Kasperltheater

22.04.2018

Sapperlot, ist das gut

Großmutter, Seppel und Kasperl bringen alles durcheinander. Was Kindern gefällt, ist auch für Erwachsene ein Riesenspaß, zumindest, wenn es von Dr. Döblingers Kasperltheater kommt.
Bild: Michael Hochgemuth

Doktor Döblingers geschmackvolles Kasperltheater ist kurzweiliger Nonsens und ein wahres Unterhaltungsschmankerl – auch für Erwachsene

Da sitzt man etwas verunsichert im Puppentheater und wartet, bis der Vorhang aufgeht. Kasperltheater ausschließlich für Erwachsene steht – nach einer Kindervorstellung am Nachmittag – am Samstagabend im Sensemble Theater auf dem Programm. Die „Freunde des Augsburger Puppenspiels“ hatten Dr. Döblingers geschmackvolles Kasperltheater für die zwei Vorstellungen eingeladen. Der Kasperl spricht alle mit „Kinder“ an, dass einem das Herz irgendwie aufgeht. Aber auch der bereits Jahrzehnte lang gereifte Intellekt wird mit altersgerechten Themen und Witzen verwöhnt.

Politikverdrossenheit und H-Milch haben das Wissen um altes Kulturgut, wie auch um das Kasperlelied verdrängt. Lernen wir gleich zu Beginn der Vorstellung „Verführt und Entgretelt“ oder „Das Geheimnis des Nichts“ vom Kasperl höchst persönlich. Die anfängliche Verunsicherung legt sich in den ersten drei Minuten. Man entspannt und lässt sich unterhalten. Und wie: Die Handlung, die sich entspinnt, muss vom Kasperl sein, auf die Idee käme kein Mensch! Blödsinnig wie genial geht sie ungefähr so:

Zeitgenössischer Humor trifft altes Volkstheater

Die Oma fällt bei ihrer Expertinnenansprache zum Thema ,Guter Stuhlgang‘ fast auf einen Seniorenbetrüger herein. Der Zauberer macht sich eine etwas entrückte und instabile Gretl gefügig, und hört dabei das gesamte Geschehen von einem Hinterzimmer des Waldklubs ab. Seppl und Kasperl foppen sich, rennen hin und her und suchen im Wald, wo sich immer alles findet, den Zusammenhang der Geschichte. Zwischendrin führt ein Rocker einen Nonsensmonolog, ein Pudding singt und der allwissende Erzähler vom Band philosophiert über das Nichts, in das auf einmal alle gefallen sind. Gegen Ende entwickeln die Figuren frecherweise ein Eigenleben, das den Ausgang der Geschichte empfindlich gefährdet, sodass die Puppenspieler sich nun selbst zu Wort melden. Ein heillos vergnügliches Durcheinander.

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Kurzweiliger Nonsens, derb, gescheit, tief komisch und in feinster bayrischer Mundart. Zeitgenössischer Humor trifft hier den Stil alten Volkstheaters, archaische Figuren lebendige Leidenschaft. Das Konzept geht vollkommen auf. Und auch handwerklich sind die Künstler Josef Parzefall und Richard Oehmann, die als Autoren und Puppenspieler verantwortlich sind, sensationell. In ohnehin blitzgeschwinden Schlagabtäuschen und Puppenwechseln treiben sie Geschichte und Publikum in Höchstform und halten Letzteres kabarettistisch gekonnt und charmant in direkter Ansprache bis zum Applaus bei der Stange.

Es ist eben auch ein eingespieltes Team. 1994 gründeten Parzefall und Oehmann bereits Dr. Döblingers Kasperltheater, sie spielten und produzierten zunächst für Kinder, dann in beglückender Weise auch für Erwachsene. Mittlerweile sind 14 CDs erschienen, ihre Hörspiele werden längst als das Beste seit Pumuckl gehandelt. Und auch in Augsburg gab es nach der Abendvorstellung heftigen Applaus von ausgelassenen Erwachsenen. Sapperlot!

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