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Interview

15.04.2020

Diese Münchnerin übernimmt die Miete für einen Buchladen

Die Idee, kleinere Läden finanziell zu unterstützen, kam Ulrike Pauli während eines Spaziergangs.
Bild: Pauli

Die Münchner Lehrerin Ulrike Pauli zahlt in der Corona-Krise die Monatsmiete eines Sendlinger Buchladens. Nun möchte sie andere Menschen zum Nachahmen animieren.

Frau Pauli, wie ist die Idee entstanden, die Miete für den Buchladen zu übernehmen?

Ulrike Pauli: Beim Spazierengehen in der Nachbarschaft sind mir die vielen Schilder an den Restaurants und Läden aufgefallen. Bei einigen kann man nur noch bestellen oder etwas abholen, ein paar sind auch ganz geschlossen und die Schaufenster mit Zeitungen zugeklebt. Da habe ich mich gefragt: Wie geht es jetzt eigentlich den Inhabern und den Menschen, die normalerweise dort arbeiten? Mir wurde erst richtig bewusst, in welcher glücklichen Situation ich bin. Als Lehrerin habe ich auch in der aktuellen Lage ein geregeltes Einkommen. Ich wollte deswegen irgendwie helfen. Da kam mir die Idee mit der Monatsmiete.

Warum haben Sie sich dazu entschieden, ausgerechnet die Sendlinger Buchhandlung zu unterstützen?

Pauli: Es ist der Laden, in dem ich schon am häufigsten war. Mir liegt als Lehrerin sehr viel an Büchern und ich höre auch gerne Hörbücher. Ich habe bei der Buchhändlerin angerufen und angeboten, die Monatsmiete zu übernehmen. Ich hatte auch den Friseur angeschrieben, zu dem ich oft gehe. Der findet die Aktion ebenfalls super, kommt mit seinen Rücklagen aber noch gut über die Runden. Es ist schön zu sehen, dass die Leute ehrlich sind und auch sagen, ob sie wirklich Hilfe brauchen oder nicht.

Die Corona-Krise trifft vor allem kleine Geschäfte. Die Münchner Lehrerin Ulrike Pauli übernimmt die Monatsmiete für die Sendlinger Buchhandlung.
Bild: Ulrike Pauli


Mittlerweile haben Sie die Internetseite "Helfer in der Krise" ins Leben gerufen. Was wollen Sie damit bewirken?

Pauli: Ich möchte die Menschen dazu anregen, die Augen offen zu halten und zu schauen, ob sie jemandem helfen können, wenn sie genug Geld haben. Es müssen auch nicht unbedingt Läden oder Restaurants sein, denen man hilft, sondern auch Jugendherbergen, Künstler oder Freiberufler. Jedem sollte freigestellt sein, wie er andere unterstützt. Viele Inhaber freut es allein schon, wenn jemand nachfragt, wie es ihnen geht und ob man ihnen überhaupt helfen kann.

Wie sehen die Reaktionen auf die Aktion "Helfer in der Krise" aus?

Pauli: Allein am Dienstag hatte ich mehr als 12.500 Besucher auf der Internetseite. Viele Menschen haben sich per E-Mail für die Anregung bedankt – das freut mich natürlich total. Eine Freundin von mir unterstützt jetzt gleich zwei Geschäfte: einen Buchladen und einen Keramikladen, für die sie ebenfalls die Monatsmieten übernimmt. Ich denke, die Aktion läuft jetzt nach den Osterfeiertagen so richtig an, wenn die Ladenbesitzer wieder erreichbar sind.

Zur Aktion: Kleinere Geschäfte trifft die Corona-Krise besonders hart. Die Münchner Gymnasiallehrerin Ulrike Pauli verspürte nach einem Spaziergang in der Nachbarschaft den Drang, ihnen zu helfen und übernahm die Monatsmiete einer Buchhandlung in Sendling. Andere Menschen will sie nun zum Nachahmen animieren - mit Hilfe der Internetseite www.helfer-in-der-krise.de, die sie vor Kurzem ins Leben gerufen hat.

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