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Musik

06.02.2020

Wenn ein Seniorenheim zum Konzertsaal wird

Das Benefizkonzert des Bundespolizeiorchesters München im Seniorenzentrum St. Raphael in Augsburg.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Für Senioreneinrichtungen gehört es mittlerweile fast schon zum Standard, hochwertige Konzerte anzubieten. Manche versuchen damit, auch Zuhörer von außerhalb zum Altenheimbesuch zu bringen

Der Rhythmus geht ins Blut – George Gershwins Musik aus der Oper „Porgy and Bess“ in der Besetzung eines Bläserquintetts kommt beim Publikum an. Der Konzertsaal ist der große Saal in der Caritas-Senioreneinrichtung St. Raphael, rund 40 Prozent der Konzertbesucher wohnen in diesem Heim, die anderen 60 Prozent kommen von außen. Seit neun Jahren schon bietet St. Raphael die Konzertreihe „Jung trifft Alt“. An diesem Abend ist das Bläserquintett des Bundespolizeiorchesters München zu Gast. Es herrscht Konzertatmosphäre – mit liebevoll geschmückten Tischen, Knabbereien und Getränken.

Hochwertige Konzerte und Kulturveranstaltungen gehören in vielen Senioreneinrichtungen inzwischen zum Standard. In St. Raphael in besonderer Weise. Jedes Jahr gibt es in der Konzertreihe „Jung trifft Alt“ fünf Abende, jeweils donnerstags, 19 Uhr. „Die Reihe ist ein Selbstläufer geworden“, sagt Heimleiter Andreas Bader. Engagiert werden nur Profimusiker. Die meisten haben in der Musikszene einen bekannten Namen, etwa Stephanie Knauer (Klavier), Isabell Münsch (Gesang), Jong-Oh Sim (Tenor), Holger Marschall (Gitarre) und viele mehr.

Klassik, Jazz, Tango, Lieder zu „Leben, Liebe und Leidenschaft“ bilden das Programm quer durch die Jahrhunderte und Musikstile. „Unsere Bewohner, deren Radius ja kleiner geworden ist, sollen die Gelegenheit haben, im Haus selbst hochwertige Musik erleben zu dürfen“, erläutert Andreas Bader das Ziel der Konzertreihe.

Wenn ein Seniorenheim zum Konzertsaal wird

Auch Bewohner von außerhalb sollen zu einem Besuch inspiriert werden

Wichtig ist ihm auch, dass die Konzerte keinen Eintritt kosten. Die Künstlergagen finanzieren sich vorwiegend über die an den Abenden gesammelten Spenden. Bader nennt noch ein anderes Ziel, das er mit diesen Konzerten verfolgt: Über die Bewohner hinaus sollen Leute von außen dazu inspiriert werden, einmal in ein Altenheim den Fuß zu setzen. „Wenn die Besucher dann sagen: Ach, so schlimm ist es ja gar nicht in einem Altenheim, haben wir ein weiteres Ziel erreicht.“

Auf ein reiches Angebot von kulturellen Veranstaltungen in ihren Einrichtungen legt auch die städtische Altenhilfe Wert. Im Seniorenzentrum Servatius etwa werden immer wieder junge Künstler und Stipendiaten vom Verein Live Music Now zu Konzerten eingeladen. Erwartet wird, so Brigitte Pischner vom Sozialdienst des Seniorenzentrums, bei den Künstlern „ein hohes professionelles Niveau“.

„Ich erlebe, dass unsere Bewohner bei solchen Konzerten glücklich sind“, berichtet Brigitte Pischner, sie sind „wahnsinnig aufmerksam, sind ruhig und hören zu“. Viele Bewohner hätten ja selbst in ihrem Leben gerne Konzerte besucht oder ein Instrument gespielt. Und nun kommen die Musiker zu ihrem Publikum, damit die Wege kurz bleiben.

Zum Konzertsaal wird dann das Foyer

Ein vielseitiges Konzertprogramm das Jahr über, das etwa auch leichtere Klassik oder Opern- und Operettenmelodien vorsieht, spricht die unterschiedlichen Geschmäcker an. Zum Konzertsaal wird dann das Foyer, wo auch der hauseigene Flügel steht, oder das Café im Heim.

„Auch pflegebedürftige Menschen und solche, die einen hohen Pflegegrad haben, sollen einen Zugang zu kulturellen Angeboten verschiedenster Art haben“, so Daniela Frumert, Sprecherin der Altenhilfe. Deshalb sollen die Angebote direkt im Haus, meist am Nachmittag, erlebbar sein. Im Gegensatz zu St. Raphael sind diese Angebote in erster Linie für die Bewohner gedacht.

Eine Nachfrage in anderen Senioreneinrichtungen, etwa im AWO-Seniorenzentrum Christian-Dierig-Haus, hat ergeben, dass auch hier gerne junge Künstler, etwa vom Leopold-Mozart-Zentrum der Universität Augsburg, für Konzertauftritte eingeladen werden.

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