Tuiachs Thesen

08.11.2018

Kolumne: Diogenes in der Tonne

Der Kabarettist Silvano Tuiach stellt sich die Frage, in was für eine Tonne Diogenes heute hausen würde? Es gibt bei der ganzen Mülltrennerei ja ziemlich viele Farben.

Der griechische Philosoph Diogenes von Sinope (413 v. Chr. bis 323 v. Chr.) hat ja angeblich in einer Tonne gewohnt und stehend in derselben seine Lehren verbreitet. Welcher Art Tonnen die alten Griechen hatten, wissen wir heute nicht mehr. Geschweige denn, ob sie „getrennt“ haben.

Heutzutage müsste Diogenes ja zwischen einer braunen, einer gelben, einer grünen und einer grauen Tonne wählen. Na ja, in die braune Tonne würde er sich wahrscheinlich nicht stellen. Auch müssen „Stadtphilosophen“ heute nicht mehr in einer Tonne hausen.

Wird nicht alles am Ende verbrannt?

Ich denke, unser Augsburger „König“ kann wahrscheinlich eine Ein-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung sein eigen nennen. Ja, im Trennen des Mülls sind die Deutschen bekanntlich Weltmeister. Obschon einem manchmal in den Sinn kommt, ob am Ende nicht doch alles wieder zusammen verbrannt wird.

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Das rigide Mülltrennen wurde ja schon vor 25 Jahren vom Komiker (den Ausdruck „Comedian“ gab es damals noch nicht) Otto trefflich dargestellt. Er beschrieb das korrekte Entsorgen eines gebrauchten Teebeutels, wo erst der Inhalt in die Biotonne muss, dann das Papier in die Papiertonne und schließlich die Metallöse, an der der Bändel befestigt ist, zum Alteisen gebracht werden muss.

80 Stockhiebe in Singapur

Und jetzt stellt die Stadt Augsburg auch noch spezielle Behälter zur Entsorgung von Kaugummis auf. (In Singapur wird das achtlose auf-die- Straße-Werfen des Kaugummis ja schon seit vielen Jahren mit einem Jahr Gefängnis und 80 Stockhieben bestraft). Was kommt dann in der Stadt als Nächstes? Vielleicht ein Mülltrennkasten für den Zigarettenstummel? Filter da hinein und der Rest dort?

Eine schnelle effiziente Entsorgung könnte man auch für Wahlplakate ins Auge fassen, die nach Wahlen noch wochenlang in der Gegend herumhängen.

Mir fällt gerade ein, dass in vielen „Tatort“-Folgen und ähnlichen Krimiformaten im Fernsehen die Leichen oft in Tonnen gefunden werden. Vielleicht weil das die grusligste Art der Entsorgung von Opfern ist.

Was hätte wohl Diogenes zu all diesen Entsorgungsproblemen gesagt? Aber zu Diogenes Zeiten hat man wahrscheinlich den ganzen Müll einfach ins Meer gekippt. Obwohl, soweit weg davon sind wir gar nicht…

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