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Rassismus

17.07.2020

Diese Rassismus-Debatten um NS-Ideologie beschäftigen die Region

Ist der Name „Drei Mohren“ eines großen Traditionshotels mitten in Augsburg rassistisch? Viele meinen: ja. Viele andere meinen: nein.
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Ist der Name „Drei Mohren“ eines großen Traditionshotels mitten in Augsburg rassistisch? Viele meinen: ja. Viele andere meinen: nein.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Nicht nur in den USA oder Belgien stehen Persönlichkeiten und Denkmäler im kritischen Blick. In unserer Region geht es auch um rassistische NS-Ideologie.

Nachdem der 46-jährige Afroamerikaner George Floyd bei einer Festnahme in Minneapolis von Polizisten umgebracht wurde, gibt es weltweite Proteste gegen Rassismus in all seinen Facetten. Symbole und Denkmäler, die vom Geist des Rassismus beseelt sind oder damit in Verbindung stehen, werden immer mehr infrage gestellt. Ein Beispiel dafür ist die Debatte in den Vereinigten Staaten um die Südstaatenflagge, die immer auch als eine Art Zustimmung zur Sklavenhaltung im Süden der USA verstanden werden kann. Und nun aus der Flagge Mississippis – als letztem Bundesstaat – entfernt wurde. Oder etwa die belgische Stadt Antwerpen, die nach der Tötung Floyds das Standbild König Leopold II. entfernen ließ. Der Monarch hatte vor über hundert Jahren derart grausam in seinem „Privatbesitz“, dem Kongo, gewütet, dass dabei geschätzte zehn Millionen Menschen getötet wurden. Auch bei uns gibt es immer wieder ähnliche Debatten – nicht erst seit dem Tod George Floyds – wie ein Blick in unsere Region belegt.

Augsburger Hotel "Drei Mohren" wegen seines Namens in der Kritik

Für viel Aufmerksamkeit sorgt immer wieder das Hotel „Drei Mohren“ mitten in der Augsburger Innenstadt. Es trägt den Namen seit Jahrhunderten. Der Legende nach stammt er daher, dass in der Herberge 1495 drei dunkelhäutige abessinische Mönche beherbergt wurden. Im Sommer 2018 hatte dann die Amnesty Jugend Augsburg eine Petition zur Umbenennung des Hotels gestartet – weil Amnesty der Begriff „Drei Mohren“ rassistisch anmutete.

Er wird schon lange von vielen nicht mehr als Vorbild verehrt: Wernher von Braun (in zivil, hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1944).
Bild: dpa

Sogar Demos vor dem Hotel hatte es daraufhin gegeben. Aber die Betreiber des Hotels halten an dem Namen bis heute fest. Auch nachdem die dunkelhäutige Hauptdarstellerin eines „Jesus-Christ“-Musicals entsetzt das Hotel verlassen hatte, in dem sie eigentlich hatte übernachten wollen. Entsetzt hatte sich auch der kamerunische Philosoph und weltweit bekannte Vordenker des Postkolonialismus, Achille Mbembe, über den Namen bei einem Besuch in Augsburg gezeigt. Die Argumentation der Hotelleitung lautet aber: „Der Name wurde zu Ehren der drei Mohren gewählt.“ Er sei also nicht rassistisch zu deuten.

Angesehener Raketeningenieur hat SS-Vergangenheit

Auch um den Namen Wernher von Braun gibt es in unserer Region immer wieder Debatten. Bis mindestens in die 1980er Jahre genoss der Raketeningenieur in der Bundesrepublik höchstes Ansehen. Schließlich hatte die Nasa – mit ihm in führender Funktion – Menschen auf den Mond gebracht. Doch von Braun war auch SS-Offizier und entwickelte unter anderem die V2-Rakete der Nazis. Dabei starben bis zu 20.000 KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter. Tausende Menschen wiederum starben beim Einsatz der Waffe etwa auf London und Antwerpen. Das Wernher-von-Braun-Gymnasium in Friedberg wurde deshalb 2014 in Gymnasium Friedberg umbenannt. Straßen mit dem Namen des Ingenieurs wurden etwa in Memmingen umbenannt, in Gersthofen oder Thannhausen aber bis heute nicht.

 

Nicht alle Diskussionen fußen auf so bekannten Namen wie jenem von Wernher von Braun. So gibt es lokale Größen, bei denen erst Jahrzehnte später die Nähe zur rassistischen NS-Ideologie stärker in den Blick gerückt ist. Mit der Folge, dass Straßennamen entweder umbenannt wurden oder vielleicht bald noch werden. Beispiele sind etwa: Ludwig Heilmeyer (Gründungsmitglied der medizinischen Hochschule Ulm), Otto Merkt (von 1919 bis 1942 OB von Kempten), Richard Knussert (Gymnasiallehrer und Heimatforscher in Kempten) oder Kurat Christian Frank (Pfarrer in Kaufbeuren).

Und es gibt überdies immer wieder kritische Stimmen, die bemängeln, dass auf Außenlager des KZ Dachau – etwa in Kaufering – zu wenig verwiesen werde. Wie auch auf die Tatsache, dass Hitler im Landsberger Gefängnis sein zentrales Buch „Mein Kampf“ geschrieben hatte. So wie es aussieht, sind all diese Debatten wohl noch lange nicht beendet.

Um Rassismus geht es auch in einer Folge unseres Podcasts "Augsburg, meine Stadt". Hier können Sie ihn hören.

Lesen Sie auch den Kommentar: Umstrittene Denkmäler: Manchmal trifft es der Vorschlaghammer am besten

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Die Diskussion ist geschlossen.

18.07.2020

.
"Für viel Aufmerksamkeit sorgt immer wieder das Hotel "Drei Mohren" "
heißt es da.

F a l s c h !

Nach meiner Meinung ist es (neben wenigen "Aktivisten") nur noch
die Augsburger Allgemeine, die sich immer wieder unangemessen
um Aufmerksamkeit für diese nunmehr ausgelutschte olle Kamelle
zu bemühen scheint und schon mehrmals "Gesagtes" noch und
nöcher wiederkäut.

Wie lange / oft noch??
.

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17.07.2020

Das 3 Mohren ist ein angenehmes Hotel in dem alle willkommen sind, die das Geld haben hier zu übernachten. Ich bin klar gegen Rassismus. Aber die Diskussion um den Hotelnamen ist absolut lächerlich.

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17.07.2020

Das Anliegen einen Hotelnamen zu ändern, der vor vielen vielen Jahren zum ehrenhaften Andenken an Gäste aus der Fremde entstand pervertiert den Grundgedanken gegen Rassismus vorzugehen. Wäre der Name im Dritten Reich aus völkischen Motiven eliminiert worden, würden die Kämpfer gegen Rassismus heute einfordern, das Drei Mohren wiedererstehen zu lassen. Sic.

Gäste, die irritiert sind, kann man die Sache erklären. Vernünftige Menschen werden dann ein Aha-Erlebnis haben. Die anderen muss man ignorieren. Man kann es nie allen recht machen und darf sich nicht instrumentalisieren lassen.

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17.07.2020

Diese Debatte um dieses altehrwürdige Hotel ist lächerlich und entstammt einer lächerlichen Ideologie unserer Zeit.

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