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Adelzhausen

29.05.2019

Waffendeal an der A8: Mann nach Kopfschuss freigesprochen

Der Parkplatz an der Kapelle St. Salvator bei Adelzhausen: Hier spielte sich im Juli 2017 ein Drama mit Armbrust und Kopfschuss ab.
Bild: Marcus Merk

Ein Mann will seine Waffen verkaufen, mit dem Käufer trifft er sich auf dem Pendlerparkplatz in Adelzhausen. Dann kommt es zum Drama. Nun ist ein Urteil gefallen.

Die Tat, über die jetzt eine Strafkammer des Landgerichts zu urteilen hatte, sorgte im Sommer 2017 für Aufsehen. Ein Münchner Unternehmer, der nach Brasilien auswandern will, bietet auf einer Internetplattform seine Jagdwaffen zum Kauf an. Darunter ist eine Glock-Pistole, für die ein Interessent 400 Euro bietet. Doch der verabredete Übergabeort, ein Autobahnparkplatz an der A8 bei Adelzhausen, ist ein Hinterhalt. Als der 42-Jährige dort eintrifft, aus seinem Auto steigt, zielt ein 19-jährigen Mann mit einer Armbrust auf ihn, schießt, ohne zu treffen. Als beide Männer im Zweikampf am Boden liegen, kann der Münchner seine Pistole ziehen. Er schießt dem Täter in den Kopf.

Nicht sein Angreifer, sondern er als der Überfallene stand jetzt in Augsburg vor Gericht, angeklagt wegen schwerer Körperverletzung. Den zunächst erhobenen Vorwurf des versuchten Totschlags - der 42-Jährige saß deswegen drei Monate in U-Haft - hatte die Staatsanwaltschaft im Zuge der Ermittlungen fallen gelassen. Am Mittwoch konnte der Unternehmer endgültig aufatmen. Die dritte Strafkammer des Landgerichts hat ihn von jeglicher Schuld freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Bewährungsstrafe von 16 Monaten gefordert. Der Staat muss dem Unternehmer, er ist Informatiker, laut dem Gerichtsurteil außerdem für die erlittene Haftzeit und für das Jahr, als er freikam, aber Deutschland nicht verlassen durfte, eine Entschädigung zahlen.

Musste der Mann in den Kopf schießen?

Ein Freispruch, der selbstverständlich ist? Keinesfalls. Der Vorsitzende Richter Michael Schneider ging im Urteil ausführlich darauf ein. Denn die Rechtsprechung verlangt, vom Bundesgerichtshof mehrfach bestätigt: Wer aus Notwehr handelt, darf nicht überreagieren, muss das mildeste Mittel anwenden, um seinen Gegner kampfunfähig zu machen. Hätte der Unternehmer, als er am Boden lag, auf ihm der Täter, diesen nicht in andere Körperteile schießen können als in den Kopf?

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Staatsanwalt Michael Nißl gab sich in seinem Plädoyer davon überzeugt. Immerhin hatte der Unternehmer nach seinen Angaben beide Hände frei gehabt, als ihn sein Gegner in den Schwitzkasten nahm. In Todesangst, so schilderte es der verheiratete 42-Jährige, habe er mit einer Hand seine Pistole ergriffen, die in einer Hosentasche steckte, mit der anderen habe er die Pistole mit dem Magazin geladen. Dann drückt er ab. Erst beim zweiten Versuch löst sich ein Schuss, trifft den anderen in den Kopf. Er habe ihm erst von hinten in die Schulter schießen wollen, sagte der Angeklagte. Es aber bleiben lassen, um sich nicht selbst zu verletzen.

Das Opfer kann nicht befragt werden

Nach Überzeugung des Gerichts hatte der Täter "listig eine Falle gestellt". Der Schuss in den Kopf war gerechtfertigt, da sich der Angeklagte "nicht auf das Risiko eines Fehlschlags bei seiner Verteidigung habe einlassen müssen", zitierte Richter Schneider eine Entscheidung des Bundesgerichthofs.

Das Opfer ist heute schwer behindert, kann zum Geschehen nicht mehr befragt werden. Die Kugel hat große Teile seines Gehirns zerstört, er hat ein Auge verloren, eine Körperseite ist gelähmt. Er leidet zudem an epileptischen Anfällen. Der 19-Jährige, der bei seiner Mutter lebt, eigentlich aber in ein Pflegeheim müsste, lehnt heute jeglichen Kontakt zur Außenwelt ab. Wie seine Mutter im Prozess offenbarte, wäre er auch ohne die Tat mit den für ihn furchtbaren Folgen sein Leben lang auf Hilfe angewiesen gewesen. Er ist verhaltensgestört, ein Autist.

So konnte der Prozess auch nicht klären, weshalb der 19-Jährige eine Waffe hatte kaufen wollen. Fest steht, er hat sich bei dem Münchner unter falschem Namen gemeldet und eine falsche Wohnadresse angegeben. Der Unternehmer hätte ihm die Pistole ohnehin nicht verkauft. Anders als zugesagt besaß er keine Waffenbesitzkarte. Und den vereinbarten Kaufpreis hätte er nicht zahlen können. Er war mit dem Auto und nur zehn Euro in der Tasche aus dem 160 Kilometer entfernten Göppingen angereist.

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