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Bad Grönenbach

29.09.2019

Allgäuer Tierskandal: Behörden wussten schon länger von Mängeln

In Bad Grönenbach im Unterallgäu wurden Tiere auf mehreren Höfen schlecht behandelt. Tierschützer deckten die Missstände auf.
Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Archiv)

Im Allgäuer Tierskandal werden mehr Details bekannt. Behörden hatten offenbar Kenntnis über die Zustände auf einem Hof, diese wurden aber als nicht gravierend eingestuft.

Im Allgäuer Tierschutz-Skandal sind weitere Details zu Verstößen auf einem der Bauernhöfe bekanntgeworden. Wie aus der Antwort des bayerischen Verbraucherschutzministeriums auf eine Anfrage der Landtags-Grünen hervorgeht, wurden dort schon in der Vergangenheit bei Kontrollen kranke Rinder gefunden, die nicht behandelt wurden. Die Grünen-Abgeordnete Rosi Steinberger sprach von "systematischer Tierquälerei" und einer "Dokumentation des Grauens".

Behörden hatten auf dem Hof in Bad Grönenbach mehrfach Mängel festgestellt

Durch die Veröffentlichung von heimlich aufgenommenen Videos einer Tierschutzorganisation waren im Juli die Missstände aufgeflogen. In der Folge hat die Memminger Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen mehr als ein Dutzend Verdächtige aufgenommen, es handelt sich um Betreiber, Mitarbeiter und Tierärzte mehrerer Betriebe.

Bei der Anfrage der Grünen ging es um einen Milchviehbetrieb in Bad Grönenbach, der zuerst wegen Tierquälerei in den Fokus geraten war. Wie aus der Antwort von Minister Thorsten Glauber (Freie Wähler) hervorgeht, hatten Behörden auch in den Monaten vor Bekanntwerden der Filmaufnahmen immer wieder mangelhaft versorgte Tiere festgestellt.

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So wurde beispielsweise im April ein lahmes Jungrind entdeckt, das zwar von den Artgenossen separiert, aber nicht weiter behandelt wurde. Es sei nicht ausreichend, das kranke Tier "sich selbst zu überlassen", bemängelten die Kontrolleure. Einen Monat später entdeckten sie einen Bullen, der ebenfalls nicht von einem Tierarzt behandelt wurde. "Zukünftig sind bei jedem behandlungsbedürftigen Rind unverzüglich Maßnahmen zu ergreifen", wurde der Betrieb belehrt.

Im Juni wurde dann bemängelt, dass Kühen, die krankheitsbedingt nicht zur Futterstelle können, kein Futter und Wasser gebracht wurden. Die Tiere müssten "ihrer Art und ihren Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt und versorgt werden", kritisierten die Behördenmitarbeiter. Bei Tieren mit schlechter Prognose müsse eine Tötung in Erwägung gezogen werden, "um weitere unnötige Schmerzen und Leiden bei diesen Kühen zu vermeiden". 

Bei Kontrollen nach der Veröffentlichung der Videos waren erneut zahlreiche kranke Tiere auf den Höfen des Großbetriebes entdeckt worden. Zwölf Tiere wurden wegen ihres schlechten Zustands dann auf Anweisung der Behörden sofort eingeschläfert.

Landratsamt: Beanstandungen waren "im gering- bis mittelgradigen Bereich"

Das Landratsamt Unterallgäu hatte zwar schon mitgeteilt, dass auch bei vorherigen Kontrollen des Veterinäramtes tierschutzrechtliche Verstöße festgestellt worden seien. Die Aufsichtsbehörde bewertete die Beanstandungen jedoch als "im gering- bis mittelgradigen Bereich" angesiedelt.

Steinberger, die im bayerischen Landtag dem Verbraucherschutzausschuss vorsitzt, bewertet die Verstöße ganz anders: "Wie kaltherzig muss man sein, um kranken Tieren auch noch Essen und Trinken zu verweigern, wie in einem Fall beschrieben?" Sie bezeichnete den Betrieb, der Tausende Tiere hält, als "tierquälerische Agrarfabrik".

Für die dokumentierten Verstöße seien in der Vergangenheit viel zu geringe Bußgelder verhängt worden, kritisierte die Abgeordnete. In dem Bericht des Ministeriums werden zwei Bußgelder wegen Verstößen gegen tierseuchenrechtliche Bestimmungen aufgeführt, einmal ging es um 178,50 Euro und im anderen Fall um 1106 Euro. Zudem habe das Amtsgericht in Memmingen ein Strafverfahren wegen des Transports eines gehunfähigen Rindes gegen Zahlung von 2000 Euro eingestellt. (lby)

Lesen Sie dazu auch: Wie Bad Grönenbach mit dem Tierskandal lebt

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