Kaffeekränzchen sind nicht Helga Greiners Ding. Die 81-jährige Augsburgerin sagt, sie engagiere sich in ihrer freien Zeit lieber sinnvoll. Dieses Mal in der Wertachstraße, die am Innenstadtrand an den Stadtteil Oberhausen angrenzt. Greiner ärgert sich schon seit Längerem über die dort weggeworfenen Zigarettenstummel. Wo doch die Straße so schön saniert wurde und Bäume angepflanzt wurden, findet sie. Nach eigenen Aktionen und Versuchen, die Situation auf den Bürgersteigen zu verbessern, ist Greiner zufällig auf eine Initiative gestoßen, deren Beteiligten die ältere Dame nun unterstützen.
Helga Greiner, die in Oberhausen lebt, kommt oft durch die Wertachstraße. Als sie eines Tages dort vor einem Waschsalon stand, stach ihr etwas ins Auge. "Das ganze Gitter vor dem Eingang steckte voller Kippen." Vor der Stadtsparkasse bot sich der Seniorin ein ähnliches Bild. Auch rund um die angepflanzten Bäume - alles voller Zigarettenüberreste. "Aus einem Baum-Gitter zog ich über 200 Kippen heraus. Mir wurde klar, ich muss was dagegen unternehmen", erzählt Helga Greiner, die sich zeitlebens schon engagiert - sei es über 20 Jahre lang in der Stadtteilarbeit oder bei den Augsburger Friedenshäuschen. Auf dem Fußweg vor dem Waschsalon stellte die frühere Grundschullehrerin und Sozialpädagogin einen Eimer mit der Aufschrift "Kippenbox - danke" auf. Sie sei überrascht gewesen, wie gut das angenommen worden sei. "Fast alle Kippen landeten da drin." Doch eine Frage wurmte sie weiter.
Initiative gegen Zigarettenstummel: "Außergewöhnlich, dass sich eine Dame in dem Alter engagiert"
Wie lässt sich diese Idee großflächiger und nachhaltiger umsetzen? "Als Einzelkämpfer kann man nichts erreichen", sagt Greiner. Sie habe gewusst, sie brauche Unterstützer. Das Schicksal meinte es gut mit der Seniorin und ihrer Idee. Es wartete auf Greiner quasi ums Eck. In der benachbarten Lindenstraße stieß die Augsburgerin im Sommer auf ein buntes Parklet, das dort aufgestellt wurde und mitunter Sitzgelegenheiten bot. Dahinter steckt das Quartiersprojekt mit dem Namen "Qualle". Die Abkürzung steht für "Quartier für alle". Im Juni erst hatte sich eine Gruppe aus unterschiedlichen Menschen, teils aus der Nachbarschaft Rechts der Wertach, teils aus den Bewegungen "Students for Future" und "Fridays for Future", zu der Initiative zusammengeschlossen.
Sie hat bereits ein Straßenfest sowie eine Foodverteiler-Station organisiert. Geplant ist die Eröffnung eines Quartierszentrums für die Nachbarschaft Rechts der Wertach. "Wir versuchen mit den Menschen vor Ort in Kontakt zu kommen, ihre Probleme und Bedürfnisse zu erfragen", erklärt Marisa Kubitschek von "Qualle". Man wolle nicht nur reden, sondern Dinge in die Tat umsetzen. Deshalb sei man von Helga Greiners Idee sofort begeistert gewesen. "Außerdem ist es außergewöhnlich, dass sich eine Dame in dem Alter engagiert." Mit Unterstützung der noch jungen Initiative ist die Seniorin jetzt ihrem Ziel, die Wertachstraße von Kippen zu befreien, einen guten Schritt weiter gekommen.
Zusammen hat man an den zwölf Bäumen in der Straße selbst gebaute, große Aschenbecher aus Holz angebracht - verbunden mit originellen Aufforderungen, seine Kippen dort hineinzuwerfen. Unterstützt werde man dabei inzwischen auch von ansässigen Geschäften und Organisationen wie Tür an Tür oder Bund Naturschutz Bayern, erzählt Greiner. Die Seniorin denkt bereits weiter. "Wenn das hier Erfolg hat, lässt sich das Konzept sicherlich auch auf andere Straßen übertragen." Die Ulmer Straße etwa, so findet sie, hätte es auch nötig.