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Augsburg

02.05.2018

Tüftler entwickelt verblüffendes Schutzblech

Gabriel Kenzel hat ultraleichte Fahrradschutzbleche entwickelt. Sie sind stabil, aber auch so flexibel, dass man sie um die Hand wickeln kann, ohne dass sie kaputt gehen.
Bild: Bernd Hohlen

Gabriel Kenzel hat eine ultraleichte Lösung aus „Flexi-Carbon“ für Radler gefunden. Jetzt sucht er Finanziers. Experten der Uni helfen ihm.

Gabriel Kenzel ist passionierter Radler. Und er ist leidenschaftlicher Tüftler. Nun ist es dem Augsburger gelungen, ein kniffliges Problem zu lösen, um Radlern das Leben leichter zu machen. Kenzel hat ein neues Fahrradschutzblech mit extrem wenig Gewicht und überraschenden Eigenschaften entwickelt. Man kann es sogar um die Faust wickeln, ohne dass es kaputt geht. Das Geheimnis ist ein ungewöhnliches Leichtbau-Material: Flexi-Carbon.

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„Räder sind meine Leidenschaft“, sagt der 53-Jährige. Als Jugendlicher machte er große Touren durch seine Heimat Rumänien. Mit 15 Jahren strampelte er über die Karpaten bis ans Schwarze Meer. In Deutschland machte Kenzel aus seinem Hobby einen Beruf. Er hat einen Fahrradladen im Univiertel. Heute ist er mit dem Fahrrad vor allem im Alltag unterwegs – auch im Winter, wenn es nass und beschwerlich werden kann. Eines Tages stellte sich der gelernte Elektrotechniker selbst eine Aufgabe: „Ich wollte ein leichtes Rad haben, das man das ganze Jahr über fahren kann, ohne dass man schmutzig wird.“

Das Ziel: Leicht und bezahlbar

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Als er sich im Handel genauer umschaute, fand er viele passende Teile für sein Projekt. Nur bei extrem leichten und bezahlbaren Schutzblechen sei er er nicht fündig geworden, erzählt er. Es gab zwar Schutzbleche aus Carbon, aber nur in teurer Einzelanfertigung. Das war der Punkt, an dem der Augsburger den Entschluss fasste, selber eine bessere Lösung zu finden. Das war nicht einfach, wie sich herausstellte. Zwar gelang es Kenzel recht bald, Schutzbleche aus dem innovativen Leichtbaustoff Carbon zu entwickeln – einem Material, aus dem auch Teile von Autos und Flugzeugen hergestellt werden. Das Problem in diesem Fall: Die Bleche waren hart und spröde, so wie es Carbonfasern eben sind. Kenzel war klar, dass er sie so nicht an Kunden verkaufen konnte. Die Gefahr, dass sie bei einem Unfall splittern und Radler verletzen, war zu groß. „Das wäre für mich als Händler ein zu großes Risiko gewesen.“ Der Augsburger gab nicht auf.

Er testete viele weitere Herstellungsmethoden, bei denen Carbon und Spezialharz verwendet werden. Irgendwann stieß er auf das Vakuum-Infusionsverfahren, das er über Jahre hinweg für seine Zwecke weiterentwickelte. Nun hat er den Durchbruch geschafft: Kenzel kann einen Carbonfaser verstärkten Kunststoff herstellen, der leicht und stabil ist, aber gleichzeitig so biegsam, dass er nach seinen Angaben nicht splittert. Der Augsburger kann auch beeindruckend zeigen, was seine Schutzbleche aushalten: Er wickelt sie um seine Faust, so ähnlich, wie man es mit einem Ledergürtel machen kann. Wenn er sie wieder loslässt, springen die Teile in ihre Form zurück. Damit das „Schutzcarbon“ am Rad nicht unangenehm vibriert, wird es mit speziellen Haltern befestigt.

Großes Interesse

Ein Paar seiner ultraleichten Radlbleche wiegt nur 125 Gramm, halb soviel wie die besten aus Aluminium. Derzeit fertigt der Händler sie auf Bestellung – für knapp 140 Euro. Nachfrage von Kunden sei da, sagt er. Im Internet habe sich seine Erfindung schon herumgesprochen. Kürzlich war er auf einer Spezialradmesse bei Karlsruhe. Auch dort sei das Interesse groß gewesen. Doch nun hat der Tüftler einen Traum, den er sich erfüllen möchte. Er will mit seinen Schutzblechen in Serienfertigung gehen, um den Preis weiter senken zu können. „Dann werde ich Erfolg haben“, sagt er.

Für eine größere Produktion ist allerdings eine Vakuumpumpe notwendig, die enorm kostspielig ist. Kenzel hat deshalb eine Crowdfunding-Kampagne im Internet gestartet und sich dafür Hilfe von Experten der Universität Augsburg geholt. Dennis Steininger vom Augsburger Center for Entrepreneurship (ACE) der Uni erklärt, wie es geht: Die Schwarmfinanzierung funktioniert so, dass Kleinunternehmer von vielen Privatleuten niedrige Geldbeträge bekommen, um ihr Projekt zu finanzieren. Studentin Tanja Cermak brachte die Kampagne professionell in die Gänge. Kenzel will bis 25. Mai 20.000 Euro einsammeln. Nur wenn er das Ziel schafft, werden die Beträge von seinen Unterstützern abgebucht. Wenn nicht, geschieht nichts. Steiniger sagt: Das wäre doch schade, oder?

Kampagne Sie läuft unter crowdfund.flexi-carbon.de

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