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Landesmuseum in Kempten?

27.09.2011

Brückenschlag zwischen gestern und heute

Mit einem alten Webereigebäude an der Iller hat sich die Stadt Kempten um das geplante Museum für Bayerische Geschichte beworben.
Bild: Hermann Ernst

Kempten hat sich mit einer alten Weberei an der Iller ins Spiel gebracht. Das Gebäude von 1896 soll Sinnbild sein für die Industrialisierung und den Strukturwandel in Bayern.

Dass Bayern ab dem Jahr 2018 seine Geschichte in einem eigenen Landesmuseum präsentieren wird, ist beschlossene Sache. Entschieden ist dagegen noch nicht, wo der Standort sein wird. 24 Städte und Gemeinden wollen das Museum haben, allein acht Kandidaten kommen aus dieser Region - darunter auch die Stadt Kempten im Allgäu. Wir stellen die Stadt vor:

Betriebsam muss es zugegangen sein, 1902 am Illerufer am Rande der Kemptener Altstadt. 1100 Arbeiter schuften während dieser „Hochzeit“ der Textilindustrie in den Hallen der „Mechanischen Baumwollspinnerei und Weberei“ – darunter ein Viertel Kinder, die meisten davon Mädchen. Keine 100 Jahre später ist es mit der Geschäftigkeit jedoch vorbei – 1993 wird der Betrieb in der Kemptener Spinnerei und Weberei eingestellt.

Geblieben sind die denkmalgeschützten Fabrikgebäude auf beiden Seiten des Flusses – darunter die alte Weberei am Westufer. Mit einer Fläche von 15000 Quadratmetern auf zwei Ebenen gilt der Bau von 1896 als eine der größten bis heute erhaltenen Scheddachhallen in Süddeutschland. Platz genug also für das Museum der Bayerischen Geschichte, findet die Stadt Kempten.

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Doch in der Bewerbung der ältesten urkundlich erwähnten Stadt Deutschlands geht es um mehr als nur Quadratmeter. Gebäude und Gelände selbst seien „sinnstiftend“ für ein Landesmuseum, da sie von der Industrialisierung und dem folgenden Strukturwandel Bayerns erzählten, heißt es in den Unterlagen.

Wilde Romantik trifft auf die Gegenwart

Um dem nachzuspüren, geht man am besten zu Fuß entlang der Iller. Der Kiesweg führt vorbei an den denkmalgeschützten Backsteinfassaden der leer stehenden Weberei. Das Gebäude selbst ist nicht öffentlich zugänglich. Nur wenig später trifft die wilde Romantik der historischen Industriebrache auf die Gegenwart. „Nachbar“ ist das 2010 eröffnete modernste Wasserkraftwerk Deutschlands.

Einen Steinwurf entfernt schlägt die „König-Ludwig-Brücke“ einen Bogen zwischen Alt und Neu: Die einstige Eisenbahnbrücke wurde im Zuge des Streckenbaus Augsburg–Lindau errichtet. Heute spazieren Fußgänger über den fast 160 Jahre alten Holzübergang, der demnächst als „historisches Wahrzeichen der Ingenieurbaukunst“ ausgezeichnet wird. Südlich davon stehen zwei Stampfbetonbrücken von 1904 und 1906, die mit 63 Metern Spannweite die weltweit größten ihrer Art sind.

Stadtratsbeschluss liegt noch nicht vor

Ob all das reichen wird beim Rennen um das Landesmuseum? Der derzeitige Eigentümer der Weberei, das Unternehmen Pfersee Kolbermoor, hätte nichts dagegen. Ebenso wie sämtliche Stadtratsfraktionen unterstützt das Unternehmen die Bewerbung und ist an einem Verkauf interessiert. „Ich habe zwar wegen der Sommerpause noch keinen Stadtratsbeschluss – aber an der Grundstücksfrage wird unsere Bewerbung meines Erachtens nicht scheitern“, verrät Kemptens Oberbürgermeister Ulrich Netzer.

Zumal sich seit Bewerbungsschluss im Juli offenbar schon etwas getan hat. Wie in mindestens vier weiteren Kommunen (Passau, Burghausen, Eggenfelden und Regensburg) soll es in Kempten einen Ortstermin gegeben haben. Eine Bestätigung des Wissenschaftsministeriums gibt es dafür aber nicht.

Unterdessen haben sich die Kemptener von der Euphorie in Sachen Landesmuseum anstecken lassen. So wurde mittlerweile eine Unterstützungskampagne auf Facebook ins Leben gerufen.

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