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Augsburg

09.02.2015

Wenn eine Tochter in den Terror-Krieg nach Syrien zieht

Militante junge Islamistinnen gibt es auch in Deutschland. Fatma B. aus Augsburg radikalisierte sich so sehr, dass sie in den Krieg nach Syrien zog.
Bild: Symbolfoto, Evert-Jan Daniels (dpa)

Warum wurde Fatma B. so radikalisiert, dass sie in Syrien an der Seite eines Kämpfers leben will? Ist sie ein Einzelfall oder handelt es sich um eine ganze Gruppe von Musliminnen?

Es sind einfache, unschuldige Sätze. Fatma B., 17, hat sie zusammen mit zwei Mitschülerinnen in der dritten Klasse geschrieben. B. besucht damals, 2006, die Volksschule am Roten Tor. Sie lebt mit ihren Eltern und drei Geschwistern im Bismarckviertel. Die Schülerinnen befassen sich mit der Frage, was Freundschaft ist. „Miteinander spielen, Alles teilen. Hände geben, Gespräche führen. Liebe schenken“, lautet ihre Antwort.

Fatmas Vater holte die 17-Jährige schon einmal zurück

Heute, neun Jahr später, ist Fatma B. in den Krieg gezogen. Sie ist nach Syrien gereist und hat dort nach Informationen der deutschen Sicherheitsbehörden einen islamistischen Kämpfer geheiratet. Ihr Liebe gilt nun offensichtlich vor allem dem Islam.

Der Fall von Fatma B. ist auch für Experten ein Besonderer: Denn ihrem Vater war es gelungen, sie voriges Jahr einmal aus Syrien zurückzuholen. Fatma B. hatte sich dort im sogenannten „Deutschen Haus“ aufgehalten, einem Treffpunkt deutscher Islamisten. Der Vater fand seine Tochter dort und überredete sie, mit ihm nach Hause zu kommen.

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Ein deutscher Kämpfer, Harun P., war darüber offensichtlich wenig erfreut. Er soll damals seinen Anführen bei der Terrorgruppe Junud al-Sham geraten haben, Fatma B. umzubringen. Das Gespräch, geführt per Handy, hörten Ermittler ab. P. fürchtete offenbar, Fatma B. könnte nach ihrer Rückkehr die Sicherheitsbehörden mit Informationen versorgen.

Harun P. kehrte allerdings selbst nach Deutschland zurück und steht derzeit vor dem Oberlandesgericht in München. Er sagt jetzt aber, es habe keine ernsthaften Mordpläne gegeben. Er sei von Fatma B. genervt gewesen und habe sich deshalb zu solchen Aussagen hinreißen lassen.

Ermittlern ist nichts über Gruppe von Islamistinnen bekannt

Harun P. sollte in Syrien offenbar als eine Art Heiratsvermittler fungieren. Fatma B. ist inzwischen auf eigene Faust ein zweites Mal nach Syrien gereist und hat dort, glauben Sicherheitsexperten zu wissen, tatsächlich einen Dschihadisten geheiratet. Ist Fatma B. ein Einzelfall oder gibt es in Augsburg noch weitere Frauen, die radikalisiert wurden und Pläne schmieden, ins Kriegsgebiet zu reisen?

Laut dem Nachrichtenmagazin Spiegel gibt es in Augsburg eine Gruppe von Frauen, die in den Bann einer radikalislamischen Werbern geraten ist. Bei den Sicherheitsbehörden weiß man von so einer Gruppe allerdings nicht. Bekannt ist, dass auch Fatma B.s Schwester einen strengen Muslim geheiratet haben soll. Allerdings lebt sie, wie es heißt, mit ihm nach wie vor in Deutschland. „Über eine ganze Gruppe von Frauen liegen uns derzeit keine Erkenntnisse vor“, sagt ein Augsburger Ermittler.

Stadt Augsburg: Europaweites Projekt gegen Islamisierung

Bei der Augsburger Polizei kümmerte sich eine Dienststelle für Organisierte Kriminalität um die islamistische Szene. Im Blick haben die Beamten vor allem mehrere junge Männer, die regelmäßig in der Innenstadt den Koran verteilen. Die Szene in Augsburg gilt als klein – und bislang nicht als gewaltbereit. Allerdings ist bekannt, dass sich neben Fatma B. auch junge Männer auf den Weg in Richtung Syrien gemacht haben.

Bei der Stadt reagiert man darauf. Augsburg beteiligt sich an einem europaweiten Projekt, dass sich mit der Radikalisierung junger Muslime befasst. Ziel des Projekts ist es, vor allem „Schlüsselpersonen“ zu schulen, damit diese früh etwas merken, wenn sich ein junger Mensch verändert – die Zielgruppe sind unter anderem Lehrer oder Trainer in Sportvereinen. „Es läuft derzeit an“, sagt Diana Schubert vom kriminalpräventiven Rat der Stadt. Die aktuelle Entwicklung zeige, wie wichtig so ein Projekt sei.

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