesundheit nicht mehr mit

Wie Louis Bartmann sagt, beschäftigt er sich mit dem Thema „genau genommen seit Anfang des Jahres“. Verantwortlich seien dafür gesundheitliche – um nicht zu sagen, orthopädische – Gründe, die er mit den extrem langen Arbeitszeiten erklärt. Fünf Wochen lang war der 75-Jährige 15 bis 18 Stunden auf den Beinen. Denn bekannt war die Sternenschenke für Spezialrezepte – darunter der „Schwipsi“ (mit eingelegten Kirschen) oder der Apfelpunsch –, deren Zusammensetzung nur Louis Bartmann selbst kannte.

Louis Bartmann und seine Frau Erika Bartmann-Oelze spielen mit dem Gedanken, die Sternenschenke auf dem Christkindlesmarkt aufzugeben.
Bild: Wolfgang Diekamp

Stolz war er stets darauf, die Getränke zu mindestens 80 Prozent selbst zu mischen. Sicher ist er sich, dass „die Gäste enttäuscht“ gewesen wären, hätte er Zugekauftes ausgeschenkt. Was die Aufgabe der Sternenschenke betrifft, ist er sich der vollen Unterstützung seiner Frau gewiss. Denn: „Meiner Frau“, sagt er, „ist meine Gesundheit sicher wichtiger.“

Wirtsleute waren oft selbst in der Sternenschenke

Wenn der Abend hereinbrach und sich die Menschen in geselliger Runde um den Tresen der Sternenschenke versammelten, waren nicht selten die Wirtsleute selbst vor Ort. Ein gutes Dutzend Mitarbeiter half ihnen dabei, den Ansturm der Vorweihnachtszeit zu bewältigen.

Die Gastgeberrolle übernahmen sie auf dem Rathausplatz mit Leidenschaft. Und die Tassen der Sternenschenke mauserten sich in all den Jahren unter den Gästen zum beliebten Weihnachtsmarkt-Mitbringsel. Ob es noch eine Tasse 2015 gibt, wird sich zeigen.

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