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Augsburg

09.10.2019

Wandschmierereien: Ein Hausbesitzer klagt sein Leid

Christoph Bergmiller steht vor einem Haus im Katharinenviertel. Wie so viele andere Gebäude wurde es durch Graffiti verschandelt.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Christoph Bergmiller hat eine Immobilie in Augsburg. Erst vor Kurzem musste er wieder viel Geld bezahlen, um Graffiti entfernen zu lassen.

Wenn es um Wandschmierereien an Häusern geht, ist der Augsburger Christoph Bergmiller ein guter Ansprechpartner. Zu illegalen Graffiti hat der 80-Jährige einiges zu sagen – aus doppeltem Anlass: Bergmiller ist Immobilienbesitzer. Darüber hinaus betrieb er viele Jahre lang einen Handwerksbetrieb – ein Malergeschäft.

Bergmiller war viele Jahre lang als Maler tätig. Daher weiß er, mit welch hohem Aufwand Schäden an Häusern beseitigt werden müssen. Als Immobilienbesitzer kennt er auch die Kosten, die bei der Beseitigung von Wandschmierereien anfallen: „Ich habe erst wieder 4200 Euro gezahlt, um Graffiti am Gebäude zu entfernen.“ Da in diesem Fall kein Sprayer ermittelt wurde, bleibt Bergmiller auf den Kosten sitzen. Der Hauseigentümer will darüber gar nicht lamentieren: „Ich möchte in erster Linie, dass die Verschandelung an Häusern eben nicht dauerhaft bleibt.“

Seine exakte Adresse will der 80-Jährige nicht sagen. Sie liegt im Katharinenviertel, unweit des Zeughauses. Bei einem Ortstermin stellt sich Christoph Bergmiller vor eine Hauswand, die nach seinen Worten seit Längerem beschmiert ist. Er verfolgt das Geschehen im Viertel mit den unerwünschten Sprayern intensiv: „Ich muss sagen, es war schon schlimmer.“ Dennoch sind die Tags, also der Name des Sprayers, und Farbkleckse störend. Letztlich sei entscheidend, wie Hausbesitzer auf die Schmierereien reagieren.

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Unerlaubte Graffiti: Die Substanz der Gebäude leidet

Graffiti sind eher abstoßend. Der Malermeister kommt abseits der Ästhetik auf einen anderen Punkt zu sprechen, der nach seiner Wahrnehmung vielen Menschen nicht bewusst ist: „Es geht gar nicht allein um die Schönheit. Es kann auch um die Substanz der Häuser gehen.“ Bergmiller zeigt auf ein Haus im Viertel. Es ist das Gebäude, das ihm gehört. Von außen ist es schön anzuschauen, weil sämtliche Graffiti entfernt wurden. Was das Auge des Betrachters nicht wahrnimmt, sei der Zustand im Innern des Gebäudes, erläutert der Immobilienbesitzer.

Ein Teilbereich des Hauses sei nicht unterkellert. Feuchtigkeit steigt auf. Bergmiller bittet darum, an die Hauswand zu klopfen. Das Geräusch klingt hohl. Es handle sich hier um die Putzschale, sagt der Maler. Wenn nun wegen der Beseitigung von Graffiti unnötig viel Farbe aufgetragen werde, sei dies nicht gut: „Die Feuchtigkeit kommt dann nicht mehr raus. Damit wird die Atmungsaktivität unterbunden.“ In einem Satz zusammengefasst: „Dies trifft die Substanz des Hauses.“

Graffiti: Die Stadt Augsburg unterstützt Hausbesitzer

Dass die Stadt Augsburg künftig Hausbesitzern im Stadtgebiet mit einem finanziellen Zuschuss helfen möchte, die Graffiti zu beseitigen, freut den Augsburger Malermeister: „Für die Betroffenen ist es ein positives Zeichen.“ Wie berichtet, kam das Thema illegale Graffiti in der Sitzung des zuständigen Allgemeinen Ausschusses zur Sprache. Man wolle Geld zur Verfügung stellen, war die mehrheitliche Auffassung der Stadträte. Bei der Finanzierung geht die Stadt davon aus, dass für die Pilotphase (2020 bis 2022) in der Gesamtsumme etwas mehr als 150.000 Euro benötigt werden.

Das Projekt „Schmierflink“ ermöglicht Hausbesitzern, Zuschüsse zur Sanierung ihrer Hausfassade bei der Stadt zu beantragen. Insgesamt werden von den Gesamtkosten einer Entfernung der Wandmalereien bis zu 40 Prozent übernommen. Allerdings darf der Maximalbetrag an berücksichtigungsfähigen Kosten bei nicht mehr als 50 Euro pro Quadratmeter liegen. Der höchste Zuschussbetrag liegt bei 20 Euro pro Quadratmeter. Festgelegt ist, dass Graffiti, die in Hinterhöfen angebracht wurden, nicht zum Finanzierungspaket gehören. Die beschmierten Stellen müssen laut städtischer Vorgabe vom öffentlichen Raum aus einsehbar, also eine sichtbare Verschandelung sein.

Die Beseitigung von Graffiti hat auch einen psychologischen Hintergrund: Beschmierte Wände locken laut Auskunft der Polizei schnell Nachahmer. Die Hemmschwelle, unversehrte Wände zu besprühen, sei ungleich höher.

Graffiti: Das sagt die Polizei

Wer mit offenen Augen durch das Viertel von Bergmiller geht, erkennt, dass mehrere Hauseigentümer auf das Angebot der Stadt zurückgreifen könnten – sofern sie wollten. Dort wie in der gesamten Innenstadt sind viele Wände verunstaltet. Die Polizei hat im Vorjahr in Augsburg insgesamt 672 Graffitistraftaten registriert. Das Ausmaß der Schäden ist immens: 2000 bis 3000 Euro können pro Sachbeschädigung schnell anfallen, lautet ein Erfahrungswert.

Lesen Sie dazu den Kommentar: Auch Prävention hilft gegen illegale Graffiti

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