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Ausstellung

01.10.2020

Zur Malerei kehrt Felix Weinold immer wieder zurück

Der Nierentisch der 1950er Jahre wird in Felix Weinolds Malerei zum poetischen Objekt.
Bild: Michael Hochgemuth

Plus Felix Weinold ist derzeit an zwei Orten mit seiner Kunst präsent. Holbeinhaus und Galerie Noah zeigen zwei Themen und viele Facetten des Augsburger Künstlers.

Er ist von einer erstaunlichen Produktivität, Ausstellungen scheinen sich wie Schübe zu ereignen, er ist schnell, mutmaßt man nicht zu Unrecht – und doch haben seine Bilder nichts von Hast, bei aller Dynamik, die über die Leinwand treibt. Felix Weinold, gebürtiger Augsburger, der an der Münchner Akademie Meisterschüler von Gerhard Berger war, vertreten bei vielen internationalen Solo- und Gemeinschaftsausstellungen und in Sammlungen, wird demnächst 60. Aber er will seine wunderbar üppige Präsenz aktuell an zwei Orten in Augsburg nicht als Jubiläumsveranstaltung verstanden wissen. Keine „Lebenswerk“-Schau, die Bilder wären auf jeden Fall ohne dezimalen Anlass gekommen.

Weinold beschäftigt sich auch mit Bühnenbild, Kunst am Bau und Fotografie

„Praktisch“ (beim Kunstverein im Holbeinhaus) und „Jungle“ (im Studio der Galerie Noah) sind die Titel der Werkauswahl. Sie demonstriert – in aller Freiheit der Genres Stillleben, Konstruktion, freie Expression, freie Szenen – vor allem die schiere Lust an der Malerei, zu der Felix Weinold immer wiederkehrt, nach und während permanenter Beschäftigung mit Fotografie, Kunst am Bau, Bühnenkunst, Grafik. Farbe, Malerei.

Immer noch in Erinnerung ist die Bemerkung eines kunstsinnigen Chefredakteurs vor fast 40 Jahren, als ihm beim Abzeichnen einer Feuilletonseite mit einem Artikel über Weinold das illustrierende Bild, ein Porträt, auffiel: „Da kann ja einer noch malen…“. Weinolds Porträts sind aufregend, immer noch, immer mehr, wenn man etwa den Katalog seiner „Heads and Heroes“, sein irisches Tagebuch, nachblättert, wo sich expressionistisch-dramatische Verzerrung mit der kontemplativen Ruhe präzis erfasster Gesichtslandschaften abwechselt.

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Hinreißend komische Reflexe auf den Möbelstil der 195050er Jahre

Doch Farbe und feines Gefühl für geometrische Linienkonstruktion spielen bei ihm eine ebenso große Rolle. „Praktisch“ ist die Schau im Holbeinhaus überschrieben. Wie dort der Maler mit dem scheinbar nur zum amüsierten Nostalgierückblick geeigneten 50er-Jahre-Möbelstil des Nierentischs seine künstlerischen Reflexe auslebt, ist hinreißend, ironisch ja, aber in ästhetischer Inbrunst. Übereinander gehoben, ineinander geschoben, mit Überblendungen, Beleuchtungs- und Perspektivwechseln, hebt er dieses legendäre Ready-Made, oder auch den Retro-Nachkriegsplattenschrank, aus den Katalogen in den Rang eines Poesie-Lieferanten. Ob in zart gläsern-fragiler Transparenz oder in farblich bebend atmenden Bildfeldern, hat man ein Schau-Erlebnis, das schlicht, ohne obligate Interpretierungswut, die Netzhaut erfreut. Da wird der offizielle Titel „Praktisch“ wahrlich zum „Prak-Tisch“.

Bildnerische Abenteuer

Konstruktion und dynamisch sicher gesteuerter Farbfluss, der hin und her-„zoomende“ Wechsel von realistischen Partikeln und frei explodierenden Gegenständen in einer an vegetativ-pflanzliche Lebensformen erinnernden Welt, einfangen in virtuelle Gewebeschläuche oder Anmutungen von Nervenbahnen, machen die andere Abteilung, seine „Jungle“-Bilder, zu bildnerischen Abenteuern. Der Dschungel ist überall zu finden; mikroskopisch verborgene Verflechtungen und ihre darin mysteriös treibenden Teilchen haben im großen Bild ihren tollen Auftritt: Dunkel bedrückend, aber auch aufregend gleißend: Sie bekommen ihre Bühne. Bezeichnend dafür ist auch eine Mischtechnik mit dem Titel „Natur-Schauspiel“. Darin liefern sich tatsächlich zwei zwar amorphe, doch erkennbar mit Charaktereigenschaften ausgestattete halbabstrakte Figuren ein skurriles Duell – ein heiß-kalt-rot-blau-grün entfesselter Farbenrausch auf einer imaginären Bühne.

Die kleinere Schau in Studio der Galerie Noah, hat den Titel „Jungle“, ein Thema, dass schon frühere Ausstellungen Weinolds getragen hatte, und eben auch im Holbeinhaus sind „Jungle“-Bilder vertreten. Doch dazu versehen mit signifikanten Stillleben, vom Nierentisch-Ensemble bis zur abstrahiert fließenden Landschaft, ist diese elfteilige Schau im Noah-Studio so etwas wie ein komprimiertes Porträt des Künstlers.

Ausstellungen Felix Weinold, „Praktisch“. Holbeinhaus; geöffnet Mi. bis So. 11 – 17 Uhr; Laufzeit bis 31. Oktober / Felix Weinold, „Jungle“. Galerie Noah. geöffnet Di. bis Do. 11 – 15 Uhr, Fr. bis so. 11 – 18 Uhr; Laufzeit bis 29. November. Auch in der Ausstellung „Amish Quilts Meet Modern Art“ im Textilmuseum ist ein Werk Felix Weinolds zu sehen; geöffnet Di. bis so. 9 – 18 Uhr; Laufzeit bis 25. Oktober

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