Iliuta B. war am 18. Dezember auf einer Autobahn unterwegs, so viel ist auf dem Video zu sehen. Die Aufnahme ist verwackelt und verschwommen, aber es spricht einiges dafür, dass es sich um die A8 bei Augsburg handelt. Die Straße ist dreispurig, einmal lässt sich ein Schild mit der Aufschrift "München" erkennen. Der 37-Jährige hat das Video im sozialen Netzwerk Facebook gepostet. "Was machst du da?", schreibt ein anderer Nutzer unter dem Beitrag. Iliuta B. antwortet nicht. Die Ermittler von Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei sind sich allerdings sicher, dass sie wissen, was der Rumäne in jenen Tagen in Augsburg tat.
Kurz nachdem der Mann das Video einer Autofahrt auf Facebook geteilt hatte, in der Nacht auf den 19. Dezember, drangen um 2 Uhr nachts zwei Männer in ein Haus im Stadtteil Bergheim ein, wohl durch ein Kellerfenster. Sie vermuteten den Ermittlungen zufolge wohl größere Beute in dem Gebäude – und trafen auf das Ehepaar, das in dem Haus wohnte, ein 83 Jahre alter Mann und eine 71 Jahre alte Frau. Die Einbrecher attackierten die beiden, und die Gewalttat war so brutal, dass beide Opfer massive Verletzungen erlitten. Der 83-Jährige wird auf einem Auge dauerhaft blind bleiben. Die beiden Tatverdächtigen, die in das Haus eingedrungen sein sollen, wollten das Ehepaar den Ermittlungen zufolge umbringen oder nahmen den Tod der Senioren zumindest billigend in Kauf, daher hat die Staatsanwaltschaft Anklage unter anderem wegen versuchten Mordes erhoben. Inzwischen hat das Landgericht die Anklage zugelassen, es wird also zu einem Prozess kommen. Ein konkreter Termin steht allerdings noch nicht fest.
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Die beiden mutmaßlichen Täter sind den Ermittlungen zufolge Iliuta B., 37, und Zsolt S., 40, zwei gebürtige Rumänen. Mindestens einer von ihnen hat eine kriminelle Vergangenheit: Iliuta B. wurde Informationen unserer Redaktion zufolge bereits in seinem Heimatland und in Großbritannien wegen verschiedener Vorwürfe verurteilt. In Rumänen stand er einem Medienbericht zufolge 2013 vor Gericht, weil er Falschgeld in Umlauf gebracht hatte. Das Gericht verhängte damals einen Arrest von 29 Tagen gegen ihn. 2017 musste er in Großbritannien länger ins Gefängnis. Weil er mit zwei anderen Männern versucht hatte, Bankkunden mit manipulierten Geldautomaten zu bestehlen, verurteilte ein Richter das Trio zu Haftstrafen von einem Jahr, wie aus einem Artikel einer englischen Tageszeitung hervorgeht.
Was Iliuta B. mit Deutschland verbindet, ist nicht ganz klar. Seinem Facebook-Profil zufolge ist er verheiratet, hat zwei Kinder und offenbar Bekannte und Verwandte in Bayern. Wahrscheinlich ist, dass ihn, wie viele Rumänen, die Aussicht auf Arbeit öfter nach Deutschland trieb. So war es auch bei Daniel M., der dritte Angeklagte, den die Ermittler für die entscheidende Figur hinter der Gewaltattacke auf das ältere Ehepaar halten, obwohl er selbst dabei wohl nicht im Haus war. Daniel M. ist ein 32-jähriger Mann, der das Ehepaar kannte, weil er für die beiden Senioren offenbar als Handwerker tätig gewesen war und unter anderem für Sanierungsarbeiten an einer Immobilie in der Augsburger Innenstadt zuständig gewesen sein soll, die dem Ehepaar gehört und die früher einmal als Praxis diente. Er soll den Ermittlungen zufolge die beiden anderen Tatverdächtigen angeheuert und die Tat geplant haben.
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Nach Informationen unserer Redaktion lebte der 32-Jährige in den vergangenen Jahren offenbar immer mal wieder in der Stadt, teils wohl auch über längere Phasen; vor fünf Jahren etwa war er in einem größeren Wohnblock in Haunstetten gemeldet. Ein Mann mit demselben Nachnamen, offenbar ein Verwandter von Daniel M., hatte hier zuletzt auch einen kleinen Handwerksbetrieb angemeldet. Den 32-Jährigen nahm die Polizei in Augsburg fest, Iliuta B. und Zsolt S. wurden aus Rumänien ausgeliefert, alle drei sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft.
Ein Knackpunkt der Verhandlung dürfte werden, ob insbesondere Daniel M., der bei der Tat selbst nicht im Haus anwesend war, die Mordabsicht nachgewiesen werden kann. Sein Anwalt Werner Ruisinger sagt auf Anfrage, sein Mandant werde sich gegen den Vorwurf des versuchten Mordes verteidigen. "Dass es zu einem Gewaltexzess kommt, war weder geplant noch gewollt." Verteidigt werden die beiden anderen Männer von den Anwälten Jörg Seubert und Solomon Webs, das Ehepaar wird im Prozess als Nebenkläger dabei sein und von der Anwältin Marion Zech vertreten. Die Anwälte wollten sich auf Anfrage zunächst nicht äußern oder waren nicht zu erreichen.