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26.02.2018

Und wer ist eigentlich Anja Karliczek?

Berlin Sie ist die größte Überraschung unter den CDU-Kandidaten für das neue Kabinett von Kanzlerin Angela Merkel: Anja Karliczek. Die dreifache Mutter aus dem Münsterland soll das Ministerium für Bildung und Forschung übernehmen – eine Quereinsteigerin mit ungewöhnlichem Werdegang.

Die im April 1971 im nordrhein-westfälischen Ibbenbüren geborene Karliczek absolvierte nach dem Abitur auf dem Goethe-Gymnasium Ibbenbüren eine Ausbildung zur Bankkauffrau bei der Deutschen Bank in Osnabrück. 1993 wechselte sie in den familieneigenen Hotelbetrieb, ließ sich erneut ausbilden, diesmal zur Hotelfachfrau. Anschließend übernahm sie die Leitung des Hotels. 2003 begann Karliczek Betriebswirtschaftslehre zu studieren – da hatte sie gemeinsam mit ihrem Mann Lothar bereits drei Kinder und die Verantwortung für einen Betrieb. 2008 machte Karliczek ihren Abschluss als Diplom-Kauffrau an der Fernuniversität in Hagen. In die Junge Union ist die designierte Ministerin 1998 eingetreten. Sechs Jahre später wurde sie erstmals in den Rat der Stadt Tecklenburg gewählt. Schon in ihrer zweiten Wahlperiode übernahm sie ab 2009 den Posten der Vize-Fraktionsvorsitzenden. Es folgte der Vorsitz über den CDU-Stadtverband Tecklenburg und die Wahl zur Fraktionschefin. 2013 zog die zielstrebige Christdemokratin mit 47,9 Prozent über ein Direktmandat in ihrem Wahlkreis Steinfurt III in den Bundestag ein.

Seit 2017 ist sie Parlamentarische Geschäftsführerin der Unionsfraktion. Als Finanzpolitikerin befasste sie sich unter anderem mit einer Reform der Lebensversicherung sowie der betrieblichen Altersvorsorge und dem Bund-Länder-Finanzausgleich. Nach der Bundestagswahl ließ Karliczek in Interviews mit ihrer Heimatzeitung bereits erkennen, dass sie über ihren Bereich hinausdenkt: „Innerhalb Europas wird erwartet, dass wir mit Frankreich zusammen Ideen entwickeln, wie der Fahrplan der nächsten Jahre sein soll“, sagte sie vor Beginn der Koalitionsverhandlungen mit CSU und SPD den Westfälischen Nachrichten. „Wir haben in den letzten Monaten gesehen, dass Europa eigenständiger werden muss.“ Die Entwicklung Europas wird nun aber nicht zu ihren Kernaufgaben gehören, dafür geht es umso mehr um Forschung – Neuland für Karliczek.

Die scheidende Amtsinhaberin Johanna Wanka war eine ausgewiesene Wissenschaftlerin. Ganz anders die Westfälin, die ihre Wahl zur Ministerin wohl auch Unionsfraktionschef Volker Kauder zu verdanken hat. Karliczek kann auf einen großen Vertrauensvorschuss der Kanzlerin setzen. Es gehe ihr darum, dass ein Minister die Fähigkeit habe, „Neues aufzunehmen, um dann ein Amt auszufüllen“, sagte Merkel am Sonntag bei der Vorstellung ihrer Kabinettskandidaten für eine Große Koalition. Das traue sie Karliczek zu. Ein Verteidigungsminister müsse schließlich auch keine Soldatenlaufbahn absolviert haben. Ein offenes Herz für die Wissenschaft reiche aus, sagte die Kanzlerin.

Wie sich die Neue in ihr Themengebiet einarbeiten möchte? „Fragen, Fragen, Fragen“, antwortete Anja Karliczek gestern in einem Interview. (dpa, AZ)

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