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Blasmusik

07.01.2020

Toni Scholl nimmt Abschied vom Jugendblasorchester

Nach zehn Jahren hört Toni Scholl als Chefdirigent des Schwäbischen Jugendblasorchesters auf.
Bild: Diana Zapf-Deniz

Zehn Jahre lang hat Toni Scholl das Schwäbische Jugendblasorchester dirigiert. Jetzt hat er den musikalischen Nachwuchs ein letztes Mal in Gersthofen angeleitet.

Bewegende Worte und Abschiedsschmerz: Am Dreikönigstag verabschiedeten rund neunzig junge Musiker des Schwäbischen Jugendblasorchesters SJBO des Allgäu-Schwäbischen Musikbundes (ASM) schweren Herzens und mit vielen Tränen ihren langjährigen Chefdirigenten Toni Scholl. Bereits 2004 war er Dirigierdozent beim ASM und ab 2010 stand das Jugendblasorchester unter seiner Leitung. „Es war für mich eine goldene Zeit“, blickt der 56-jährige gebürtige Saarländer dankbar zurück. Heute lebt der Vater dreier Kinder in Empfingen (BW) und hat als Akademischer Mitarbeiter die Leitung für Blasorchester an der Musikhochschule Mannheim inne. Zudem gründete und dirigiert er die Bläserphilharmonie Baden-Württemberg.

"Die Blasmusik ist unterschätzt"

„Langweilig wird es mir nicht werden, doch ich hätte mich durchaus noch für weitere drei Jahre zur Verfügung gestellt und den Übergang zum nächsten Dirigat begleitet“, erzählt er offen. Zweimal jährlich gibt es eine intensive Probenphase von fünf bis sechs Tagen, an denen jeweils zehn bis elf Stunden geprobt wird. Zwanzig davon standen unter seiner Leitung mit insgesamt 22 Galakonzerten und Sonderprojekten wie „Carmina Burana“ und „Der Herr der Ringe“.

Scholl ist überzeugter Blasmusiker: „Als Kunstform ist die Blasmusik absolut unterschätzt.“ Für ihn ist sie eine hohe Kunstform. „In den letzten vierzig bis fünfzig Jahren hat die Blasmusik eine unglaubliche Entwicklung gemacht. Es sollte mehr Philharmonische Blasorchester geben, so wie es auch Symphonieorchester gibt“, ist er überzeugt. „Wer weiß, ob Beethoven nicht auch für Blasmusik geschrieben hätte, wenn es sie damals schon gegeben hätte.“

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Das Jugendblasorchester ist eine Talentschmiede

Die Egmont-Ouvertüre ist für Symphonieorchester entstanden, doch können Bläser mit dem heutigen Ausbildungsstand gut mithalten, findet Scholl, der einstige Erste Tenorhornist der Original Egerländer von Ernst Mosch. Dies führte Scholl eindrucksvoll beim Auftakt des alljährlichen Galakonzertes des sinfonischen Auswahlorchesters in der Stadthalle Gersthofen vor.

Das SJBO ist eine Talentschmiede, aus der viele den beruflichen Weg als Musiker einschlagen. Scholl begleitete rund dreißig begabte Musiker, einige davon studieren bei ihm in Mannheim. „Mein Weg ist es, den jungen Menschen Vertrauen zu schenken und ihnen die Disziplin als Ratschlag mitzugeben. Denn Talent haben alle, doch der Fleiß ist das Entscheidende“, beschreibt der erfahrene Dirigent. Die Fleißkurve ziehe nämlich irgendwann an der Talentkurve vorbei. Die genialen Musiker verfügen bestenfalls über beides.

Ein Abschied mit Tränen

Der künstlerische Beruf lebe seiner Meinung nach davon, dass man Erfahrung weitergebe, und dies habe er beim Nachwuchsorchester SJBO gerne getan. Musik müsse man mit Herz und nicht nach Mathematik machen. Johannes Mimler aus Zusmarshausen verdankt „Toni“, wie er von allen beim SJBO liebevoll genannt wird, seinen beruflichen Werdegang, und er spielt heute im Musikchor Ulm Tenorhorn. „Toni ist wie ein Vater für mich“, erzählt er nach dem Konzert und hat noch immer, wie viele andere seiner Orchesterkollegen auch, Tränen in den Augen. Der Abschied fällt allen Beteiligten schwer.

Die rund 800 Besucher waren beeindruckt von der anspruchsvollen Darbietung der Symphonie No. 8 von David Maslanka, die durchaus mit Symphonien Gustav Mahlers an Schwierigkeitsgrad vergleichbar ist. Scholls Sohn Janick ist mit dem SJBO groß geworden und gab ein starkes Solo am Marimbaphone mit dem Concerto No. 2 von David R. Gillingham. Ein glanzvolles Konzert und gleichzeitig ein glorreicher Höhepunkt für einen Dirigenten, den Franz Josef Pschierer, Präsident des ASM, als Glücksfall für den 87 000 Mitglieder großen Verband nannte, worunter allein 28 000 Jugendliche sind. Der ASM ist der älteste Blasmusikverband Deutschlands.

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