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Weihnachtsstück

28.11.2019

"Geister der Weihnacht": Das Stück der Puppenkiste hat wirklich alles

Scrooge erscheint der Geist der diesjährigen Weihnacht.
3 Bilder
Scrooge erscheint der Geist der diesjährigen Weihnacht.
Bild: Lukas Steinbach /universumfilm

Plus Die Puppenkiste erzählt vom Geizhals Scrooge, der sich zum mitfühlenden Menschen wandelte. Die Inszenierung zeigt, was das Theater so einzigartig macht.

Eine zartes, weihnachtliches Lied dringt von draußen herein. Drinnen, in seinem Kontor, sitzt an diesem Weihnachtsabend der alte Scrooge mit dem kleinen Timi. „Heute Abend bleibt niemand allein“, sind sie sich einig. „Früher war ich nie froh“, beginnt Scrooge seine „ein bisschen unheimliche“, aber so tröstliche Geschichte zu erzählen – wie er vom Geizhals zu einem mitfühlenden Menschen verwandelt wurde. Diese Geschichte von den „Geistern der Weihnacht“, frei nach Charles Dickens, erzählt nun die Augsburger Puppenkiste auf ihrer Bühne. Im vergangenen Jahr war sie als Kinofilm erschienen.

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"Drei gute Geister" nehmen Scrooge mit

Wer Charles Dickens Roman mit dem Originaltitel „A Christmas Carol“ aus dem Jahr 1843 kennt, weiß, dass hier ungeschönt davon erzählt wird, wie der böse, eiskalte Scrooge geläutert wird. Diese Puppenkisten-Inszenierung von Judith Gardner spart das Grauen nicht aus, das Scrooge erfasst, als ihm sein verstorbener Geschäftspartner Marley erscheint. Dieser schleppt hinter sich eine scheppernde, schwere Kette aus Münzen her, die um seinen Leib gebunden ist. Es ist ein Bild dafür, wie die Gier nach Geld und Reichtum den Menschen gefangen nimmt und seiner Menschlichkeit beraubt. Marley kündigt Scrooge, der selbst an Weihnachten nur seine Geschäfte im Kopf hat, das Erscheinen von drei Geistern in den kommenden drei Nächten an, die ihm schließlich helfen sollen, solche Ketten abzustreifen.

Bild: Wolfgang Diekamp

Wunderschön ins Bild gebracht, voller Tiefe und Poesie, tieftraurig und dabei immer das Frohe und Menschliche durchscheinen lassend, hat die Puppenkiste die Welten, in welche die drei „guten“ Geister Scrooge mitnehmen. Da lässt der „Geist der Vergangenheit“, eine freundlicher, zum Leben erweckter Lampenschirm, Scrooge samt Bett durch den Sternenhimmel gleiten, in Miniatur kommen Bücher und ein kleiner Scrooge in einer Schulbank durch die Luft geflogen, und damit auch die traurige Erinnerung daran, wie Scrooge als Kind das Einzige war, das nicht vom Vater an Weihnachten heimgeholt worden war.

"Geister der Weihnacht": Das Stück der Puppenkiste hat wirklich alles

„Der Geist der Gegenwart“, ein freundlicher Riese, barfuß und auf dem Kopf ein Kranz aus Stechpalmen, führt Scrooge durch die weihnachtliche Stadt London. Hinter deren erleuchteten Fenstern kommen die Menschen zusammen, tauschen Geschenke aus und spielen Ratespiele. Zauberhaft sind die Bühnenbilder von Carsten Gardner, die Häuser, der Platz mit Rodelberg vor dem Haus des armen Buchhalters Cratchit und auch dessen bescheidene Wohnstube. Richtig schaurig wird’s in der Szene des dritten Geistes, dem „Geist der Zukunft“. Aus der Bettdecke geformt, führt dieser Geist auf einen schneebedeckten Friedhof, mit schiefen Grabsteinen und dem Grab des Scrooge, wo kein Licht brennt und wo keiner um ihn weint.

Im Stück der Augsburger Puppenkiste ist die Kraft der Liebe stärker als die Bitternis

Der Zuschauer ahnt: So weit wird es nicht kommen. Durchgängig ist die Inszenierung von der Hoffnung getragen, dass die Kraft der Liebe stärker ist als die Bitternis. Immer wieder blitzt auch auf, was die Puppenkiste so einzigartig macht – liebenswürdige Figuren und kleine, witzige Szenen, etwa mit einem schwanzwedelnden, munteren Hündchen. Stimmig dazu die anrührende Musik (Martin Stefaniak) im typischen, diesmal weihnachtlich gefärbten Puppenkistensound.

Lesen Sie dazu auch: In der Augsburger Puppenkiste zappeln Verbrecher am Faden

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