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Porträt

09.11.2019

Roman Pertl spielt einen der größten Verräter

Eine große Rolle für den Schauspieler Roman Pertl: Er ist jetzt als Judas in dem gleichnamigen Stück von Lot Vekemans im Moritzsaal zu sehen.
Bild: Jan-Pieter Fuhr

Plus Roman Pertl gibt im Moritzsaal den Judas. Eigentlich hätte er das bereits bei der Premiere im Mai tun sollen. Eine Verletzung verhinderte das.

Da kauert er in seinem dunklen Eck, betrübt ob der Unverständnis, die ihm entgegenschlägt. Mit Tränen in den Augen erzählt er den Menschen seine Geschichte. Er, das ist Judas Iskariot. Und seine Geschichte klingt aus seinem Munde so ganz anders als die wenigen über ihn überlieferten Fragmente in der Bibel. Zu erleben ist sie aktuell als Ein-Personen-Stück des Staatstheaters Augsburg. Roman Pertl spielt den Judas. Diese Rolle hätte er schon bei der Premiere im Mai innehaben sollen. Doch es sollte nicht sein. Pertl verletzte sich am Rücken und musste vertreten werden. Der Premiere konnte er nur als Zuschauer beiwohnen.

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„Ich hatte einen Bandscheibenvorfall. Für kurze Zeit stand mehr als nur meine Rolle als Judas in Frage“, erzählt der 31-Jährige bei einer Tasse Kaffee, schwarz, und wischt die für ihn schwierige Phase mit einem Lachen beiseite. „Es war superinteressant, die Interpretation von Pirmin Sedlmeir zu sehen.“ Jetzt sei er aber froh, selbst in die Rolle des Apostels zu schlüpfen.

Komplex ist Roman Pertls Judas

Schauspieler sein, das wollte Pertl schon seit seinen Jugendengagements am Schultheater in Niedersachsen. Studiert hat er diese Kunst an der Folkwang Universität der Künste in Essen und Bochum. Es folgte eine erste Anstellung am Hessischen Landestheater Marburg, seit der Spielzeit 2017/2018 ist er am Staatstheater Augsburg.

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Sein Judas ist noch bis Jahresende zu sehen. „Ich glaube kein Schauspieler oder Schauspielerin würde nein zu einem Monolog sagen“, sagt der 31-Jährige. „So kann man sich einer Figur voll in all ihrer Komplexität widmen.“ Und komplex ist Pertls Judas: einsam, schuldbeladen, verzweifelt, wütend und anklagend. Seiner Präsenz im Moritzsaal der Moritzkirche kann man sich nicht entziehen.

Zur Vorbereitung auch mit Gläubigen unterhalten

Denn dieser Judas ist so völlig anders als der, den die jahrtausendealte Überlieferung als Verräter gebrandmarkt hat. „Es ist natürlich schwierig, mehr über Judas zu erfahren.“ In den Evangelien stehe kaum etwas. Während man im Religionsunterricht beispielsweise viel über den Gewissenskonflikt des Petrus lerne, bleibe Judas außen vor – er ist schlicht der Verräter. „Das ist doch ziemlich spannend.“

Zur Vorbereitung auf die Figur habe er sich mit gläubigen Freunden unterhalten, in Dokumentationen und Untersuchungen recherchiert. Die Regisseurin Magz Barrawasser hat sich mit Theologen ausgetauscht. Pertl verleiht Judas eine eigene Stimme, gibt ihm selbst die Möglichkeit, sich, seine Motive und Ziele darzulegen. „Ich finde es total interessant, eine Figur wie Judas zu spielen.“ Selbstzweifel, Reue, auch Scham – das kenne doch jeder Mensch aus dem eigenen Leben.

Dem Monolog können sich die Zuschauer nicht entziehen

Solche zerbrechlichen Figuren, erklärt er, seien für den Schauspieler oftmals viel dankbarer, weil leichter zu entschlüsseln. Und mit ihnen ließe sich der Dialog mit den Zuschauern besser führen. „Die Menschen spüren etwas, wenn sie diesen Monolog hören, dem kann man sich nicht einfach so entziehen“, sagt Pertl. Und ohne diese Interaktion funktioniert das Stück auch kaum – sein Judas bittet um Hilfe, läuft auf der Suche nach Antworten die Reihen des Publikums entlang. Da wandert schon einmal ein Stofftaschentuch aus der Hose eines Zuschauers in seine plötzlich blutgetränkte Hand.

Im Gespräch gibt sich der Schauspieler mit den blonden, fast weißen, Haaren offen und locker, erzählt auch von den Schwierigkeiten seines Berufs. Das fängt bei den Herausforderungen an, Stücke so zu gestalten, dass sie sich gesellschaftlichen Problemstellungen widmen, ohne zu langweilen. „Was ist gesellschaftlich relevant? Was bewegt uns als Stadtgesellschaft? Das sind Fragen, die ich wichtig finde.“ Eine besondere Herausforderung hat es laut dem 31-Jährigen im Moritzsaal gegeben. Weil die Akustik dort so viel schwieriger als an anderen Spielstätten ist, musste er mit dem Stimmtrainer Fabian Eckenfels spezielle Sprachtechniken einüben.

Ob es Termine im neuen Jahr gibt, steht noch nicht fest

Nachdem Pertl seine persönliche Premiere als Judas erlebt hatte, gab es minutenlangen Applaus. „Nach der Verletzung jetzt doch noch den Monolog spielen zu können und dann so ein Applaus, das war wunderschön.“ In dem Theaterspiel ist er noch bis Jahresende zu sehen. Ob es im kommenden Jahr zu einer Neuauflage kommt, könne er nicht sagen, erklärt der 31-Jährige. Schließlich gibt es noch so viele Stücke, die es sich zu spielen lohnt.

Weitere Termine von Lot Vekemans „Judas“ am 15., 23. und 28. November sowie am 5. und 14. Dezember im Moritzsaal.

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