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Porträt

24.11.2020

Karl Obermayr - der Mann, der Manni Kopfeck war

Karl Obermayr (rechts) in der Serie Monaco Franze
Bild: picture alliance/ots

Plus 35 Jahre nach seinem Tod wird Karl Obermayr eine Biografie gewidmet. Der unvergessene Schauspieler aus "Monaco Franze" hat ein großes Vermächtnis hinterlassen.

„A Hund bist scho, Franze!“ Den Spruch kennt in Bayern jeder. Der wunderbare Karl Obermayr alias Manni Kopfeck, sagte ihn als grantelnd-verzweifelter Spezl bewundernd zu seinem Kriminal-Kollegen, dem Monaco Franze. Gefallen ist er in der gleichnamigen Serie von Helmut Dietl, wenn der Monaco Franze wieder mal einer Frau schöne Augen gemacht hat.

Karl Obermayr ist nun aber bereits 35 Jahre tot, und es ist ein Rätsel, warum bis jetzt niemand ein Buch über ihn geschrieben hat. Es gab und gibt in Bayern viele Grantler, aber definitiv keinen so guten Eigenbrötler-Darsteller wie ihn. Interessanterweise hat sich nun gerade ein Preuße der Sache angenommen, nämlich der in Berliner lebende Autor Roland Ernst. Er widmet dem unvergessenen Volksschauspieler eine 244-seitige Biografie.

Biographie von Karl Obermayr: Er konnte kleine Rollen groß machen

Obermayr war im Fernsehen das, was man heutzutage einen „genialen Sidekick“ nennt. Er war einer, der auch die kleinste Rolle groß machen konnte. Überregional bekannt wurde er vor allem durch sein Mitwirken in Fernsehserien des Bayerischen Rundfunks, darunter der Komödienstadel oder Meister Eder und sein Pumuckl. Und auch im Königlich Bayerischen Amtsgericht spielte er mit.

Seinen größten Erfolg feierte der gebürtige Freisinger Obermayr im Jahr 1983 freilich mit seiner herausragenden Rolle des Kriminalbeamten Manni Kopfeck. An der Seite von Helmut Fischer in Helmut Dietls Kultserie Monaco Franze - Der ewige Stenz entwickelt er eine ungeheuer starke Figur. Legendär ist aber auch sein Auftritt als depressiver Wirt Erwin Hillermeier in den Münchner Geschichten, einer weiteren herrlichen Dietl-Serie, die aus den 1970er Jahren stammt.

Hillermeier verkörperte den kleinbürgerlichen Charakter und dessen heimliche Sehnsucht nach der großen weiten Welt, und er hatte die bittersüße Erkenntnis gewonnen, wie beschränkt das eigene Leben in der Gastwirtschaft ist. Damit hat Obermayr Millionen Fernsehzuschauer berührt. Sein vielleicht berühmtester Monolog lohnt sich deshalb auch über 40 Jahre nach der Erstausstrahlung noch mal wörtlich aufzuschreiben.

Mit nur 54 Jahren starb Karl Obermayr an einem Gehirntumor

Und so sagte Wirt Hillermeier abends nach dem Absperren der Gastwirtschaft und des Gastwirtseins überdrüssig mit einem Glas Bier in der Hand: „In da Früh sperr ma auf und auf d’Nacht sperr ma zu. Und na sperr’ ma’ wieder auf und na sperr’ ma’ wieder zu… Prost Erwin! Und wenn sie dann die Grubn zuschütten, na muss der Pfarrer sogn: Hier ruht Erwin Hillermeier, ein Mensch, der seine Pflicht getan hat. Vierzig Jahr hat er in der Früh aufgesperrt und auf d’Nacht zugesperrt. Er ruhe in Frieden.“

Kurz nach dem Ende der Dreharbeiten einer weiteren Dietl’schen Fernsehserie, Kir Royal, in der er übrigens einen Pfarrer bei einer Beerdigung spielte, starb Obermayr dann viel zu früh, so ziemlich am Höhepunkt seiner Karriere und Bekanntheit im Alter von 54 Jahren im Juni 1985 an einem Gehirntumor. Bis zuletzt hatte er an „Die Grandauers und ihre Zeit“, der Hörspielversion der ebenfalls großartigen Fernsehserie Löwengrube, mitgearbeitet. Ihm zu Ehren wurde eine Hauptfigur, gespielt von Jörg Hube, sogar in „Karl Grandauer“ umbenannt.

Die Schauspieler Ruth Maria Kubitschek und Helmut Fischer, die mit der Serie "Monaco Franze" einen großen Erfolg feierten.
Bild: Istvan Bajzat

Auch eine Kneipe, die „Kopfeck“ hieß, gab es später in München. Und es gibt Forderungen von Fans, neben der Bronzefigur Helmut Fischers in Schwabing eine von Karl Obermayr dazuzustellen. Falsch wäre das nicht.

Bisher gab es Karl Obermayrs Lebensgeschichte nicht in Buchform

Biograph Ernst sagt, Karl Obermayr sei auch der einzige der großen bayerischen Volksschauspieler, über den es keine Lebensgeschichte in Buchform gibt. Sein Leben sei bisher eher im Dunkeln gelegen. Für den in Norddeutschland geborenen Autor, der zuvor schon ein Werk über den letzten bayerischen Henker verfasst hat, war dies wie eine Aufforderung, selbst zur Feder zu greifen. „Obermayr war ein ungewöhnlich starker Charakterdarsteller“, sagt er. Er sei ein charaktervoller Sprachakrobat gewesen, der im Theater und Fernsehen mit feinsten Nuancierungen, sparsamen und geradezu rudimentären Gesten einer Rolle zu ihrem ganz eigenen Höhepunkt verhalf.

Eineinhalb Jahre hat Ernst recherchiert und die Spurensuche sei über Theaterkritiken und Zeitungsausschnitte hinaus zunächst schwierig gewesen, sagt er. Obermayrs Frau beispielsweise, die noch lebt, habe kein Interesse an einer Veröffentlichung gehabt. Am Ende gelang es aber dann doch eine Menge Material zusammenzutragen. Entstanden ist eine Reise in Obermayrs Rollen und sein Leben sowie in eine vergangene Theater-, Rundfunk- und Fernsehlandschaft, die in den sozialen Medien durch Fan-Gruppen seit ein paar Jahren eine Renaissance feiert.

Michaela May kannte Karl Obermayr persönlich.. Die beiden standen gemeinsam vor der Kamera.
Bild: Bernd von Jutrczenka, dpa

Ernst hat dazu Zeitzeugen wie die Münchner Schauspielerin Michaela May befragt. „Was er sagte, hatte immer eine große Gültigkeit. Man kann sich als Zuschauer seiner ungeheuren Suggestionskraft kaum entziehen“, berichtet Obermayrs frühere Kollegin, die in den „Münchner Geschichten“ Hillermeiers Tochter und Tscharlies Freundin Susi darstellte. Zudem sichtete der Autor mehr als 50 Stunden Filmmaterial, hat alle verfügbaren Beiträge über Obermayr ausgewertet. Entstanden ist am Ende ein vielschichtiges Porträt, das nicht nur Manni-Kopf-Eck-Fans neue Erkenntnisse über den bayerischen Ausnahmeschauspieler bietet. Jetzt ist die erste Auflage fast vergriffen. Aber Verleger Alexander Strathern will rechtzeitig neue Bücher auf den Markt bringen.

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