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Augsburger Geschichte

08.05.2019

Wo Leopold Mozart in Augsburg zur Schule ging

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3 Bilder
Die ursprüngliche Ausdehnung des Jesuitenkollegs verdeutlichen historische Abbildungen (links). Leopold Mozart stellte sich in seiner Violinschule mit einem Kupferstich vor. Derzeit empfängt er in Lebensgröße die Besucher im Foyer.
Bild: Sammlung Häußler

Für den fünfjährigen Leopold begann 1724 eine zwölfjährige Schulzeit im Jesuitenkolleg. Von dem Gebäude im Domviertel ist heute nur noch der Kongregationssaal übrig.

Die Mozart-Stadt Augsburg feiert 2019 ein „Mozart-Jahr“. Anlass ist der 300. Geburtstag des Augsburger Bürgers Leopold Mozart, Vater von Wolfgang Amadeus Mozart. Sein Geburtshaus ist das Mozarthaus, Frauentorstraße 30. Auch der Kleine Goldene Saal, Jesuitengasse 12, spielt im Mozart-Jahr eine Rolle. Als Leopold drei Jahre alt war, übersiedelte die Familie in die Jesuitengasse in die Nachbarschaft des Jesuitenkollegs St. Salvator. Dort begann 1724 für den fünfjährigen Leopold die Schulzeit.

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Leopold spielte als Fünfjähriger im Schultheater

Leopold besuchte die Vorschule des Jesuitengymnasiums, bereits als Fünfjähriger hatte er seinen ersten Auftritt im Schultheater. Er absolvierte das Gymnasium, zwei Jahre Lyceum schlossen sich an. 1737 übersiedelte er nach Salzburg. Der Kleine Goldene Saal wurde erst 1765 eingeweiht, 28 Jahre nach dem Wegzug von Leopold Mozart. Es ist anzunehmen, dass er den Saal bei einem seiner Augsburg-Aufenthalte kennenlernte.

Über die Geschichte dieses Rokokosaals informieren zwei lateinische Inschriften an der Stirnseite. Die Übersetzung: „Errichtet worden ist dieser Saal von der Kongregation Major, Gott, dem Erlöser und der Jungfrau Gottesgebärerin. Geweiht und zur Feier von Konventen bestimmt im Jahre 1765.“ Die Fortsetzung der Saalchronik folgt auf der zweiten Tafel: „Wiederhergestellt ist er unter der Regierung Ludwigs I., Bayerns König, durch die Großzügigkeit des Schulpflegers der Augsburger Verwaltung zur Begehung feierlicher Veranstaltungen im Katholischen Gymnasium im Jahre 1832. Renoviert in den Jahren 1902 und 2004.“

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Das Monogramm „CML“ (Congregatio Major Latina) verweist an der Empore auf die Marianische Kongregation. Sie finanzierte den Saal. Das Deckengemälde trägt die Signatur „Mathae: Gündter / pinxit 1765“. Matthäus Günter, einer der besten Freskanten seiner Zeit, malte den Saal aus, Johann Michael Feichtmayer schuf den Stuck. Am 6. Dezember 1765 wurde die neue „Aula Mariana“ eingeweiht. Der ursprünglich mit einem Altar versehene Saal diente der Marianischen Kongregation, den Jesuiten und ihren Schülern zu Andachten und Predigten, für geistliche Musik, Konvente und wissenschaftliche Veranstaltungen.

Kleiner Goldener Saal hat ausgezeichnete Akustik

Natürlich gibt es im Mozartjahr 2019 Gelegenheit, die ausgezeichnete Akustik des Kleinen Goldenen Saals bei Kompositionen von Leopold und Wolfgang Amadeus Mozart zu genießen. Am Samstag, 11. Mai, ist der nächste Termin: Um 19.30 beginnt das Eröffnungskonzert zum Deutschen Mozartfest 2019.

Ein kurzer „Geschichtsunterricht“ zum Kleinen Goldenen Saal: Besitzer ist seit 211 Jahren die Stiftung „Katholischer Studienfonds“. In sie floss das Vermögen des 1808 aufgelösten Jesuitenkollegs ein. Die weitläufigen Kolleggebäude dienten danach zeitweise als Kaserne. Die dazugehörende Kirche St. Salvator wurde 1872 abgebrochen. Bomben zerstörten 1944 große Teile der verbliebenen Kollegbauten. Erhalten blieb allein der Bau mit dem Kleinen Goldenen Saal. Er ist einer der beiden historischen Prachtsäle in Augsburg, die im Zweiten Weltkrieg von Bomben verschont blieben. Der zweite ist der Festsaal im Schaezlerpalais.

Bomben setzten dem Kleinen Goldenen Saal zu

Der Goldene Saal im Rathaus, der Rokokosaal in der Regierung am Fronhof und der Börsensaal brannten im Februar 1944 aus. Das Stadttheater wurde zur Ruine, ebenso der „Herrle-Saalbau“ an der Singerstraße. Umso bedeutsamer wurden neben dem Ludwigsbau im Stadt-graben die zwei verbliebenen Festsäle, denn das kulturelle Leben litt nach Kriegsende unter Raumnot. Der Kleine Goldene Saal mit seinen 360 Plätzen war eigentlich unverzichtbar. Doch während des Festsaals im Schaezlerpalais sofort zur Verfügung stand, musste der Kleine Goldene Saal erst benutzbar gemacht werden. Er war bei der Bombardierung in Mitleidenschaft gezogen worden. Erst Anfang 1949 konnte die Restaurierung angegangen werden, am 1. Dezember 1949 folgte die Wiedereröffnung.

Oberbürgermeister Klaus Müller würdigte bei der Eröffnungsfeier den entschlossenen Willen des Stadtrats, „das wenige Kulturgut alter Zeiten, das uns der Krieg gelassen hat, der Nachwelt ungeschmälert zu erhalten“. Augsburg habe mit dem Kleinen Goldenen Saal eine Kostbarkeit wiedergewonnen. Die Restaurierung hatte 1949 zwar die „klassische Rokoko-Schönheit wiederauferstehen lassen“, wie es in einem Bericht heißt, sich jedoch zuvörderst an der Benutzbarkeit orientiert. Das heißt: Nicht alles, was 1949 marode war, konnte grundlegend saniert und restauriert werden.

Bereits 1982 wurde der Saal als stark restaurierungsbedürftig bezeichnet. Die angemahnte Renovierung ließ über zwei Jahrzehnte auf sich warten. Sie begann erst 2004, nachdem die Statik für Probleme gesorgt hatte. Es folgte nicht nur eine aufwendige Restaurierung des Saals, sondern auch eine Gesamtinstandsetzung des Gebäudes. Damit verbunden war der Einbau eines Aufzugs.

Dessen Schacht reicht auch in die Tiefe. Dort kamen Gemäuer und beim Abbruch entsorgte Bauteile zum Vorschein. Sie stammen von der Jesuitenkirche St. Salvator. Steinerne Fundstücke werden im Foyer präsentiert, alte Bausubstanz ist unter begehbaren Glasplatten sichtbar.

Frühere Folgen des Augsburg-Albums zum Nachlesen finden Sie unter

www.augsburger-allgemeine.de/augsburg-album

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