1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Feuilleton regional
  4. Wenn Thelonius Monk zum walzenden Landler bittet

Jazzclub

15.09.2019

Wenn Thelonius Monk zum walzenden Landler bittet

Das Auwald Trio mit Christoph Ludwig Mayer (von links), Ludwig Leiniger und Lorenz Hunziker-Rutigliano spielte im Jazzclub.
Bild: Mercan Fröhlich

Wer tanzt mit wem und warum? Das Auwald Trio im Jazzclub gibt eine Antwort.

Der Herbst ist so etwas wie der Frühling der Jazz-Saison – es geht wieder los. Zum Auftakt begrüßte der gut gefüllte Jazzclub Augsburg das Auwald Trio um Pianist und Komponist Christoph Ludwig Mayer, und die Band begrüßte das Publikum mit einem swingenden Stück, das gut und gerne in den Standardkanon aufgenommen werden darf. Dass man an die Altmeister Thelonius Monk und Jacques Loussier erinnert wurde, ließ schon erahnen, dass einen noch ein herrliches musikalisches Durcheinander erwarten würde, ein Durcheinander jedoch von so harmonischem Fluss wie der Bach, der sich durch den goldenen Auwald schlängelt.

Ein überschwänglicher Pianist

Herbstliche Melancholie verbreitete eine Ballade, die sich immer mehr zu dramatischen Gewitterwolken auftürmte, der drohende Sturm sich dann aber in Wohlgefallen – in diesem Fall ein Bass-Solo – auflöste. Überhaupt, gelöst war die Atmosphäre vom ersten Beckenschlag an. Mayer stellte Ludwig Leiniger am Bass und Lorenz Hunziker-Rutigliano am Schlagzeug erst als seine Mitmusiker vor, um den Bruchteil einer Sekunde später zu präzisieren: „meine Freunde“. Diese persönliche wie musikalische Vertrautheit war mit Sicherheit maßgeblich verantwortlich für die Spielfreude, die ohne Unterlass von der Bühne ins Publikum floss. Davon zeugten die Reaktionen vor der Bühne genauso wie das breite Grinsen, das der Rhythmussektion bei ihren Parts immer wieder über das Gesicht huschte, wenn beispielsweise eine hämmernde Stride Piano Line sich kurzzeitig in einen walzenden Landler verwandelte.

Das Konzert war ebenso unterhaltsam wie kurzweilig, aber das ist auch kein Wunder, wenn Stücke nach der Vertonung einer Szene klingen, in der der legendäre Jazzpianist Esbjörn Svensson bei einem abendlichen Herbstspaziergang im besagten Auwald auf sein Idol Johann Sebastian Bach trifft und ihm freundlich die Hand schüttelt, nur um kurz darauf von den Rabauken von The Bad Plus fies angerempelt zu werden. Mayers Ansagen wurden launiger, und dabei auch ein wenig alberner, bei den Stücken dachte man unweigerlich, dass der Pianist wohl gern auch mehr als die 88 Tasten nutzen würde, die ein Flügel hat, so enthusiastisch gebärdete er sich an seinem Instrument.

„Wer tanzt mit wem und warum?“, so fragte das Trio in einem seiner Stücke. Die Antwort, so weiß man nach diesem Abend, kann nur heißen: Am besten alle mit allen, weil es nicht anders geht. Wenn der Herbst so beginnt, dann darf er ruhig ewig dauern.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren