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Friedberger Musiksommer

01.09.2017

Zurück zu den Wurzeln, zurück nach New Orleans

Karl-Heinz Steffens (links vorne) spielte zum Auftakt des Friedberger Musiksommers nicht nur meisterlich Klarinette, er moderierte auch.
Bild: Wolfgang Diekamp

Mit einem Jazz-Ereignis wird das in diesem Jahr üppig erweiterte Festival eröffnet

War es der letzte hitzige Sommertag für heuer? Auf alle Fälle präsentierte sich die Allstar Big Band Friedberg zur Eröffnung des 16. Festivals in der Rothenberg-Halle ebenso hot, lustvoll schwitzend, wie die Temperaturen es vorgaben – bevor sich jetzt eher herbstliches Flair auszubreiten scheint. Gestern folgte der klassische Teil in St. Jakob mit Bruckner und Beethoven. Das Solistenkonzert morgen und die Sonntagsmatinee mit Festivalleiter Karl-Heinz Steffens schließen sich an. 14 Tage später bieten die mutig veranstaltenden „Bürger für Friedberg“ ein Zugaben-Wochenende (16./17. September) mit Angela Denoke & Friends und „Harmonic Brass & Cincinnati Symphony Orchestra“. Erwartungsvoll wurde bei der Jazz Gala im Publikum über das üppig erweiterte Festival-Angebot geredet.

Die Vielseitigkeit des Friedberger Musiksommers verkörpert Karl-Heinz Steffens, der nicht nur als Dirigent der wieder gastierenden Deutschen Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz erfolgreich ist, sondern Spiellust und dionysische Freude als Jazzer auslebt, mit seiner anderen Geliebten, seiner virtuosen Klarinette. Mit ihr und den 18 Musikern der All Star Big Band ging er zurück zu den Wurzeln des Jazz – das ist New Orleans.

Das Programm bot eine Vergangenheitsreise zu Klassikern, die teils bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Und weil der Abend „Old wine in new bottles“ betitelt war, erklangen die Klassiker – Dixie, Blues – im Big-Band-Sound. Thomas Zoller, Kompositionsprofessor in Dresden, weltweit bewunderter Arrangeur, ist seit Jahren in Friedberg mit seinen Projekten Dauergast. Er errichtete mit fünf Saxofonen, vier Trompeten, drei Posaunen, Tuba/Susafon, Klarinette, Gitarre, Piano, Bass und Schlagzeug ein Sound-Gerüst, das den Urbildern Respekt zollte, doch sie mit hinreißender Kreativität neu beleuchtete. Glenn Millers Swing-Treiben machte den „alten Wein“ zum süffigen Tropfen.

Karl-Heinz Steffens steuerte nicht nur toll sich aufbäumende Klarinetten-Soli bei, sondern er führte mit unterhaltsamer wie kenntnisreicher Moderation zu den legendären Wurzeln des Jazz. Das Genre der March-Bands, die die Stimmung vom Begräbnis-Trauer-Marsch bis zum vitalen Ausbruch kippen ließen, wie die „South Rampart Street Parade“, stand im Mittelpunkt. Musikalische Porträts von Louis Armstrong wurden mit Starkstrom aufgeladen, Jelly Mortons „King Porter Stomp“ etwa erwies sich als scheinbar unerschöpfliche Urzelle des Swing, Victor Youngs Ballade „Sweet Sue“ u. a. erfuhr beste Blues-Injektionen. Von den 18 Topmusikern seien stellvertretend der fulminante Saxofonist Nobert Nagel, Drummer Michael Griener und Peter Tuschers „Satchmo“-Trompete erwähnt, Skurrile, überraschende Klangbilder waren von Zoller auf alle Gruppen verteilt, darunter auch ein Pas-de-deux von Gitarre und des mächtigen Susafon. Die Jazz-Fans waren begeistert.

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