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Christmette trotz Ausgangssperre? Das wäre wichtig

Kommentar Von Daniel Wirsching
20.12.2020

Die Gläubigen sollen an Heiligabend auch nach 21 Uhr Gottesdienst feiern dürfen, meint unser Autor. Denn gerade an Weihnachten erfüllen sie eine wichtige Funktion.

Wenn der Augsburger Weihbischof Florian Wörner nun der Bayerischen Staatsregierung vorwirft, sie regiere nach „Gutsherrenart“, weil sie für Kirchen an Weihnachten keine Ausnahme von der coronabedingten Ausgangssperre macht – ist das nicht nur Unsinn, sondern fatal. Wieder mal, so der Eindruck, äußert sich ein katholischer Geistlicher von oben herab, den Realitäten entrückt.

Eines aber zeigt die Wortmeldung: Fest. Es zu begehen, berührt den Kern des Glaubens. Das sollte man nicht leichtfertig abtun. Es mag in unserer säkularisierten Welt inzwischen für die meisten nicht mehr nachvollziehbar sein, dass der Vollzug der Glaubenspraxis für Kirchen(-mitglieder) eine besondere Bedeutung hat und sich nicht durch Onlinegottesdienste ersetzen lässt. Aber jetzt wird es zu theologisch.

Leopoldina: Ansteckungsrisiko bei Gottesdiensten gering

Konkreter ist: Die Kirchen haben in diesem Pandemie-Jahr Hygienemaßnahmen vorbildlich umgesetzt. Das bescheinigte ihnen kürzlich auch die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina. Das Ansteckungsrisiko bei Gottesdiensten ist überschaubar.

Die Kirchen, die an Ostern Gottesdienste ausfallen ließen, akzeptieren nach wie vor die Regelungen grundsätzlich – einschließlich der, die sie zwingt, Christmetten vorzuverlegen. Diese beginnen am 24. Dezember spätabends oder nachts; nun müssen Kirchgänger also um 21 Uhr zu Hause sein.

Spontanparties nach Christmetten? Unglaubhaft

Ein paar Stunden hin oder her, das soll die Aufregung von Kirchen(-mitgliedern) rechtfertigen? Ja. Jedoch aus Gründen, die weder mit Theologie noch mit dem Pochen auf die Religionsfreiheit zu tun haben: Die Kirchen planten kurze, hintereinander stattfindende Gottesdienste, was zur Entzerrung beigetragen hätte. Spontanparties nach Christmetten? Unglaubhaft.

Zweiter Grund: Die Regierung versäumte es, mit den Kirchen nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen. Diese erfüllen auch in einer säkularisierten Welt eine wichtige Funktion, zumal an Weihnachten: Sie sorgen sich um unser „Seelenheil“.

Unsere Autorin ist da anderer Meinung. Sie findet: Die Ausgangsperre soll auch für Christmetten gelten.

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