1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Wie ein Harley-Händler aus Augsburg mit US-Strafzöllen umgeht

Augsburg

09.07.2018

Wie ein Harley-Händler aus Augsburg mit US-Strafzöllen umgeht

Michael Scholz ist Geschäftsführer des Augsburger Harley-Davidson-Händlers Westpoint. Noch kann er über die Zollpolitik von US-Präsident Trump lachen.
Bild: Bernd Hohlen

US-Zölle machen einigen Augsburger Unternehmen zu schaffen. Der Harley-Davidson-Händler „Westpoint“ profitiert aktuell noch davon. Die Zukunft ist ungewiss.

Seit 2003 gibt es den Harley-Davidson-Händler „Westpoint“ in Augsburg. Zunächst im Holzweg im Bärenkeller und seit 2006 im Sheridanpark in der Max-Joseph-Metzger-Straße. Geschäftsführer Michael Scholz hat die Zollpolitik von US-Präsident Donald Trump gespannt mitverfolgt und die Erfahrung gemacht, dass die Entscheidungen aus Übersee nicht für jeden nur Nachteile haben müssen: „In den letzten Wochen war ein richtiger Hype und wir haben mehr Motorräder verkauft als üblich. Die Kunden haben Angst, dass unsere Produkte wegen der Zollpolitik teurer werden könnten“, erklärt er ein Phänomen, das ihm zunächst mehr Geld in die Kassen spült, als kalkuliert. Und auch die Zeit nach den ersten „Angstkäufen“ sieht Scholz zunächst optimistisch. Das liegt an der Reaktion von Harley Davidson auf die Trumpsche Politik: Die Produktion wird nämlich vermehrt ins Ausland verlagert, um Strafzölle zu umgehen und die dennoch entstehenden Mehrkosten sollen nicht an den Endverbraucher weitergegeben werden, lautete das Statement des Motorradherstellers aus Milwaukee.

Für Michael Scholz, dessen Geschäft einem Händlerwettbewerb nach zu den besten zehn Harley-Händlern in Europa gehört, kam diese Entscheidung nur mäßig überraschend. Unabhängig davon hatte der Händler bereits vor dieser Entscheidung für 1,5 Millionen Euro Motorräder eingekauft, um besser und langfristiger wirtschaften zu können. Er leidet also bislang nicht unter der umstrittenen US-Politik. Was nach dem Lagerabverkauf kommt und ob Harley Davidson an seiner Strategie festhalten kann, sei jedoch noch ungewiss, sagt er. Für das Jahr 2019 möchte er deshalb keine Prognose abgeben.

Trumps Politik verunsichern die schwäbische Wirtschaft

Harley Davidson will, wie im übrigen andere US-Unternehmen auch, zwar die Mehrkosten, die durch die Zölle entstehen, übernehmen, ob das aber auf lange Sicht gehalten werden kann, scheint noch nicht ganz klar zu sein. Das US-Unternehmen muss für seine Produktion in Amerika viel zukaufen. Sogar der Stahl für die Motorräder kommt aus Kanada. Der amerikanische Stahl ist qualitativ nicht gut genug, heißt es. Ähnlich ist es bei der Motorrad-Elektrik. Bosch ist ein großer Zulieferer für Harley Davidson. Durch diese weltweite Vernetzung fallen plötzlich doppelte und dreifache Zölle an, die kein Unternehmen dauerhaft selbst übernehmen kann. „Harley Davidson kann ja nicht amerikanisch, patriotisch handeln, sondern muss unternehmerische Entscheidungen treffen, damit das Geschäft konkurrenzfähig bleibt“, weiß auch Michael Scholz.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Mit gewisser Sorge blickt Jana Lovell, Leiterin des Geschäftsfeldes International bei der IHK Schwaben, auf das Thema. Denn die schwäbische Wirtschaft, so Lovell, ist mit einer Exportquote von rund 60 Prozent international stark verflochten. „Die protektionistischen Bestrebungen Trumps verunsichern die schwäbische Wirtschaft. Dies lässt sich in der Außenhandelsstatistik bereits erkennen. So gingen die bayerischen Exporte in die USA von Januar bis März 2018 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 11,3 Prozent zurück“, sagt Jana Lovell. Angesprochen auf Harley Davidson, kann Lovell nachvollziehen, dass US-Firmen mit bestehenden Auslandsproduktionen diese ausbauen könnten. Für US-Unternehmen, die noch keine Auslandsproduktionen haben, dürfte dieser Schritt aber mit einer langfristigen Planung einhergehen.

Geschäftsführer Michael Scholz bleibt optimistisch

Michael Scholz ist diesbezüglich – und besonders im Fall Harley Davidson – optimistischer. Seiner Ansicht nach bietet Europa einen deutlich besseren Wachstumsmarkt für den Motorradhersteller als die USA. „Von 2004 bis 2017 haben wir in Deutschland 300 Prozent mehr Motorräder verkauft. Der Markt in Europa boomt, während er in Amerika zurückgeht. Harley Davidson wird neue Standorte errichten. Die Zollpolitik erleichtert diese Entscheidung“, ist er sich sicher.

Scholz sorgt zudem selbst für die Zukunft vor und errichtet neben seinem bisherigen Gelände für drei Millionen Euro eine neue Halle. Dort werden dann keine Harleys, sondern gebrauchte und gewartete Konkurrenz-Motorräder verkauft. Beim sogenannten „Customizing“ können Kunden nach ihren Vorstellungen Motorräder von „Westpoint“ umbauen lassen. „Hier arbeiten wir eng mit Zulieferern in der Region zusammen“, sagt Michael Scholz. Zudem wird der Bereich Merchandising immer wichtiger. Also Marken-Kleidung und Accessoires.

Um das neue Projekt in der extra gebauten Halle umsetzen zu können, wird der Augsburger Händler sein Personal von 16 auf 25 Angestellten erhöhen. Maßnahmen, um einem weitaus größeren Problem als der Strafzollpolitik, nämlich dem demografischen Wandel, entgegen zu treten. Junge Erwachsene machen zunehmend weniger einen Führerschein oder sie wissen erst gar nicht, ob Harley Davidson ein Motorrad oder ein Schauspieler ist.

Schutzz%c3%b6lle(1)(1).jpg
11 Bilder
Whiskey, Jeans und Co: Auf diese US-Produkte gelten nun EU-Zölle
Bild: Maurizio Gambarini, dpa
Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Flughafen.jpg
Flughafen Augsburg

Motor setzt aus: Pilot entscheidet sich für Notlandung

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden