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Pfronten

22.01.2019

Gefährlicher Bahnübergang: Wut nach tödlichem Unfall ist groß

An diesem unbeschrankten Bahnübergang in Pfronten erfasste am Montagabend ein Zug ein Auto und tötete einen Mann.
Bild: Matthias Becker

Der Bahnübergang in Pfronten ist schon lange als gefährlich bekannt. Eine Firma wollte sogar schon für Schranken zahlen. Warum die Bahn bislang nicht handelte.

Nach dem tödlichen Bahnunfall in Pfronten im Ostallgäu am Montagabend ist das Entsetzen, aber auch die Wut groß: Am Übergang in der Badstraße, an dem schon Kreuze an Unfallopfer von 1999 und 2002 erinnern und für den die Gemeinde seit Jahren eine Sicherung mit Schranken fordert, ist jetzt ein leitender Mitarbeiter des DMG-Mori-Konzerns ums Leben gekommen. Das Unternehmen veranstaltet in dieser Woche am Standort Pfronten mit dem Werkzeugmaschinenbauer Deckel Maho seine Hausausstellung, zu der auch der verunglückte 47-Jährige angereist war. Er war auf dem Weg ins Hotel, als der Triebwagen sein Auto erfasste – wenige hundert Meter vom Firmengelände entfernt.

Besonders tragisch: Nach der Hausausstellung im vergangenen Jahr hatte sich Deckel Maho bei einer Besprechung ausdrücklich bereit erklärt, die Schrankenanlage mitzufinanzieren, um die Gefahrenstelle in der Nähe ihres Geländes zu entschärfen, wie Geschäftsführer Alfred Geißler bestätigt.

Auch die Gemeinde Pfronten sei dazu bereit, einen Teil der Kosten zu übernehmen, sagt Bürgermeisterin Michaela Waldmann: „Wir halten an diesem Übergang nur eine Schrankenanlage für möglich und für das probateste Mittel.“ Allerdings gebe es eine Vorlaufzeit von fünf bis sechs Jahren. Mit Verweis auf die zu geringe Frequentierung des Übergangs in der Badstraße sei bislang immer wieder eine Kostenbeteiligung von Bund und Bahn abgelehnt worden, sagt Waldmann. Erst im vergangenen Oktober hatte die Gemeinde noch einmal nachgehakt: „Wir haben nicht locker gelassen.“

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Unfall in Pfronten: 1600 ungesicherte Bahnübergänge in Bayern

Wie stark ein Bahnübergang genutzt werde, sei nur eines von mehreren Kriterien bei dessen Sicherung, sagte dazu ein Bahnsprecher gegenüber unserer Zeitung. Berücksichtigt werde zum Beispiel auch, wie viele Züge auf der jeweiligen Strecke unterwegs seien und wie schnell sich dort Bahnen und Straßenverkehr bewegten.

Zur Erhöhung der Sicherheit bemühe sich die Bahn, die Zahl der Übergänge zu reduzieren, worüber man auch mit der Gemeinde Pfronten seit langem spreche. Insgesamt gab es in Bayern Ende 2017 – das sind die aktuellsten Zahlen der Bahn – 3100 Übergänge, von denen 1500 mit Schranken und/oder Lichtzeichen gesichert waren.

Laut Rainer Lutz vom Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten haben sich im Zuständigkeitsbereich des Präsidiums im vergangenen Jahr 14 Unfälle an Bahnübergängen ereignet, davon acht an unbeschrankten Übergängen. Bei den drei tödlich Verunglückten seit 2015 habe es sich um Radler gehandelt. Zwei waren zwischen geschlossenen Schranken hindurch gefahren, der dritte hatte an einem unbeschrankten Bahnübergang den Zug nicht wahrgenommen.

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23.01.2019

Ein tödlicher Unfall ist natürlich immer tragisch. Aber ein Andreaskreuz gebietet es dem Autofahrer zumindest seine Geschwindigkeit zu drosseln und ggf komplett anzuhalten um sicherzustellen, dass kein Zug herannaht. Wenn jemand bei an einem Stopschild einen tödlichen Unfall hat, weil er jemand anderem die Vorfahrt nimmt, ist auch nicht "die Wut groß", weil an dieser gefährlichen Kreuzung nicht zusätzlich zum Stopschild eine Schranke angebracht war. Absolut undenkbar. Warum also sollte es hier notwendig sein? Wenn keine ausreichende Sicht am Bahnübergang gegeben ist, stehen an der Strecke Pfeiftafeln, die dem Lokführer gebieten zu pfeifen. Es gibt keinen Grund für einen Unfall an einem nicht-technisch-gesicherten Bahnübergang. Alle Autofahrer haben die Fahrschule besucht und sollten die StVO kennen und entsprechend umsichtig agieren. Ist das nicht der Fall, liegt der Fehler nicht bei der unbeliebten Bahn, welche ein dankbarer Opfer für öffentliche Empörung ist, sondern beim Autofahrer. Schienenverkehr hat immer Vorfahrt.

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22.01.2019

Ein sehr tragischer Fall..
Und würde da nicht so riesiger Bürokratieapperat dahinter stehen, könnte man einen beschränkten Bahnübergang sicherlich für einen Bruchteil der Kosten hinhauen!

Leider muss man aber auch sagen, dass Autofahrer häufig selbst dran schuld sind.

Kaum jemand hält sich daran, was man in der Fahrschule gelernt hat (und wie es entsprechend auch die StVO fordert): Bahnübergänge sind mit angepasster Geschwindigkeit zu überqueren, sodass die Strecke ausreichend eingesehen werden kann und das Fahrzeug rechtzeitig zum stehen gebracht werden kann. Das gilt auch für beschränkte Bahnübergänge, die gerade offen sind - also vermeidlich kein Zug kommt.

In der Regel machen sich Autofahrer nicht mal die Mühe nach links und rechts zu schauen, geschweige denn die Geschwindigkeit zu reduzieren. Man sieht es z.B. in Oberottmershausen oder selbst in Augsburg in der Eichleitnerstr. oder Stadionstr.

Ich frage mich überhaupt, ob die Leute realisieren, dass sie da auf eine Kreuzung mit dem Schienenverkehr, welcher Vorrang hat, zufahren?

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