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Augsburg

01.01.2020

Zwangsräumung ist für zwei Augsburger Schwestern vom Tisch

Ellen und Irmtraud Urbach freuen sich, dass sie im April in ihre neue Wohnung umziehen können.
Bild: Peter Fastl

Plus Am 7. Januar hätten Ellen und Irmtraud Urbach aus ihrem Reihenhaus ausziehen müssen. Die Seniorinnen befürchteten Obdachlosigkeit.

Ellen und Irmtraud Urbach haben schon lange nicht mehr gut geschlafen. Die drohende Zwangsräumung am 7. Januar hatte den 64 und 72 Jahre alten Schwestern schwer zugesetzt. Wie berichtet, fürchteten sie, obdachlos zu werden. Doch die Geschichte hat ein glückliches Ende gefunden.

Rund vier Jahre haben die Schwestern mit der Tochter von Ellen Urbach in einem Reiheneckhaus in Lechhausen zur Miete gewohnt. Ihr Leben lang schon wohnen die Schwestern unter einem Dach. Sie sorgen füreinander. 2018 wurde den Frauen gekündigt. Der Eigentümer meldete Eigenbedarf an. Die Urbachs fanden jedoch keine für sie bezahlbare Mietwohnung. Hinzu kamen persönliche Schicksalsschläge, die der Familie in der Zeit zusetzten. Die Tochter, die jahrelang bei einer Bank gearbeitet hatte, verlor ihren Job und erlitt einen Burn-out. Die Ältere der Schwestern wurde herzkrank. Sie ist seitdem pflegebedürftig. Hinzu kam der Druck durch den Vermieter. Die Urbachs waren mit ihrer Situation heillos überfordert.

Augsburger Wohnbüro kümmert sich um Härtefälle

Als ihnen dann im November die Zwangsräumung zugestellt wurde, erschien die Situation ausweglos. Die Frauen waren verzweifelt, wähnten sich schon in einer Obdachlosenunterkunft. Ihre letzte Hoffnung blieb das städtische Wohnbüro, in dem man sich um Härtefälle kümmert. Zudem erzählten sie unserer Redaktion von ihrer Not. Aufgrund des Artikels meldete sich eine Leserin, die den Urbachs eine Wohnung anbot. Diese kam allerdings nicht infrage, weil die Ältere der Schwestern keine Treppen mehr steigen kann.

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Die Hunde dürfen in die neue Wohnung mit

Ursula Fusco, Leiterin des städtischen Wohnbüros, konnte immerhin einen Besichtigungstermin für die Frauen vereinbaren. Ein Augsburger Unternehmer, der Wohnungen vermietet, hatte diese Option in Aussicht gestellt. „Es ging dann alles so schnell“, berichtet Ellen Urbach. Vorstellungsgespräch, Selbstauskunft ausfüllen – schon einen Tag später hätten sie den Mietvertrag in einem Umschlag überreicht bekommen. „Da habt ihr euren Vertrag. Wir wünschen euch schöne Weihnachten“, sei ihnen gesagt worden. Die Schwestern konnten ihr Glück kaum glauben. Zum ersten April ziehen sie nun mit der Tochter in eine Vier-Zimmer-Wohnung nach Göggingen. Ihre beiden Hunde dürfen die Frauen mitnehmen. „Wir sind so begeistert, auch weil vor der Haustür eine Bushaltestelle ist und es im Haus einen Aufzug gibt“, freuen sich die Seniorinnen.

Sozialreferent freut sich mit den Urbach-Schwestern

Mit dem Anwalt der gegnerischen Seite sei bereits vereinbart worden, dass sie so lange noch im Reiheneckhaus in Lechhausen bleiben dürfen. Ellen Urbach hat den unterschriebenen Mietvertrag am Gericht vorbeigebracht. Die Zwangsräumung ist damit vom Tisch. Sie erzählt, wie sich am Gericht eine Mitarbeiterin mit ihr freute. Das ist ja ein Sechser im Lotto, habe die Frau gesagt. „Dann ging sie ins Nebenbüro“, erzählt Urbach. „Ich hörte, wie sie zu anderen sagte: ,Unsere Urbachs, die aus der Zeitung, haben endlich einen Mietvertrag. Jetzt wird alles gut’.“ Stefan Kiefer freut sich ebenso mit den Mieterinnen. Der Sozialreferent hatte sich aufgrund des Artikels auch für sie eingesetzt.

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