1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Wie man in Augsburg mit leer stehenden Geschäften umgehen will

Augsburg

18.11.2019

Wie man in Augsburg mit leer stehenden Geschäften umgehen will

Während im ehemaligen Esprit-Laden in der Annastraße übergangsweise ein Outlet untergebracht ist, steht gegenüber die ehemalige Woolworth-Immobilie seit Langem leer.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Plus Ein Designkaufhaus, ein Outlet oder Flächen für neuen Ideen: Augsburg setzt auf Läden auf Zeit, um Leerstände zu vermeiden. Das klappt nicht immer.

Lothar Hummel war nicht gerade begeistert, als ihm die Modekette Esprit mitteilte, dass sie sich vom Standort in der Annastraße zurückzieht – und das noch, bevor der Mietvertrag ausläuft. Statt im Januar 2020 schloss das Modehaus bereits am 20. Juli dieses Jahres. Zurück blieb eine leere Einzelhandelsfläche.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Für Lothar Hummel, Verwalter und Miteigentümer der Ex-Esprit-Flächen, war von Beginn an klar, dass das weder für ihn noch für das Bild in der Annastraße gut ist. Er machte sich schnell auf die Suche nach einem Nachfolger, der die Fläche zumindest so lange belebt, bis der Mietvertrag mit Esprit offiziell beendet ist und man dauerhaft an jemand Neuen vermieten kann.

Fündig geworden ist er bei Koffer Kopf. Das Unternehmen hat im Erdgeschoss der Hummel-Flächen ein City-Outlet eingerichtet. Taschen und Koffer werden mit Rabatten bis zu 70 Prozent angeboten. Das scheint anzukommen, der Laden ist regelmäßig gut gefüllt. Davon hofft auch Ina Gantenbein zu profitieren. Die Inhaberin von "Kokett Dessous" in der Hummelpassage hat das Schaufenster des ehemaligen Esprit-Ladens hin zur Passage dekoriert – um auch diesen Bereich aufzuhübschen und sich für Passanten in der Annastraße sichtbarer zu machen.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Ein großer Leerstand in Augsburger Fußgängerzone

Binnen kurzer Zeit ist es so gelungen, einen Leerstand in der Annastraße – zumindest vorübergehend – zu beheben. "Es ist so zwar nicht perfekt, aber eine sehr gute Zwischenlösung", ist Lothar Hummel überzeugt. Doch ganz so schnell geht es in anderen Fällen nicht. Ein prominentes Beispiel ist das Woolworth-Gebäude in der Annastraße. Es gehört mittlerweile einer Grundbesitzfirma des Modeunternehmens Peek&Cloppenburg. Seit zehn Jahren steht der Laden mit einer Fläche von 1400 Quadratmetern im Erdgeschoss leer. Lange Zeit war spekuliert worden, dass Peek&Cloppenburg selbst ins Haus in der Annastraße geht. Anfang Mai wurde bekannt, es dem angestammten Standort in der Bahnhofstraße treu bleibt. Eine Zwischennutzung war in all den Jahren nicht in Angriff genommen worden – und wird wohl auch nicht angestrebt.

Stadt und Verbände sind in einem solchen Fall machtlos. "Wenn ein Immobilienbesitzer nicht will, dann will er nicht", bestätigt Andreas Gärtner vom Schwäbischen Einzelhandelsverband. Vor allem ortsfremde Investoren hätten oft kein großes Interesse, freie Flächen kurzzeitig neu zu vergeben. Das scheint vielen mit zu viel Aufwand verbunden, vermutet der Experte. Weil im Handel zudem gerade wenig Expansion herrscht, sei es derzeit ohnehin schwer, schnell einen Nachmieter zu finden. Das weiß auch Lothar Hummel, auch wenn er aktuell eigenen Angaben nach in Gesprächen mit Mietinteressenten steckt.

Eigentümer müssen mitspielen

An diese Situationen müsse man sich fortan wohl gewöhnen, meint Andreas Gärtner. Da mache Augsburg keine Ausnahme. Auch in anderen schwäbischen Städten habe man mit ähnlichen Phänomenen zu kämpfen. Auch dort gibt es kein Patentrezept dafür, wie Leerstände kreativ zwischengenutzt werden können – eben weil es auch am Willen der Immobilienbesitzer liegt, ob eine solche Zwischenlösung angegangen wird oder nicht.

Aber es gibt auch Ausnahmen: In Krumbach beispielsweise läuft das Projekt "Sta(r)dt Up". Hier soll es gelingen, innovative Unternehmenskonzepte aus den Bereichen Handel, konsumbezogene Dienstleistung, Handwerk oder Gastronomie zu entwickeln und diese mit Hilfe von Partnern erfolgreich an den Start zu bringen – und zwar an wichtigen strategischen Standortlagen in der Innenstadt. So werden junge Unternehmen gefördert und gleichzeitig Leerstände gefüllt. Das Projekt ist ein Novum in Bayern.

Einkaufen: Augsburg setzt auf Pop-up-Stores

In Augsburg gibt es einen etwas anderen Ansatz, gegen Leerstände mobil zu machen. Es ist das mittlerweile bewährte Konzept eines Pop-up-Stores, also eines Geschäfts auf Zeit. In der Annastraße wird beispielsweise eine leere städtische Immobilie seit Längerem im Wechsel mit verschiedenen Konzepten bespielt. Einmal war hier die Zentrale des Mozartfestivals untergebracht, nun ist dort bis zum 24. Dezember wieder das Designkaufhaus "Zwischenzeit". 15 Jungunternehmer bieten ihre Waren unter anderem aus den Bereichen Schmuck, Mode und Lebensmittel an – regional und fair produziert. Das Projekt haben Augsburg Marketing und die Wirtschaftsförderung der Stadt ins Leben gerufen. Ähnlich funktioniert der Pop-up Store von Shi Boutique und Kaufrausch, der ab 21. November in der ebenfalls städtischen Immobilie Philippine-Welser-Straße 5 (ehemals Weinkellerei Bayerl) eröffnet. Die Ladenfläche im Perlachturm 6 wird während der Vorweihnachtszeit vorübergehend das Augsburger Unternehmen Spin & Gin GmbH, bekannt durch das Produkt "August Gin", bespielt. "Leerstände wirken sich immer negativ auf das Erscheinungsbild aus. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, die beiden Flächen übergangsweise diesen inhabergeführten Unternehmen zur Verfügung zu stellen", sagt Wirtschaftsreferentin Eva Weber.

Solche Pop-up-Stores, die vorübergehend leere Einzelhandelsflächen nutzen, liegen bundesweit im Trend. Meist sind es Händler und Kreative aus der Region, die hier ihre Waren anbieten. Handelsexperten könnten sich vorstellen, dass solche Modelle zu einer festen Einrichtung in Innenstädten werden, um Leerstände erfolgreich zu überbrücken.

Lesen Sie auch: Wird die Steingasse zu Augsburgs neuer Einkaufsmeile?

Lesen Sie auch: Hohe Mieten setzen Einzelhändlern zu – und sorgen für Leerstände

Wir wollen wissen, was Sie denken: Die Augsburger Allgemeine arbeitet daher mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey zusammen. Was es mit den repräsentativen Umfragen auf sich hat und warum Sie sich registrieren sollten, lesen Sie hier.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren