Zwei Jahre nach Abschluss des Vertrags mit den Initiatoren des Fahrrad-Bürgerbegehrens hat die Stadt bisher rund 160 der 550 Stellplätze gestrichen, die bis Mitte 2026 im erweiterten Innenstadt-Bereich wegfallen sollen. Die Stellplätze wurden unter anderem im Rahmen des Radweg-Baus in Herman- und Frölichstraße sowie durch die Umgestaltung der Wertachstraße beseitigt.
Auch für die Einrichtung von Fahrradständern unter anderem in der Schießgrabenstraße und am Obstmarkt sowie von E-Scooter-Abstellzonen fielen Stellplätze weg. Der Bereich erstreckt sich vom Wertach- bis zum Antonsviertel in Nord-Süd-Ausdehnung und vom Schlachthofareal bis zum Thelottviertel in Ost-West-Ausdehnung. Die Stadt schätzte die Zahl aller Stellplätze in diesem Bereich vor zwei Jahren auf eine mittlere vierstellige Zahl, ohne konkreter zu werden. Die noch offenen, etwa 400 zu streichenden Stellplätze sollen in den kommenden Jahren unter anderem durch den Bau der Linie 5 im Thelott-/Rosenauviertel (120 Stellplätze) oder den Umbau der Hallstraße (knapp 15 Stellplätze) eingespart werden. Allerdings wird es noch weitere Maßnahmen brauchen, um das Kontingent zu erreichen.
Parkplätze in Augsburg gestrichen: "Man muss schauen, wo es sinnvoll ist"
Die Sozialfraktion warnte zuletzt schon davor, Stellplätze zu streichen, um der Statistik Genüge zu tun. "Man muss schon schauen, wo es sinnvoll ist und wo nicht", sagt Fraktionschef Florian Freund angesichts von Plänen der Stadt, in der Bergstraße in Göggingen im Zuge einer Umgestaltung rund 20 Stellplätze wegfallen zu lassen. Abgesehen davon, dass man mit der Umgestaltung Fußgängern die Querung der Straße erleichtern wolle, betonte die Stadt im Bauausschuss des Stadtrats, dass die Bergstraße gar nicht im betroffenen Innenstadt-Gebiet liegt. Die Grünen verteidigten den Vertrag. "Es sind Stellplätze weggefallen, aber sie wurden umgewandelt in Stellplätze für Räder, Lastenräder oder Car-Sharing", sagt Stadtrat Deniz Anan. "Wir unterbreiten so Angebote, um sich anders als mit dem Auto fortzubewegen. Der Vertrag ist gut für Augsburg."
In den vergangenen Jahren hat die Stadt eine Reihe von Maßnahmen umgesetzt oder ist gerade dabei. Dazu zählen ein durchgängiger Angebotsstreifen in der Stettenstraße, Tempo 30 in der Pferseer Straße, mehr Abstellplätze und eine Änderung der Stellplatzsatzung für Immobilien. Zudem verweist die Stadt auf weitergehende Projekte wie den Radweg in der Hermanstraße und der Neuburger Straße. Aktuell ist die Stadt dabei, eine Radverkehrsführung im Mittleren Graben fertigzustellen und die Schießstättenstraße zur Fahrradstraße zu machen. Noch in diesem Jahr soll eine größere Aufstellfläche für Radler an der Ampel in der Klinkertorstraße kommen. Die Vorplanungen für einen Radweg in der Holzbachstraße (er müsste über dem Bach geführt werden) laufen, für die Donauwörther Straße zwischen Wertachbrücke und Dieselstraße sollen die Planungen in diesem Jahr beginnen.
Vertrag nach Radbegehren: Stockt der Ausbau der Haupt-Achsen?
Seitens der Begehrens-Initiatoren zeigt man sich angesichts der Zwei-Jahres-Bilanz mäßig zufrieden. Es gehe etwas voran, so Mitinitiator Arne Schäffler vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC), allerdings seien manche Projekte kleinteilig. "Die Radwege in Herman- und Frölichstraße hätte man vor 18 Monaten haben können", so Schäffler. An den Ausbau der Haupt-Radachsen, etwa in der Ulmer Straße oder in Parallelstraßen in Oberhausen, habe man sich noch nicht herangewagt, ebenso auf der Ost-West-Achse mit Karlstraße/Grottenau. Hier fordert das Begehren eine Umgestaltung. "Die Straße ist weiter unfallreich und angsterzeugend", so Schäffler. Die Stadt will bis Herbst eine Untersuchung zur Sicherheit vorlegen. In einem ersten Schritt will sie prüfen, wie sich Tempo 30 dort testweise umsetzen ließe.