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Ausstellung

04.08.2020

Erstarrung und Explosion in der Galerie Cyprian Brenner

Werner Liebmann, Seestück, 2018, Öl auf Leinwand.
Bild: Galerie Cyprian Brenner

Plus In der Galerie Cyprian Brenner - Ecke Galerie präsentiert der Galerist Künstler auf unterschiedlichen Wegen zur Natur. „Terra Magica“ heißt es dort jetzt.

Auch in der zweiten Ausstellung der neu geführten Galeria Cyprian Brenner - Ecke-Galerie wird ein Urstoff künstlerisch-bildnerischer Fantasie beschworen: die Natur, das Land, die Welt, die den Menschen umgibt. Und die Wege dahin gehen durch unterschiedliche Klimazonen, in realem Sinn, aber auch quasi durch spannend ausgebreitete Klimazonen der einzelnen künstlerischen Temperamente. „Terra Magica“ nennt Cyprian Brenner das Zusammenspiel der präsentierten Künstler.

Vor kurzem startete der Maler Bruno Kurz die Ecke-Ära von Galerist Brenner und öffnete mit seinen Bildern „Weite Himmel“. Er ist wieder vertreten in der neuen Schau auf eine „magische Erde“. Um bei den Klimazonen zu bleiben: Kurz’ Bilder - Öl, Harz, Acryl auf metallischem Grund mit Raffinement gemalt - vertreten hier das kalte, eisige, das kristallin erstarrte Element; übereinander geschichtet auf horizontalen Blöcken spielt er ein Spiel, in dem erlebte Stimmungen auf einen abstrahierten Kern hinauslaufen, mit eingewobenen Elementen konkreter Naturelemente. Es dominierten kühle, blau- und grauvariierte Farbtöne. Die Natur ruht.

Eine magische Gegen-Welt völlig anderer Art

Direkt benachbart im 1.Stock der Galerie bricht eine magische Gegen-Welt völlig anderer Art aus. Harry Meyer, erfolgreiches Augsburger Kunst-Schwergewicht, derzeit auch im Diözesanmuseum zu erleben, entzündet seine Naturfantasien mit Farbexplosionen. Er zieht den Betrachter hinein in einen Schöpfungsvorgang, wenn die gewaltigen Farbströme die Tube verlassen. Fast reliefartig scheint das üppig modellierende Malmaterial die Zweidimensionalität zu überwinden, erzeugt subtile Schattenwirkungen und lässt in den Farbschlieren eigene Mini-Topografien assoziieren. So kommt ein dynamischer Fluss in Bewegung, der die Themen der Bilderauswahl erzeugt: „Baum“ und Nacht“.

Harry Meyer, Baum, 2010, Öl auf Leinwand.
Bild: Galerie Cyprian Brenner

Bäume lassen in ihrer teils bizarren Ausprägung durchaus ihre botanische Vielfalt erkennen, ihren Kampf und ihr „Standing“ in der Natur mit unterschiedlichen Wetterlagen, doch immer sind sie auch Fantasiegestalten. Die Periode der „Nacht“-Bilder saugt sich mit Hell/Dunkel- und Kalt/Warm-Kontrastwirbeln ins Auge, lassen auch eine Art Blick von oben auf eine Urwaldlandschaft, durchschlängelt von Silberflüssen, zu. Kühler, ruhiger sind die Gebüschformen in den „Arboretum“-Bildern.

Die Landschaften des Kölner Franz Baumgartner atmen Ruhe

Wiederum ein anderes, ein in Technik und Temperament völlig konträres Naturerlebnis ist im oberen Bereich der Ecke geboten. Dort sind die Landschaften des Kölners Franz Baumgartner (*1962) zu sehen. Die großformatigen Ölbilder atmen die Ruhe von Nebelschwaden am Waldrand, von sensibel inszenierten Gegenlichtvisionen. Die Farbpalette ist fast auf Schwarzweiß-beschränkt, mit wunderbar aufscheinenden, kaum wahrnehmbaren Grün-Gelb-Verwehungen. Der auf den ersten Blick fotorealistische Gestus wird aber durch seine klug austarierte Präzision mit ihren fast geometrischen Formvisionen in ein suggestives träumerisches Licht gerückt und überhöht so poetisch die Naturbetrachtung.

Franz Baumgartner, Romantille, Öl auf Leinwand.
Bild: Galerie Cyprian Brenner

Eine echte Entdeckung sind die märchenhaften Szenen von Werner Liebmann (*1951). In ihrer lebhaft pulsierenden Farb- und Formfantasie erinnern sie an Harry Meyer, doch die Figurationen entfernen sich noch weiter und drastischer von realer Natur. Und man kann im geheimnisvollen Wald- und Pilzboden („o.T.“) merkwürdige Geisterchen und Wesen ebenso herauslesen wie im „Seestück“ tanzende Elfen - jeder wie er will.

Vom 1927 geborenen Emil Cimiotti, früher des Öfteren vertreten in der Biennale wie auch in der documenta, ist die abstrakte Bronze-Plastik „Monte Circeo“ ausgestellt, die mit ihrer tentakelbehafteten Kugelform fast an Corona erinnert. Unten im Ausgang der Ecke-Galerie springen einen nochmal die köstlich-skurrilen bemalten Plastiken von Terence Carr an, mit ihren graziös verbogenen Laster-Motiven von Wohl- bis Esslust.

Die Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr in der Galerie Cyprian Brenner - Ecke Galerie (Elias-Holl-Platz 6 in Augsburg). Laufzeit bis 30. August.

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