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Serie(Folge 28)

21.04.2015

Was Kinder zu Hause so alles singen

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Welche Lieder singen die Kinder in Afrika? Und welche Musikinstrumente begleiten sie? Im Projekt „Radio Vielfalt“ gingen Augsburger Grundschulkinder auf Erkundungstour, hier Elias Gärtner bei Njamy Sitson aus Kamerun.

Fürs Projekt „Radio Vielfalt“ schickte Ute Legner kleine Reporter in die Schulen, um Lieder aus verschiedenen Ländern zu sammeln. Daraus ist ein Buch geworden

Viele Sprachen werden in Augsburg gesprochen, unterschiedlichste Kulturen treffen in der Stadt aufeinander. Werden auch Lieder aus der alten Heimat gesungen und in den Familien an die nächste Generation weitergegeben? Im Projekt „Radio Vielfalt“ zogen Kinderreporter aus Augsburger Grundschulen los, um danach zu forschen. Herausgekommen ist am Ende ein einmaliges Liederbuch, das die Projektleiterin Ute Legner druckfrisch in ihren Händen hat. Dabei strahlt sie übers ganze Gesicht und man merkt: Die Sache ist offensichtlich gut gelungen.

Ein volles Jahr ist darüber vergangen, seit im Frühling 2014 Ute Legners Fragebogen an die Schulen hinausgegangen sind. 700 Stück hatte sie verteilt, hauptsächlich in dritten und vierten Klassen. Sie wollte wissen: Singen die Kinder daheim oder auf ihren Familienfesten? Welche Lieder sind das? Mit wem musizieren sie zusammen? Die Eltern sollten mitarbeiten. „Es kam sehr viel zurück, ein riesiger Haufen von Liedern von Russland bis Vietnam, von Bulgarien bis Kamerun, von Holland bis Brasilien“, erzählt die Projektleiterin. Das war aber erst der Anfang. Was nützt schon ein Lied, wenn es nicht gesungen wird? Schließlich heißt das Ganze „Radio Vielfalt“ und dieser Apparat ist nie stumm. Zum Glück war der Bayerische Rundfunk und seine „Stiftung Zuhören“ mit an Bord.

Der Weg führte zu Musikern in der Stadt, die die Lieder der Kinder verstehen und ihre Melodien notieren konnten. Und die richtigen Instrumente spielen, die man für teils ungewöhnliche Klänge braucht. Zwölf Musikerinnen und Musiker wurden ausgewählt, sie kommen aus der Türkei, Weißrussland, Siebenbürgen, Afghanistan, dem Iran, Angola, Kamerun, Frankreich und natürlich auch von hier. Jede Menge Stoff für die Kinderreporter, die dafür zunächst ein professionelles Radiotraining absolviert hatten, wie sie mit dem Aufnahmegerät umgehen sollten und wie sie ein Interview führen.

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Was sie dann nicht alles wissen wollten von den Musikern! Wo sie herkommen, wie sie aufgewachsen sind, welche Instrumente sie spielen und wie sie funktionieren. Etwa die Saz von Seref Dalyanoglu mit sieben Saiten oder die Kalimba („das ist ein kleines Kästchen aus Holz mit Metallstäben – fast so groß wie eine Tafel Schokolade“) von Dontana aus Angola. Und was genau Ahmed Shakib Pouya aus Afghanistan singt: ein Trauerlied? Nein, es sei „ein Vorlied zu einem Liebeslied“, erklärt der Musiker, der zu Hause Krankenpfleger und Zahnarzt war, aber wegen des Kriegs geflohen ist.

Im Buch und auf seiner CD sind 18 Kinderlieder aufgenommen worden. Vom türkischen „Bak postaci geliyor“ (Schau, der Briefträger kommt) bis zum russischen „W’lesu radilas jelotschka“ (Im Walde steht ein Tannenbaum). In der Originalsprache mit Aussprachehilfen und deutscher Übertragung. „Der Kuckuck und der Esel“, „Weißt du, wie viel Sternlein stehen“ und „Ich bin ein Musikante“ trugen deutsche Familien bei. In Siebenbürger Mundart kam das Wiegenlied „Daa or hiesch den Kuckcher zaa“ (Mach nur schön die Äuglein zu) hinein.

Daran schloss Ute Legner eine kleine Instrumentenkunde an („Ich habe richtig intensiv in der Bibliothek geforscht“). Außerdem gibt es Steckbriefe der Musiker und Bilder der Reporterkinder, Schnappschüsse von ihren vielen Begegnungen miteinander, Bauanleitungen für eigene Instrumente, den Fragebogen, um selbst Liedforscher zu werden, eine Tafel der Verwandtschaften der Instrumente und so weiter.

Dem Buch merkt man an, dass die Projektleiterin genauso so viel Spaß und Begeisterung bei der Arbeit hatte wie die Kinder und die Musiker. Weil es auch schön aussehen sollte, hat Ute Legner die Grafikerin Nontira Kigle engagiert. Ein ganzes Radiomuseum hat sie gezeichnet mit pfiffigen Einfällen zu den einzelnen Liedern und einen Umschlag, der wie ein kunterbunter Quilt aussieht und zum Zeichen von Vielfalt zahlreiche Muster aneinandersetzt. Alles ist schwarz-weiß, denn: „Kopieren für den Unterricht ist ausdrücklich erlaubt“, sagt Legner.

Das Buch kann bestellt werden unter: info@mehrmusik-augsburg.de, im Verkauf im Musikhaus Anton Böhm & Sohn, Ludwigstraße 15

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