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Kongress am Park
20.09.2021

Martin Frank bot regionales und bodenständiges Kabarett

Mit seinem spitzbübischen Charme gastierte Martin Frank im Kongress am Park in Augsburg.
Foto: Peter Fastl

Martin Frank trat mit seinem neuen Programm „Einer für alle – Alle für keinen!“ im Kongress am Park auf. Das hatte Charme.

Mei, is der liab, möchte man am liebsten ausrufen. Mit spitzbübischem Charme und ein bisschen frech ist der Niederbayer Martin Frank ein wirklich lustiger Geschichtenerzähler und bestimmt jede im Zuschauerraum möchte ihn gern als Schwiegersohn mit nach Hause nehmen. Und singen kann der selbsttitulierte „Florian Silbereisen des Kabaretts“ auch…

Der junge Mann, der da Gefühle wie sonst nur Katzenvideos auslöst, räumt seit 2015 die Preise ab – 2018 den Bayerischen Kabarettpreis als „Senkrechtstarter“ und 2019 neben dem renommierten „Prix Pantheon“ sogar sowohl Publikums- als auch Jurypreis beim „Großen Kleinkunstfestival“. Kein Wunder, dass er ein Auftritts-Abo beim Bayerischen Rundfunk hat und jetzt im Kongress am Park den Saal ganz gut füllte.

Für solch einen Durchstarter war der Lockdown besonders hart. Die hohen Münchner Mieten hatten ihm die Entscheidung leicht gemacht, die Pandemie lieber daheim auf dem Familien-Hof hinter Passau auszusitzen, „solange der Covidl da ist“. Dort musste der 29-Jährige sich aktiv einbringen, nicht nur beim Vieh und im Holz, sondern auch im Haushalt. Also kreisen die Geschichten, die er im neuen Programm erzählt, auch um diese ländliche Idylle der sehr wortkargen Bewohner, die mit ihrem „Hä!“ schon immer eine genderneutrale Anrede nutzen.

Frank prangert die Heuchelei der Leute an

Auch wenn die Stadt-Land-Klischees an diesem Abend gebündelt von der Bühne purzeln, unterhält Frank mit großem darstellerischen Talent und geschultem Stimmeinsatz sein Publikum aufs Beste. Derbe Pointen und gezielt eingesetzte Unkorrektheiten gehören zum Repertoire des Waldlers, der hier, außerhalb seines Stammreviers, seinen Dialekt zugunsten der Verständlichkeit zurücknimmt. Da prangert er also in dezentem Niederbairisch die Heuchelei der Leute an, beschreibt die fremde Welt der Codes auf dem Dorf, aber er erklärt auch die Verzweiflung des Künstlers angesichts der Erkenntnis „Kunst braucht koa oide Sau!“, wenn es um die Anerkennung der Systemrelevanz geht.

In seiner Familienaufstellung ist der Prototyp der liebevoll bestimmenden Oma dabei („für die muss man für eine berufliche Tätigkeit mindestens Gummistiefel anziehen“), die ihm täglich Stellenanzeigen hinlegt. Und das Bekenntnis der Viehbauern zum Fleischkonsum „vom Metzger meines Vertrauens“, denn da gibt’s auch gleich den Tratsch dazu. Das Regionale aber, das stellt sich schnell heraus, ist eine überregionale Erfahrung. Dazu gehört auch das Bekenntnis, zu einer besonders diskriminierten Minderheit in Bayern zu gehören: „I mog koa Bier!“ Mit solch einem Manko wird er natürlich kein Bürgermeister.

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