Ausstellung

22.05.2019

Zwei mit einem Faible fürs Kleine

An der längsten Galeriewand findet sich eine eindrucksvolle Reihung von Bildern. Eng an eng präsentieren Jie Li und Jan Hashagen im Wechsel ihre Arbeiten.
Bild: Mayr

Die jungen Künstler Jie Li und Jan Hashagen haben in der Ecke Galerie ihre Arbeiten gekonnt kombiniert und treten gemeinsam in künstlerische Zwiesprache.

Kunst satt, Arbeiten über Arbeiten, mehr als 80 Werke sind in der aktuellen Ausstellung der Ecke Galerie zu sehen. Wie das in den Räumen der Galerie möglich ist? Jie Li und Jan Hashagen haben eine Vorliebe für das kleine Format, von ihren Gemälden, oft nur so groß wie ein DIN-A4-Papier, passen einfach mehr in die Galerie. Und schon geht es hinein in dieses Wechselspiel, das sie unter dem englischen Titel „Paradise“ zusammengestellt haben.

Li, 32, und Hashagen, 27, haben beide eben erst an der Akademie der Bildenden Künste in München ihren Abschluss als Studenten von Prof. Axel Kasseböhmer gemacht. Über weite Teile in der Ausstellung haben sie ihre Arbeiten aufeinander abgestimmt. Gehängt wurde im Wechsel. Neben der Vorliebe für ähnliche Formate ähnelt sich ihre Malerei auch im Verhältnis zum Realismus. Es lässt sich Welt erkennen, auch wenn die Künstler abstrahieren.

Fernöstliche Lasurtechniken

Besonders gut und eindrucksvoll gelingt den Künstlern die Zwiesprache im ersten Stock, über viele Meter hinweg haben sie dort eng an eng eine Bildstrecke von 30, 40 Arbeiten hintereinander weg platziert. Und sieht man sich ein wenig ein, erkennt man den Schöpfer auch ohne den Blick auf die Werkliste.

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Jie Li, in Hangzhou in China geboren, hat dort auch Kunst studiert, bevor sie nach München kam. Das merkt man ihren Bildern an. Sie greift auf fernöstliche Lasurtechniken und teilweise auch auf japanische Mineralpigmente zurück. Li legt ihre Motive oft unter einen Schleier. Ihre Kunstwelt scheint in der Erinnerung errichtet zu werden, in der weniger der konkrete Eindruck als die damit verbundene Stimmung aufbewahrt wird.

Die Malerei gewinnt an Dringlichkeit

Anders fällt bei Jan Hashagen der Umgang mit der Farbe und Form aus. Wirken Lis Bilder wie Erinnerungen, haben Hashagens Arbeiten Traumcharakter. Proportionen und Formen lösen sich auf, surreale Elemente kommen hinzu. Dazu gewinnt die Farbe und die Malerei an sich an Dringlichkeit. Auf kleinstem Raum gestaltet Hashagen farbprächtige, schillernde Übergangsmuster, organische Formen, Blattadern aus Pigmenten.

Eine schwer zu greifende Szenerie von Jan Hashagen (links) und ein Mädchen in Rot von der Künstlerin Jie Li. Die beiden, die bis vor kurzem an der Akademie in München studiert haben, stellen gemeinsam in der Ecke Galerie aus.
Bild: Mayr

Motivisch ergänzen sich die beiden. Erst präsentieren sie Berglandschaften, ein Vulkan, der Feuer speit, dann tauchen Symbole menschlichen Lebens auf, eine Hütte im Schnee, später Lagerfeuer, die Sonne, ein Mädchen im roten Mantel. Politisch wird es mit einer (Friedens-)Taube im Sturzflug und Menschen in einem Boot unter dem Titel „Die Zuflucht“.

Später kontrastieren die Arbeiten

Im hinteren Galerie-Teil, in dem auch Arbeiten von 2017 zu sehen sind, kann man dann auch beobachten, wie schnell sich Künstler entwickeln und häuten – im Farbauftrag (Li muster-kratzend) und der Farbauswahl (Hashagen grell-bunt). Dort harmonieren ihre Arbeiten nicht, sondern sie kontrastieren bewusst. Ja, auch das macht Spaß und regt zum Schauen an. Die Ecke zeigt in der Schau junge Kunst, die sich wahrlich nicht verstecken muss.

Die Ausstellung „Paradise“ ist bis zum 22. Juni in der Ecke Galerie zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Mittwoch bis Freitag von 14 bis 18 Uhr. Samstag von 13 bis 16 Uhr.

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