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Jüdisches Museum Augsburg

04.02.2019

Die Projekte des Jüdischen Museums 2019

Liese und Siegbert Einstein waren 1939 im Kindertransport.
Bild: Liese Fischer

Das Jüdische Museum wagt in diesem Jahr die Provokation: die ersten Augsburger Desintegrationstage stehen an.

Fremdheitserfahrungen stellt das Jüdische Museum Augsburg Schwaben ins Zentrum seines Jahresprogramms 2019. So erinnert die Ausstellung „Über die Grenze“ ab 12. Juli an die Kindertransporte aus Hitler-Deutschland, die vor 80 Jahren oft die letzte Zuflucht vor der Shoa waren. „Wir wollen zeigen, wie sie im fremden Land ankamen“, erklärt Museumsleiterin Barbara Staudinger – in einer anderen Sprache, einer anderen Gesellschaft, getrennt (oft für immer) von den Eltern. Die Ausstellung solle die Perspektive der Kinder einnehmen, Berichte ihres Ankommens drücken Gefühle des Verlusts, der Einsamkeit und der Vorwürfe aus – auch als Projektion auf Hauswände. Sie habe auch, so Staudinger, einen Bezug zur Gegenwart, wo hierzulande Kinder aus Kriegsgebieten in Nahost und Afrika Zuflucht suchen.

Museumschefin Staudinger will die eingefahrene Sichtweise infrage stellen, sie möchte die jüdischen Geschichten erzählen – auch mit den widerständigen Aspekten von jüdischen Ganoven und Messiassen. Auf dem Hintergrund mag der Titel „Erste Augsburger Desintegrationstage“ (26. bis 28. März) weniger rätselhaft anmuten. Füllen wird sie der Berliner Theatermacher Max Czollek. Dieser fordert die deutschen Juden auf, sich ihrer Fremdheit bewusst zu werden und nicht auf einen „Beitrag zur deutschen Geschichte“ reduzieren zu lassen. In der „christlich-jüdischen Kultur“ finde kein Austausch auf Augenhöhe statt, vielmehr werde zunehmend völkisch diskutiert, wer zum Deutschtum dazugehört. Czollek wird im Talk neue jüdisch-muslimische Solidaritäten vorschlagen. Es gibt auch Poetry Slam, Lesung und die „Guerilla-Museumstour“.

Wie Jesus zum Arier wurde

Dazu passt das Thema im „Lehrhaus“ am 14. Februar: „Die entjudete Bibel – oder wie Jesus zum Arier wurde“, ein Vortrag von Dirk Schuster von der Uni Potsdam.

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Der europäische Tag der jüdischen Kultur am 1. September widmet sich dem Thema „Innovation“. Es gibt erstaunliche Entdeckungen zu machen: Die Anglerweste wurde von der Firma Lammfromm in Augsburg erfunden. Die Eröffnung der ehemaligen Synagoge Kriegshaber vor fünf Jahren zieht sich als Thema durchs Jahr, etwa die Vernissage von Studierenden der Kunstpädagogik am 6. Februar oder der Aktionstag am 30. Juni mit dem Gespräch über die Flucht von Liese und Siegbert Einstein 1939 und einem asylpolitischen Frühschoppen.

Mit dem Textil- und Industriemuseum kooperiert das Jüdische Museum bei dem Projekt „Die Stadt ohne – Juden, Ausländer, Muslime, Flüchtlinge“ ab 13. Dezember. Es basiert auf dem 1924 verfilmten Roman „Die Stadt ohne Juden“ des Wieners Hugo Bettauer. Die Ausstellung erzählt entlang der Stummfilmszenen Stufen der Ausgrenzung.

Die Programme liegen als Heft aus und online unter www.jkmas.de. Das Jüdische Museum hat jeden Sonntag freien Eintritt und auch am Montag geöffnet.

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