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Ausstellung

02.12.2015

Unterwegs in Bildlandschaften

Malerei und Zeichnung: Norbert Kiening zeigt derzeit an zwei Orten seine Werke

An zwei ziemlich weit voneinander entfernten Orten in der Stadt zeigt der Künstler Norbert Kiening derzeit seine Arbeiten: In der Kongresshalle hängen auf grauem Sichtbeton acht großformatige, farbstarke Gemälde. In der versteckt liegenden Artothek im H2 im Glaspalast stellt Kiening Zeichnungen aus. Beides sind keine klassischen Ausstellungsräume. Der Kongress am Park ist nur bei Veranstaltungen zugänglich – und der Lagerraum der Artothek befindet sich im Bürotrakt der Ausstellungshalle des H2.

Beide Kiening-Präsentationen verantwortet die „Gesellschaft für Gegenwartskunst (GfG)“, ein seit 22 Jahren bestehender gemeinnütziger Verein, der sich für die „Förderung zeitgenössischer Kunst“ in Augsburg engagiert. An der Spitze der GfG, deren letztes größeres Ausstellungsprojekt „in Farbe!“ 2014 zu sehen war (H2, mit Katalog) steht der Architekt Stefan Schrammel.

In Farbe: Das passt in jedem Fall auf die großen Leinwände Norbert Kienings, die sich im weitläufigen Foyer des Kongresses am Park gut behaupten. Kiening, Jahrgang 1959, seit Jahren Vorsitzender des Berufsverbands Bildender Künstler (BBK), malt abstrakte Farblandschaften, die aufgebrochen sind von Ritzungen, Kratzern und Kerben und durchzogen von dynamischen Bleistiftstrichen.

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Die Oberflächen dieser Gemälde sind mal schrundig und aufgeworfen, mal dünn und glatt. Kiening benutzt unterschiedliche Farben: Aquarell, Acryl und Öl. Er beginnt mit auf der am Boden liegenden Leinwand mit einem Farbthema, einem „Grundton“, und improvisiert dann an der aufgestellten Leinwand weiter. Es ist ein Prozess des Hinzufügens und Zurückdrängens, des Findens, Verdichtens und Verwerfens.

Durch Mischtechniken entstehen ganz unterschiedliche Effekte, Schichtungen und Farbtexturen: deckend, durchscheinend, verschwimmend, fließend.

Wichtigste Werkzeuge des Malers im Diedorfer Atelier sind nicht Pinsel, sondern Spachtel. Wer vor einem der Großformate steht, sieht zunächst einen Gesamtklang – und dann wandert das Auge zu Inseln, Bereichen, zu Details im Gemälde, zu autonomen Zonen und Flecken im Bild.

Es ist ein wenig wie mit einem Haus: Zuerst sieht man es von außen, die Fassade, die Gestalt. Und dann beginnt der Betrachter, einzelne Räume zu erkunden. Räume, die zueinander in Beziehung stehen, miteinander verbunden sind. „Ich will, dass in meinen Bildern Entdeckungen möglich sind“, sagt Norbert Kiening, „ich will dem Betrachter viele Möglichkeiten anbieten“.

Virtuos führt der Maler das Auge auf seinen Leinwänden durch eine Farblandschaft, in der es Nähe und Ferne, Dichte und Tiefe gibt.

In der Artothek im Glaspalast zeigt der gelernte Buchdrucker, der an der Fachhochschule Augsburg Design studierte und seit 1989, als er den Kunstförderpreis der Stadt Augsburg erhielt, frei arbeitet, Zeichnungen.

Mit schwarzem Graphit hat der Künstler festen Karton bearbeitet. Auch diese Arbeiten sind ungegenständlich. Und wie auf den Gemälden gibt es auch auf den Zeichnungen dynamische Bewegungen und Richtungswechsel durch strahlenartige Linien und Schraffuren. Diese Linien, die helle und dunkle Zonen durchziehen, entstehen auf unterschiedliche Weise: Sie sind geritzt, mit dem Radiergummi freigelegt oder eben in Schwarz gezeichnet.

Auf den Blättern liegen das Helle und das Dunkle in einem Ringen miteinander – es geht um Anziehung und Abstoßung, um Nebeneinander und Ineinander, um Austausch und Annäherung. Norbert Kiening findet in diesen Zeichnungen immer andere Kräfteverhältnisse und Grauschattierungen zwischen Schwarz und Weiß.

Ausstellung im Kongress am Park bis April 2016. Artothek im H2 zu den H2-Öffnungszeiten bis 10. Januar 2016

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