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16.06.2009

Wurde Kupferdieb erpresst?

Er stahl seinem Arbeitgeber tonnenweise nagelneue Kupferrohre, die er dann bei einem Schrotthändler für rund 40 000 Euro "versilberte". Das räumt der Angeklagte unumwunden ein. Warum er dies tat, ja geradezu zwingend tun musste, das kommt einer echten Räuberpistole gleich.

Bösartige Gläubiger, so behauptet der 38-Jährige, hätten ihn auf Schritt und Tritt verfolgt, ihm das Messer auf die Brust gesetzt und quasi erpresst. Weil der Angeklagte diese wilde Geschichte erstmals und dazu noch öffentlich im Gerichtssaal zum Besten gibt, ist ein Prozess vor einem Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Maren Friedemann gestern schnell zu Ende. Denn jetzt muss der Staatsanwalt erst einmal ermitteln, ob die rabiaten Gläubiger auch tatsächlich existieren.

Der 38-Jährige (Verteidiger: Ralf Schönauer) war, so erzählt er, mit einer Dachdeckerei in Konkurs gegangen. "Ich war total pleite. Und die Gläubiger suchten mich". In einer Tiefgarage hätten "die Leute" ihm aufgelauert, ihn geschlagen und massiv bedroht und insgesamt 63 000 Euro gefordert. Der Druck sei immer größer geworden. "Ich hatte Angst um meine Kinder. Und dann konnte ich nicht anders".

Einzig aus diesem Grund sei er zum Dieb geworden, beteuert der 38-Jährige, der ab März 2008 als Lkw-Fahrer eines Sanitär-Großhandels während der Arbeit immer wieder Kupferrohre en gros abzweigte und zu einem Schrotthändler transportierte. Der zahlte ihm pro Kilo zwischen vier und fünf Euro. Die geldgierigen Gläubiger, dessen Namen er im Prozess nicht nennen will, seien unersättlich gewesen. "Sie wollten immer mehr". Er habe sich ernsthaft bedroht gefühlt. "Da hat nur einer seine Jacke aufgemacht und einen Knüppel oder ein Messer gezeigt".

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Der enorme Schwund an teurem Kupfer blieb auch dem Arbeitgeber nicht verborgen. Das Unternehmen engagierte einen Detektiv, der das Lager observierte und den Angeklagten schließlich ertappte.

Die Behauptung, er sei selbst quasi Opfer erpresserischer Gläubiger geworden, kann Staatsanwalt Clemens Albert nicht auf sich beruhen lassen. Nach dem Legalitätsprinzip muss er nun ermitteln. Stellt sich heraus, dass alles nur ein Märchen war, droht dem Angeklagten ein weiteres Verfahren - wegen Vortäuschung einer Straftat. Der Prozess wurde abgebrochen und wird im September neu aufgerollt. (utz)

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