Newsticker

Mehr als eine Million Corona-Infektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Lokalsport
  4. Analyse: Der FCA verteilt Geschenke wie Sankt Martin

FC Augsburg

12.11.2018

Analyse: Der FCA verteilt Geschenke wie Sankt Martin

Rund 700 Kinder des FCA-Kids-Club folgten dem heiligen St. Martin beim Martinsumzug vor der WWK-Arena.
Bild: Klaus Rainer Krieger

Der FCA steht nach dem ersten Drittel der Saison mit 13 Punkten auf Platz zehn, spielt teilweise spektakulären Fußball. Trotzdem herrscht eine gewisse Unzufriedenheit.

Am Montagabend begleiteten Jonathan Schmid und Jeffrey Gouweleeuw mit ihren Kindern den FCA-Kids-Klub an der Arena beim Martinsumzug. Der Lichterzug mit den selbst gebastelten Laternen erinnert an den Heiligen Martin von Tours, der als Soldat seinen Mantel mit einem Bettler teilte. Später wurde Martin Bischof. Die Legende ist eine Parabel für Barmherzig- und Großzügigkeit. Und sie trifft auch ein wenig auf den FCA zu, denn kein anderer Bundesligist verteilt derzeit mehr Geschenke. Auch bei der 1:2-Niederlage bei der TSG 1899 Hoffenheim bekam die Mannschaft von Trainer Manuel Baum wieder viel Lob für ein gutes Spiel, aber auch ein spätes Gegentor. Mit „nur“ 13 Punkten ist der FCA nach einem Drittel der Saison derzeit Zehnter. Warum ist das so?

FCA hat sieben Punkte wegen späten Gegentoren verschenkt

Der FCA hat 167 Torschüsse abgegeben, nur Leipzig (181), Hoffenheim (187) und Bayern (192) waren tatkräftiger. Allerdings erzielte der FCA damit nur 19 Tore, was Platz sieben bedeutet. Spitzenreiter Dortmund traf bei nur 144 Versuchen 33 Mal ins gegnerische Tor. Ein Grund für die mangelnde Torausbeute: das lange Fehlen von Alfred Finnbogason. Er verpasste die ersten fünf Punktspiele und traf in den folgenden sechs Partien sieben Mal. Doch außer dem Isländer ist kein FCA-Akteur richtig treffsicher. Dahinter folgen Martin Max und Michael Gregoritsch mit zwei Treffern. Die FCA-Profis müssen kaltschnäuziger und konsequenter werden.

Die letzten zwölf Gegentore kassierte der FCA alle nach dem Wechsel (Vereinsrekord). Aufgrund von ganz späten Gegentoren hat der FCA schon sieben Punkte verschenkt. Allerdings in Dortmund, gegen Bayern, Düsseldorf und Freiburg hat der FCA auch spät getroffen. Auch der Pokalsieg gegen Mainz gelang in der Verlängerung. Alles Fakten, die dagegen sprechen, dass der FCA konditionelle Schwächen hat. Auch bei den wichtigen Parametern Sprints (Platz vier) und intensive Läufe (Platz sieben) liegt der FCA in der Spitzengruppe der Liga. Was aber auffällt: Immer dann, wenn sich der FCA in der Schlussphase weit zurückfallen lässt, von seinem aggressiven Offensivpressing abrückt, den Gegner kommen lässt, wächst der Druck und es passieren Unkonzentriertheiten. Ein wenig mehr Mut in den letzten Minuten würde da vielleicht helfen. Auch wenn die Stürmer die durchaus vorhandenen Konterchancen besser ausspielen würden, dann wären Spiele schon vorzeitig entschieden, bevor es eng wird.

Hinteregger würde eine Pause vielleicht guttun

Die bisherigen drei Siege (Düsseldorf, Freiburg, Hannover) gelangen dem FCA in einer 4-2-3-1-Formation. Natürlich verändern sich die taktischen Ausrichtungen sogar während des Spieles fließend. Aber es scheint, dass die FCA-Defensive mit Viererkette und den zwei Sechsern Baier und Khedira vor der Abwehr stabiler steht, als mit zwei hochgezogenen Außenverteidigern und drei Innenverteidigern.

Unterliefen zum Saisonstart Torhüter Fabian Giefer drei dicke Fehler, patzen jetzt immer wieder andere Spieler. In Hoffenheim schlief Schmid beim 1:2 und verteidigte Hinteregger vor dem 0:1 schwach. Überhaupt hat der österreichische Innenverteidiger Probleme, seine Top-Leistungen abzurufen. Vielleicht würde ihm eine kleine Pause mal guttun.

Bisher hat die Mannschaft die Eskapaden außerhalb des Spielfeldes akzeptiert, auch weil der Brasilianer auf dem Feld Leistung gebracht hat (Pokalspiel gegen Mainz). Doch in Hoffenheim war sein Eigensinn genauso wenig zu übersehen wie sein Ausraster bei seiner Auswechslung. Die FCA-Führung muss aufpassen, dass sie Caiuby nicht an einer zu langen Leine laufen lässt.

Zehn FCA-Profis spielen in Nationalmannschaften

Es ist der Fluch der guten Tat. Der FCA muss zehn Spieler für diverse Nationalmannschaften abstellen. Der FCA lebt von seinem Kollektiv, ist darauf angewiesen, dass ein Rädchen ins andere greift, dass auch die Kleinigkeiten auf dem Feld passen. Dafür ist intensives Training mit allen Spielern nötig.

Der FCA hat auch Pech. Zwei Beispiele: Gegen Nürnberg führte der FCA 1:0, als Finnbogason an die Querlatte köpfte. Im Gegenzug fiel das 1:1. In Hoffenheim traf Finnbogason den Pfosten, den Konter schloss Hoffenheim zum 1:0 ab.

Bei allen Kritikpunkten spielte der FCA im ersten Saison-Drittel oft spektakulären Fußball. Taktisch flexibel, mit viel Power, brachten sie alle Spitzenteams in Verlegenheit. Es macht Spaß zuzuschauen. Der FCA war in keinem Spiel schlechter als die Gegner. Aber das mahnt auch zur Vorsicht. Jetzt kann man die Fehler noch ohne großen Druck abstellen. Aber der Abstand nach unten ist gering und mit einer schlechten Phase könnte man schnell abstürzen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren