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Augsburg

03.10.2019

Von Stade nach Rom: Was ein Pilger an Augsburg schätzt

Pilger Guiseppe Sala machte Station in Augsburg.
Bild: Bernd Hohlen

Der Italiener Guiseppe Sala hat sich viel vorgenommen: Er pilgert 2200 Kilometer, macht in Augsburg Station und lobt die Stadt.

Guiseppe Sala sitzt am Tisch im Café. Aus der Brusttasche zieht er ein kleines Heftchen. Darin Dutzende Stempel, blau, grün, schwarz. Manche zeigen Kirchen, andere nur den Ortsnamen. Norhausen, Gotha, Mellrichstadt. Der letzte Stempel im Heft zeigt die Figur des heiligen Jakob, darunter steht Augsburg. Guiseppe Sala ist Pilger. Er ist unterwegs von Stade in Niedersachsen nach Rom – in die Hauptstadt seines Heimatlandes Italien. 2200 Kilometer folgt er der Via Romea. Einer Route, die wohl aus dem 13. Jahrhundert stammt und von Abt Albert Stade niedergeschrieben wurde.

Er war schon 12000 Kilometer unterwegs

Sala ist ein erfahrener Pilger und ein sehr aufmerksamer. Der 70-Jährige pilgert jedes Jahr, seit er 2011 in Rente ging. Einmal jährlich packt der ehemalige Flugzeugingenieur seinen Rucksack, nimmt seinen Stock und zieht los. Er lief den berühmtesten aller Pilgerwege, den Jakobsweg nach Santiago und weiter nach Finestre, folgte der Via Francigenta, pilgerte in Japan zu 88 Tempeln. Auf die Frage, wie viele Kilometer er insgesamt gelaufen sei, antwortet er nach kurzem Überlegen mit „mindestens 12000“.

Es sprudelt aus ihm heraus, wenn er von seinen Erlebnissen erzählt. In sein Englisch mischen sich dann immer wieder italienische und deutsche Wörter. Tolle Begegnungen habe er gemacht, spannende Menschen getroffen. Und ja, er pilgere auch aus religiösen Gründen, erzählt er. Hauptsächlich aber aus Interesse. Giuseppe Sala läuft nämlich nicht einfach los. Er beschäftigt sich vorher mit dem Weg, den er geht.

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Was Pilgern anstrengend macht

Die Via Romea sei sehr anstrengend, besonders für den Kopf. Als Pilger sei man da sehr einsam unterwegs und das zehrt. Und damit kommt Guiseppe Sala zu einem seiner Anliegen. Als Pilger, sagt er, brauche man nicht viel: Ein Dach über dem Kopf, ein Bett zum Ausruhen, etwas zu essen und trinken. Er erzählt davon, wie schwierig es manchmal war, Brunnen zu finden – nicht in Augsburg natürlich. Noch schwieriger sei die Suche nach einer Unterkunft gewesen. Nur selten gebe es einfache Pilgerunterkünfte. „Die Route ist wenig bekannt und daher schlecht ausgebaut“, sagt er. „Manchmal wussten nicht mal die Menschen in der Touristeninformation von dem Pilgerweg.“

Augsburg hilft Pilgern

Anders in Augsburg. Hier fand er sogar einen direkten Ansprechpartner, der sich um den Pilger aus Italien kümmerte. In Augsburg kreuzt die Via Romea den Jakobsweg. Als Pilger ist Guiseppe Sala zum ersten Mal in der Stadt, allerdings ist Augsburg nicht neu für ihn. Seine Tochter verliebte sich vor vielen Jahren in einen Augsburger. Deshalb war Sala mit seiner Frau damals schon zu Besuch. Die Kirchen besucht er trotzdem auch diesmal – nicht nur, um sich einen Stempel für sein Pilgerheft abzuholen. „Die Kirchen hier sind wunderschön“, sagt er.

Viel Zeit hat er allerdings nicht. Er hat noch hunderte Kilometer vor sich bis Rom. Ende November will er dort sein. Er hofft, es vor dem schlechten Wetter über die Berge zu schaffen.

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