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Overtourism vermeiden

18.07.2020

Müssen Touristen bald ihr Parkticket buchen, bevor sie ins Allgäu losfahren?

Autos auch in den Wiesen, so wie hier am Wander-Parkplatz Gaisalpe bei Oberstdorf: Damit das Allgäu an schönen Tagen nicht von Tagesausflüglern überrollt wird, braucht es eine Besucherlenkung, sagen Touristik-Fachleute.
Bild: Günter Jansen

Plus Damit touristische Brennpunkte nicht von einer Blechlawine überrollt werden, braucht es eine Besucherlenkung. Nun gibt es einen neuen Vorschlag.

Das südliche Allgäu wird seit der Lockerung der Corona-Beschränkungen von Ausflüglern regelrecht überrollt. Die Bilder von zugeparkten Wiesen, Hofeinfahrten und Feuerwehrzufahrten vor allem im Raum Oberstdorf und Füssen wiederholen sich. So kann es nicht weitergehen, das sagen auch die Vertreter der Allgäu Top Hotels. Deren Geschäftsführerin Sybille Wiedenmann hat einen "Vorschlag zur Steuerung und Lenkung des Ausflugverkehrs im Allgäu" formuliert: Alle Parkplätze in den am stärksten belasteten Orten sollen erfasst und die Anzahl der freien Plätze im Internet hinterlegt werden. Ein Ausflügler soll dann schon von daheim aus ein Ticket buchen. Wer keines hat, soll erst gar nicht anreisen. Auch Gäste, die mit Bus und Bahn, mit dem Fahrrad oder zu Fuß kommen wollen, sollen vorab ein (kostenloses) Tagesticket buchen.

Unterschiedliche Reaktionen auf den Vorschlag der Allgäu Top Hotels

Die Reaktionen auf den Vorschlag der Allgäu Top Hotels sind unterschiedlich. "Gar nicht so schlecht", sagt zum Beispiel Klaus Fischer, Geschäftsführer der Allgäu GmbH. Er sieht jedoch die technische Umsetzung dieser Besucherlenkung als schwierig an. Auch sei es sicher nicht leicht, alle Interessensvertreter des Tourismus im Allgäu unter einen Hut zu bringen. "Wir leben hier sowohl von den Übernachtungs- als auch von den Tagesgästen", sagt Fischer. Alle seien willkommen. Auch Frank Seyfried, Geschäftsführer der Tegelbergbahn, weist darauf hin, dass die touristischen Anbieter unterschiedliche Interessen hätten. "Natürlich ist Besucherlenkung hilfreich. Aber ich weiß nicht, ob ein im Voraus gebuchtes Ticket die Lösung ist."

"Das ist noch kein umfassendes Konzept", sagt Sybille Wiedenmann. Aber es gelte, jetzt einen ersten Schritt in Richtung Besucherlenkung zu machen. Man wolle die Gäste ja nicht bestrafen – ganz im Gegenteil: Wenn sich jemand online registriere, könne man mit ihm auch in Kontakt treten und ihm Alternativen in Echtzeit anbieten, etwa nach dem Motto: "Bei Schloss Neuschwanstein ist alles voll. Versuchen Sie es doch mal an der Ruine Eisenberg."

Füssener Tourismusdirektor will weitere Vorschläge

Auch der Füssener Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier legt großen Wert darauf, dass den Gästen ein Alternativvorschlag gemacht wird, wenn es am eigentlichen Wunschziel keine freien Parkplätze mehr gibt. Der Gast brauche fundierte Informationen, aus denen er selbst ableiten kann, ob es sich lohnt, ein bestimmtes Ziel anzusteuern.

Fredlmeier ist Befürworter eines digitalen Parkraum-Managements und erläutert anhand eines Beispiels, wie er sich das in der Praxis vorstellen könnte: "Ein Münchner sitzt daheim beim Frühstück und bekommt übers Internet eine Prognose, wie sich um 15 Uhr am Forggensee bei Füssen voraussichtlich die Parkplatz-Situation gestaltet."

Idealerweise könne er den Parkplatz gleich online buchen, wenn die Prognose lautet, dass die Parkplätze stark nachgefragt sind. Voraussetzung sei, dass vorher Daten erhoben werden, die eine solche Vorhersage zulassen, sagt Fredlmeier. "Die Prognose wird dann unter Berücksichtigung wichtiger Faktoren wie Ferienzeit oder Wetter digital kalkuliert." Das grundlegende Ziel dabei sei es, dem Gast mehr Aufenthaltsqualität zu bieten: "Niemand freut sich, wenn er im Stau steht oder ewig viel Zeit mit der Parkplatzsuche verbringt."

Müssen auch Einheimische bezahlen?

Die Situation in Füssen ist Teil eines Projekts, das der Bund gestartet hat. Dabei geht es um die Besucherlenkung an touristischen Hotspots. Auch die Kemptener Hochschule möchte sich daran beteiligen. Digitales Parkraum-Management werfe Fragen auf, sagt der Tourismus-Wissenschaftler Professor Alfred Bauer: "Wie geht man mit denen um, die im Allgäu leben? Müssen sie auch bezahlen?" Die Corona-Krise habe den Druck erhöht, sich um Besucherlenkung zu kümmern, sagt Bauer: "Viel mehr Menschen verbringen den Urlaub jetzt im eigenen Land."

Oberstdorf versucht bereits, Nägel mit Köpfen zu machen. Laut Bürgermeister Klaus King wird die Gemeinde eventuell schon bis zum Jahresende am nördlichen Ortsrand gemeinsam mit den Bergbahnen elektronische Tafeln aufstellen. Darauf können dann Autofahrer sehen, ob an Nebelhorn- und Fellhornbahn noch Parkplätze frei sind.

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