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Augsburg

20.11.2019

Organische Brocken und Tiere mit was an in Augsburg

Markus Wülbern stellt noch bis 23. November in der Galerie Krüggling aus. Die Finissage startet am 23. November um 16 Uhr.
Bild: Jonas Voss

Der junge Künstler Markus Wülbern präsentiert in der Galerie Krüggling seine Werke. Dabei handelt es sich um Collagen. Was den Besucher erwartet.

Viel braucht Markus Wülbern nicht für seine Kunst. Ein Skalpell, ein mal mehr, mal weniger großes Blatt Papier, speziellen Kleber und Zeitschriften. Eine Menge Zeitschriften, hunderte Zeitschriften. Der 29-Jährige fertigt Collagen an. Abstrakte und unterhaltsame, abseitige und amüsante. Oft entstehen so Mischwesen aus Mensch und Tier oder Pflanze. Etwa ein Steinbock im eleganten Mantel und Stöckelschuhen.

Manche Bilder von Markus Wülbern irritieren

„Die Farben müssen stimmen, das ist das allerwichtigste“, erklärt der Künstler. Falle ihm ein Foto in einer Zeitschrift auf, schneidet er es aus. Einige hundert sind es mittlerweile, die in Wülberns Arbeitszimmer ihrer Verwendung harren. Auch Zeitschriften stapeln sich dort zu Türmen. „Einmal habe ich ein 30-Kilo-Paket von sehr alten Zeitschriften kostenlos über E-Bay erhalten, das war schon super.“

Hat er dann einmal Kopf und Körper gefunden, die gut zueinander passen, beginnt die eigentliche Arbeit. Je nach Größe der Collage kann das etliche Stunden dauern.

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So entstand 2018 die Serie „Tiere mit was an Vol. I“. Sie und andere Werke sind in seiner aktuellen Ausstellung zu sehen. Den Besucher empfangen in der Galerie Krüggling zur Schau „Schöne neue Schöpfung“ teils irritierende Bilder, etwa ein menschlicher Körper mit Kopf und Händen aus Kakteen. Abgestoßen fühlt man sich aber nie, die Werke vermitteln Wärme und Humor. „Kunst sollte doch vor allem unterhalten und anregen“, erläutert der 29-Jährige. Neben Tierbildern sind auch andere Motive zu sehen.

Das „Bärenbuch“ war seine Abschlussarbeit an der FH in Augsburg

Mehrere Jahre seines Schaffens sind in der Galerie ausgestellt. „Ich habe schon als Jugendlicher Comics gezeichnet oder mit Fotografie experimentiert“. Sein erstes wirklich großes Projekt war das „Bärenbuch“, welches auch Collagen beinhaltet. Es war die Abschlussarbeit seines Kommunikationsdesign-Studiums in Augsburg. Von da an sei ihm klar gewesen, dass er für die Kunst leben wolle, erklärt Wülbern. Weil das einfacher gesagt als getan ist, arbeitete der Künstler einige Jahre in der Behindertenassistenz.

In dieser Zeit entstanden viele Werke, die Wülbern unter „Organische Brocken“ zusammenfasst. Das dekonstruierte Foto einer Armbanduhr oder eine wilde Mischung aus Turnschuhen, Wolle und Seidenkleid – die Bilder sind deutlich abstrakter als die Tier-Serie, aber nicht weniger interessant. Der Betrachter merkt: Auch hier bildet eine harmonische Farbkomposition die Grundlage. „Meine Ausgangsideen sind oft simpel und darauf baut sich dann alles auf. Es ist mehr ein innerer Antrieb, dem ich folge.“

Wülbern gewann bereits einen Preis auf der Artmuc Kunstmesse in München

Und der hat Folgen: Bei der Artmuc Kunstmesse im Mai 2019 in München gewann er ein dreiwöchiges Stipendium auf Gran Canaria. Hier entstanden die bisher größten, im ganz wörtlichen Sinne, Werke des Künstlers. Etwa eine zwei Meter hohe und eineinhalb Meter breite Collage aus antiken Skulpturen und Bauten. Sie ist ebenfalls Teil der Ausstellung „Schöne neue Schöpfung.“

Auch in Zukunft möchte sich der junge Künstler laut eigener Aussage der Fotocollage widmen. So führt er zwar kein Register über die hunderten ausgeschnittenen Fotos die in Kisten ruhen. Doch sind sie archiviert in seinem Kopf – bis sie eines Tages ihren Weg aufs Papier finden.

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