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Musical-Show

26.04.2019

Augsburger lieben den "King of Pop" immer noch

Bild: Britta Pedersen, dpa

Was die Besucher des Musicals „Beat It“ zu den jüngsten Missbrauchsvorwürfen gegen Michael Jackson sagen.

Wie er sich bewegt. Wie er spricht. Wie er tanzt. Für einen kurzen Moment vergaßen viele Zuschauer des Michael-Jackson-Musicals „Beat It“ am Donnerstagabend im Kongress am Park wohl, dass der „King of Pop“ bereits vor knapp zehn Jahren gestorben ist. So überzeugend schlüpfte der südafrikanische Sänger Dantanio Goodman in die Rolle des begnadeten Sängers und Tänzers. Und mehr als einmal hauchte er beim Auftritt die magischen drei Worte „I love you“.

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Trotz der Show rief die Anmoderation des Lieds „Heal the World“ bei vielen Zuschauern die jüngsten Vorwürfe gegen den Sänger ins Gedächtnis. Mit den Worten „This is for all the children“, zu Deutsch „Das ist für alle Kinder“, stimmte Jackson-Darsteller Goodman den Song an.

Auch für die Besucher war die umstrittene Doku ein Thema

Erst vor wenigen Wochen wurde im Fernsehen die Dokumentation „Leaving Neverland“ gezeigt. James Safechuck und Wade Robson berichteten darin, wie Michael Jackson sie über Jahre hinweg als Kinder missbraucht haben soll. Auch für die Besucher des Musicals war die Doku ein Thema.

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Die 15-jährige Celina Berger war mit ihren Eltern da. Sie sagte vor der Show: „Die Doku basiert auf Lügen, die bereits widerlegt worden sind.“ Sie habe sich „Leaving Neverland“ angeschaut, aber auch andere Interviews, Biografien und Dokumentationen. Für sie sei klar, dass das Andenken Michael Jacksons ins Lächerliche gezogen werden soll. Sie lasse sich überraschen, was im Musical gezeigt wird.

Celina Berger
Bild: Denis Dworatschek

Gespannt waren auch Antonia und Ludwig Müller. Die Augsburger haben sich im Vorfeld nicht weiter informiert, um was es in der Show geht. „Ich bin total gespannt, was für eine Geschichte erzählt wird“, sagt sie. Ludwig Müller sagt von sich selbst, dass er ein großer Michael-Jackson-Fan sei. Doch: „Ich habe die Vorwürfe mitbekommen und kann nicht zu 100 Prozent ausschließen, dass sie wahr sind.“ Ihm ginge es vor allem um die Musik des „King of Pop“ – und von der gab es am Donnerstagabend reichlich für die 1300 Zuschauer.

Die 25 Tänzer und Sänger präsentierten Hits wie „Thriller“, „Dirty Diana“ und „Billy Jean“, aber auch Songs von den Jackson 5 wie „Can You Feel It“ und „Blame It On the Boogie“. Im Musical selbst werden übrigens die Vorwürfe und auch die Gerichtsverhandlung aus dem Jahr 2005 nicht thematisiert. In der knapp zweieinhalbstündigen Show geht es vor allem um Jacksons Aufstieg zum Weltstar und den damit verbundenen Medienrummel um seine Person.

Ludwig Müller
Bild: Denis Dworatschek

Silke und Gerhard Streit aus Schwabmünchen hatten im Vorfeld der Show keine Bedenken, das Musical anzuschauen. „Ich habe die Vorwürfe in den Medien mitbekommen“, sagte Silke Streit. Den Zeitpunkt fand sie aber komisch, jetzt da Michael Jackson tot sei. „Jetzt kann man ja alles behaupten, wenn er sich nicht mehr selbst verteidigen kann“, sagte sie. Und Gerhard Streit meinte: „Mir gefällt die Musik von ihm trotzdem noch.“ Nach dem Musical waren sich viele Zuschauer jedenfalls einig. „Ich fand es mega gut“, sagte Antonia Müller. Und auch Celina Berger schwärmte: „Das, was die Tänzer gezeigt haben, war wirklich großartig.“ Der „King of Pop“ hauchte dann auch noch einmal ein letztes Mal „I love you Augsburg“, bevor er von der Bühne abtrat. Ende Januar 2020 wird er wieder in den Kongress am Park kommen – und das tun, wofür viele Fans ihn lieben: tanzen und singen.

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Die Diskussion ist geschlossen.

25.06.2019

Ja es ist schwierig, wenn ein Beschuldigter tot ist und zu den Vorwürfen nichts mehr sagen kann. Allerdings gab es die Vorwürfe ja bereits zu seinen Lebzeiten und hätten die Protagonisten der sehr authentisch wirkenden Dokumentation damals nicht zugunsten ihres Idols geschwiegen, wäre Michael Jackson aller Wahrscheinlichkeit nach im Gefängnis gelandet.

Wenn man die glaubwürdige Dokumentation gesehen hat, muss man schon ein sehr verblendeter Jackson-Fan sein oder sehr abgebrüht, um ihn noch weiter als Idol und Ikone zu sehen. Man mag sich von seiner Musik schlecht lösen können - von ihm als Star muss man es m.E. tun sonst sind alle hehren Ansätze zum Schutz von Kindern und alle Schmach, die man sonst pädophilen Kindesmissbrauchern zukommen lässt, pure Heuchelei. Was man nicht glauben will, was nicht ins eigene Konzept passt, das ignoriert man eben und nie ist es leichter als dann, wenn der Verehrte schon unter der Erde liegt.

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