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Augsburg

13.10.2019

Warum die neue Lechhauser Feuerwehr etwas Besonderes ist

Ausbildung in der Hauptwache der Feuerwehr an der Berliner Allee. Hier werden ab dem kommenden Jahr auch die Lechhauser Feuerwehrleute für den Ernstfall trainieren.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Immer weniger Menschen sind bereit, sich in einer Feuerwehr zu engagieren. Doch in Augsburg geschieht das Gegenteil: Es entsteht eine neue Wehr. Wie kommt es dazu?

Es ist eine große Aufgabe, die sich mehr als 40 Frauen und Männer in Lechhausen aufgebürdet haben. In nur drei Jahren soll in dem Augsburger Stadtteil eine neue Freiwillige Feuerwehr einsatzbereit sein. Sie soll dann ausrücken, wenn es östlich des Lechs brennt, auch die Autobahn könnte zu einem wichtigen Einsatzort werden. Franz Ranzinger ist erst seit vier Wochen Kommandant. Er sagt: „Es wird anstrengend, aber alle sind hoch motiviert.“ Ranzingers Amt ist ein ganz besonderes. Denn Lechhausen stemmt sich gegen einen Trend. Während deutschlandweit immer mehr Feuerwehren aufgelöst werden, gibt es nur noch sehr selten Neugründungen.

Wie kommt es dazu, dass ausgerechnet in einer Großstadt eine Feuerwehr neu gegründet wird? Wird das Leben in den Städten nicht immer anonymer – mit sinkender Bereitschaft, sich für die Gesellschaft zu engagieren? Zumindest in Lechhausen scheint das so nicht zu stimmen. Der Trägerverein für die Freiwillige Feuerwehr hat fünf Jahre nach der Gründung immerhin 167 Mitglieder. Und 44 Mitglieder sind bereit, aktiv im Feuerwehrdienst tätig zu werden.

Viele kennen sich vorher nicht, eine Sache haben sie aber gemeinsam

Die Idee, in Lechhausen eine Feuerwehr zu gründen, hat Thomas Straub im Jahr 2013. Schnell findet er Verbündete. Viele kennen sich vorher nicht. Was die meisten aber eint, ist ein „Helfer-Gen“, das ihnen irgendwann eingepflanzt worden ist. Viele, die jetzt in der Lechhauser Wehr mitmachen, hatten auch zuvor schon Kontakt zur Feuerwehr- oder Blaulichtszene. Und viele kommen ursprünglich auch gar nicht aus Augsburg.

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So wie der neue Kommandant Franz Ranzinger. Er stammt aus dem Bayerischen Wald, war dort bei einer Feuerwehr schon Gruppenführer und mit Atemschutzgerät im Einsatz. Als er Anfang der 2000er-Jahre nach Lechhausen zog, da vermisste er das Ehrenamt als Feuerwehrmann. „Es ist einfach ein gutes Gefühl, wenn man anderen Menschen helfen kann“, sagt er. Gefehlt hat ihm auch die Kameradschaft, die er bei der Feuerwehr erlebte. Doch es gab eben keine Wehr, in der er sich engagieren konnte. Sich in einem anderen Stadtteil einzubringen, ergibt nicht viel Sinn. Die Feuerwehrleute sollten nicht allzu weit entfernt vom Standort der Wache wohnen – sonst dauert es zu lange, bis sie im Ernstfall beim Einsatz sind. Deshalb war Franz Ranzinger auch schnell Feuer und Flamme, als er von den Feuerwehr-Plänen erfuhr. Ähnlich ist es bei Marcus Hofmann, dem stellvertretenden Kommandanten. Er stammt aus Niedersachsen und war dort schon bei der Feuerwehr. Die Vorsitzende des Trägervereins, Janina Hägele, hat einen aktiven Feuerwehrler als Ehemann. Er ist Mitglied bei einer Wehr in seiner württembergischen Heimat. Mehrere Lechhauser Feuerwehrler sind auch schon länger bei Hilfsorganisationen wie dem Roten Kreuz ehrenamtlich tätig.

Sie bilden die Führung der neuen Lechhauser Feuerwehr (von links): Kommandant Franz Ranzinger, Vorsitzende Janina Hägele, die stellvertretende Vorsitzende Sandra Hartmann-Franke und Vize-Kommandant Marcus Hofmann.
Bild: Michael Hochgemuth

Neue Feuerwehr-Pläne in Augsburg: Die Stadt war erst wenig euphorisch

Bei der Stadt war man zunächst nicht besonders euphorisch, als vor einigen Jahren die Feuerwehr-Pläne in Lechhausen bekannt wurden. Auch Augsburgs Feuerwehr-Chef Frank Habermeier äußerte sich damals eher skeptisch. Beeindruckt vom Engagement war auch er. Doch eine Feuerwehr verschlingt eine Menge Geld. Jeder Aktive muss ausgerüstet werden. Dazu kommen weitere Technik, Fahrzeuge, eine Wache. Für die Stadt ist das eine Millionen-Investition. Wird so viel Geld ausgegeben, dann muss es auch gut begründet werden. Die Frage war deshalb: Braucht man in Lechhausen überhaupt eine Feuerwehr?

Diese Frage ist inzwischen beantwortet. Der Stadtrat hat im Juli grünes Licht gegeben für die Feuerwehr. Weil ein Teil der Berufsfeuerwehr von der Hauptwache an der Berliner Alle in den Westen der Stadt verlegt werden soll, tut sich im Osten eine Lücke auf. Und diese Lücke soll nun von der Freiwilligen Feuerwehr in Lechhausen geschlossen werden. Die Ausbildung der ersten Feuerwehrleute soll im März beginnen. 2023 soll die Feuerwehr dann mit mehr als 30 Männern und Frauen einsatzbereit sein. Dann muss es auch eine Wache geben, zumindest eine provisorische.

Dass es plötzlich so schnell geht, hätte Franz Ranzinger nicht erwartet. Er hat damit gerechnet, noch deutlich länger warten zu müssen. Den Mut verloren er und viele Mitstreiter aber nicht. Zwar hörten zwischendurch Vorstände des Vereins auf. Doch es fand sich eine neue Vorstandsriege – und die Vereinsarbeit lief weiter. Auf dem Gelände einer Autovermietung arbeiten die Feuerwehrleute schon jetzt an ihrer Ausbildung. Im vergangenen Jahr haben sie bei Martinsumzügen die Absperrung übernommen. Und es gibt auch schon eine Jugendfeuerwehr mit 22 Mitgliedern im Alter zwischen 8 und 14 Jahren.

Augsburg steht in Sachen Feuerwehr gut da

Generell ist Augsburg, was die Feuerwehren angeht, noch immer gut aufgestellt. In den sieben bestehenden Freiwilligen Wehren gibt es rund 440 aktive Feuerwehrleute. Die Zahl ist – entgegen des bundesweiten Trends – seit Jahren relativ stabil. Die Augsburger Wehren werden alle dabei sein, wenn die Lechhauser Feuerwehrleute am 26. Oktober die Gründung feiern und ihre neue Fahne weihen. Es gibt einen Umzug zum Festzelt der Lechhauser Kirchweih. Am Umzug nehmen auch Gäste mit einer weiten Anreise teil, unter anderem aus Niedersachsen und dem Bayerischen Wald. Denn mehrere Heimat-Wehren der Lechhauser Aktiven wollen beim Fest dabei sein. Es ist dieser Zusammenhalt, den die Wehrleute in Lechhausen längst nicht mehr vermissen wollen.

Lesen Sie dazu auch: Die Feuerwehr kommt im Westen der Stadt zu oft zu spät (Plus+)

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