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Konzert

13.05.2015

Zwischen zwei feindlichen Reichen

Der schwäbische Oratorienchor führt Händels „Belshazzar“-Oratorium auf

Georg Friedrich Händels Genie zeigt europäische Größe. Er komponierte in London sowohl italienische Opern als auch englische Oratorien. Beeindruckt und geprägt von der Weltoffenheit englischer Aufklärer, vermischen sich in seinen Oratorien weltanschauliche mit religiösen Inhalten. Die Zielgruppe für diese Kompositionen war so weit wie nur möglich gefasst. Volksnah und christlich ausgestaltet, sollten sich von den Oratorien alle angesprochen fühlen.

Dass dem auch heute noch so ist, zeigte die gut besuchte evangelische Ulrichskirche in Augsburg, als dort Händels „Belshazzar“ geboten wurde. Darin geht es um Einzelschicksale, aber auch den Aufstieg und den Untergang von Weltreichen. In den Fokus rückte das der Schwäbische Oratorienchor. Und die Aufgabe war für den Chor schwierig, weil es galt, drei Mächte in ihrem Widerstreit mit Hilfe unterschiedlicher Klangbilder fein zu zeichnen: da gab es auf der einen Seite den schieren Spott für die stockblinden Babylonier und dort auf der anderen Seite die attackierenden, kampfesmutigen Perser und zwischen diesen beiden Fronten – oft choralartig abgetönt und durchbrochen von Halleluja-Floskeln – die internierten Hebräer.

Dieses farbige Spektrum lotete der homogen mit nahezu hundert Vokalstimmen dicht besetzte Chor spannungsvoll und intonationssicher aus. Deutlich ausgeprägt war die chorische Mezza-voce-Kultur, die noble Klangästhetik zeitigte. Eng geriet der Schulterschluss mit dem geschmeidigen Orchester, gebildet aus Musikern des Bayerischen Staatsorchesters. Am Pult hielt Dirigent Stefan Wolitz versiert und konsequent die Spannungskurve für das große Chorwerk hoch.

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Aus dieser Klangwelt traten die Solisten hervor: Ein Beziehungsgeflecht baute sich auf, das die dramatische Handlung auflud und zuspitzte. Ins Zentrum rückten Nitocris und Belshazzar in einer scheiternden Mutter-Sohn-Beziehung: Je blasphemischer, frevlerischer und großschnäuziger Belshazzar sich gebärdete, desto ahnungsvoller, beschwichtigender, tränenreicher reagierte die Mutter. Andreas Hirtreiter sang Belshazzar und ging in der Herrscherrolle förmlich auf. Kräftig schaukelte sich sein Tenor auf, während Priska Esers Sopran zusehends bestürzte mütterliche Ohnmacht offenbarte. Altistin Theresa Blank gab Cyrus, dem feindlichen Perserkönig, eine konziliante Note und verbreitete dezent Siegeszuversicht. Gobryas – gesungen von Benedikt Weiß – bestärkte Cyrus als sein Gefährte voll sonorer Bass-Fülle.

So nahm das Unheil seinen Lauf: Inmitten des orgiastischen Trinkgelages löste die magische Schrift an der Wand Schrecken aus. Der herbeizitierte Daniel (exzellent hier Altus Stefan Görgner, als käme seine Stimme nicht von dieser Welt) deutete das Menetekel, als spreche er gleichsam ein Urteil: Belshazzar rannte in Cyrus’ Schwert, das Reich fiel an die Perser, Jerusalem wird neu erbaut. Und von allen Seiten brandete großer Applaus für das Oratorium auf.

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